Regenbogenflagge | Bildquelle: AFP

Jerusalem Gay-Pride-Parade unter Polizeischutz

Stand: 03.08.2017 08:57 Uhr

Die Sorge ist groß, dass es auf der Gay-Pride-Parade in Jerusalem zu Gewalt kommen könnte. Rund 1000 Polizisten sollen den Umzug schützen. Ultra-orthodoxe Juden wollen zeitgleich gegen das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare demonstrieren.

Von Tim Aßmann, ARD-Studio Tel Aviv

"Jerusalem ist nicht Sodom. Gebt Ihnen keine Kinder". Mit Slogans wie diesen wirbt die national-religiöse, extrem rechte Gruppierung "Lehava" für eine Gegendemonstration zur schwul-lesbischen Gay-Pride-Parade. Benzi Gopstein, einer der Anführer von Lehava, machte in einem Internet-Video aus seiner Verachtung für die Parade keinen Hehl: "Es gibt keinen Grund, in den  Straßen der Stadt herumzustolzieren und zu sagen: wir sind pervers. Man muss nicht stolz darauf sein, seiner Lust nicht widerstehen zu können. Wenn ihr ein Problem habt, setzen wir uns gerne mit euch zusammen und schauen, wie wir euch helfen können, eurer Lust zu widerstehen."

Es ist homophobe Hetze wie diese, die die israelischen Sicherheitskräfte im Vorfeld der Gay-Pride-Parade Anschläge befürchten lässt. Vor zwei Jahren erstach ein ultra-orthodoxer Jude eine Teilnehmerin des Umzugs. Sein Motiv: Hass auf Homosexuelle. Rund 1000 Polizisten sollen die Parade nun absichern.

Streit um Adoptionsrecht

Überschattet werden der schwul-lesbische Demonstrationszug und die angekündigten Proteste dagegen von einem Streit über das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare in Israel. Schon seit fast zehn Jahren sind solche Adoptionen gesetzlich erlaubt - in der Praxis werden die Anträge aber meist abgelehnt. Das wollen schwul-lesbische Verbände nun mit einer Petition beim obersten israelischen Gerichtshof ändern.

Rechtsanwältin Ricky Shapira Rosenberg vertritt die Kläger: "Wir erwarten, dass das Gericht dem Staat sagen wird, dass diese Auslegung rechtswidrig ist. Denn 'für das Wohl des Kindes' bedeutet, dass sie das Wesen der Eltern untersuchen sollen und nicht im Voraus Eltern ausschließen dürfen, nur weil sie in die eine oder andere Kategorie passen."

Empörung über Stellungnahme der Regierung

Als die Richter die Position der Regierung abfragten, erklärte diese zunächst in einer Stellungnahme, bei gleichgeschlechtlichen Eltern aufzuwachsen bedeute für Kinder zusätzlichen "Ballast". Ein Aufschrei der Empörung war die Folge. Mittlerweile hat das zuständige Ministerium eine Reform bei der Bearbeitung von Adoptionswünschen angekündigt.

Eine Gruppe einflussreicher Rabbiner hat nun in einem offenen Brief an die Justizministerin gefordert, Adoptionen gleichgeschlechtlicher Paare zu verhindern. Shmuel Eliyahu, Oberrabbiner der ultra-orthodoxen Hochburg Safed im Norden Israels, bezeichnete Homosexuelle als "Kranke", die behandelt werden müssten, um sie heilen zu können: "Die schwul-lesbische Gemeinde und ihre Freunde bei den Medien versuchen uns zu verbieten zu sagen, was Gott sagt."

Es wird noch dauern, bis der oberste Gerichtshof im Streit um das Adoptionsrecht entscheidet. Voraussichtlich wird er von der Regierung verlangen, sicherzustellen, das gleichgeschlechtliche Paare nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis Kinder adoptieren dürfen. Den Widerstand homophober religiöser Extremisten wird das Gericht damit aber ganz sicher nicht brechen.

Ultra-orthodoxe Juden wollen gegen Gay-Pride-Parade demonstrieren
Tim Aßmann, ARD Tel Aviv
03.08.2017 11:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 02. August 2017 um 22:52 Uhr.

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