Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude in Tokio, in dem die Klage gegen die Fukushima-Manager verhandelt wird. | Bildquelle: AP

Super-GAU in Fukushima Tepco-Manager vor Gericht

Stand: 30.06.2017 16:01 Uhr

In Japan hat der Prozess gegen drei ehemalige Manager des Fukushima-Betreibers Tepco begonnen. Die Anklage wirft ihnen vor, trotz Warnungen nicht genug gegen eine drohende Tsunami-Katastrophe unternommen zu haben. Die Manager beteuerten ihre Unschuld.

Mehr als sechs Jahre nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima stehen erstmals frühere Top-Manager des Atombetreibers Tepco vor einem Strafgericht. Sie werden beschuldigt, die Gefahr eines gewaltigen Tsunamis missachtet zu haben und damit Schuld an dem Super-GAU vom März 2011 zu sein.

Rauch steigt aus dem Atomkraftwerk Fukushima 1 auf
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2011 hatte ein Tsunami zur Kernschmelze in drei Reaktoren im japanischen Fukushima geführt.

Die Anklage wirft den drei Hauptverantwortlichen vor, ungeachtet auch interner Warnungen die Reaktoren nicht ausreichend vor einem Tsunami geschützt zu haben, zum Beispiel durch die Errichtung von hohen Mauern. Mit einem Urteil wird nicht vor nächstem Jahr gerechnet.

Staatsanwaltschaft lehnte Klage ab

Es hatte Bewohner der Unglücksprovinz mehr als fünf Jahre gekostet, den damaligen Tepco-Chef Tsunehisa Katsumata (77) und zwei weitere Verantwortliche vor ein Strafgericht zu bringen. Die Staatsanwaltschaft hatte sich unter Verweis auf mangelnde Beweise und geringe Erfolgsaussichten zwei Mal geweigert, die Atommanager anzuklagen.

"Es war unmöglich, den Unfall vorherzusehen", behauptete Katsumata vor Gericht. Er entschuldigte sich zum Prozessauftakt in Tokio "für die enormen Probleme für die Bewohner der Region und im ganzen Land", die der Atomunfall verursacht habe. Er sei jedoch überzeugt, dass er und seine Kollegen dafür strafrechtlich nicht verantwortlich seien.

Ein verlassener Spielplatz in der gesperrten Region Iitate | Bildquelle: dpa
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Noch immer sind weite Landstriche in der Region im Norden Japans radioaktiv verstrahlt.

Ein "Desaster von Menschenhand"

Eine unabhängige Kommission war bereits 2012 zum Ergebnis gekommen, dass das Unglück vorhersehbar und vermeidbar war. Es handele sich um ein "Desaster von Menschenhand". Verantwortlich sei das Beziehungsgeflecht zwischen Staat und Atomlobby.

Erst kürzlich hatte ein Gericht festgestellt, dass der Staat und Tepco sich der Nachlässigkeit schuldig gemacht hätten. Die Regierung hätte Tepco zu Schutzvorkehrungen vor Tsunamis verpflichten müssen, hieß es. Es wird nach Schätzung des Betreiberkonzerns noch 30 bis 40 Jahre dauern, bis die Atomruine endgültig gesichert und stillgelegt ist.

In Folge eines starken Erdbebens und gewaltigen Tsunamis vom 11. März 2011 war es in drei Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi zu Kernschmelzen gekommen, Hunderttausende Menschen mussten flüchten. Noch immer können Zehntausende von ihnen aufgrund der radioaktiven Verstrahlung nicht in ihre Häuser zurück.

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