Greta Thunberg und "Climate for Youth France"-Aktivisten besuchen die Französische Nationalversammlung. (Archivbild 23. Juli 2019) | Bildquelle: REUTERS

"Fridays for Future" in Frankreich Viel Applaus, wenig Erfolg

Stand: 20.08.2019 15:33 Uhr

Ausgerechnet im streikfreudigen Frankreich verfängt "Fridays for Future" nicht richtig. Große Demos gibt es selten - auch wegen des Schulsystems. Die jungen Klima-Aktivisten wollen trotzdem weiterkämpfen.

Von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

"Wir sind heißer als das Klima", rufen die jungen Umweltaktivisten bei ihrer großen Demo in Paris. Am Freitag, den 24. Mai, waren anlässlich des weltweiten Klima-Streiks Hunderttausende junge Leute in vielen französischen Städten auf der Straße. Es waren die bisher größten "Fridays for Future"-Demos in Frankreich. Dann ebbte die Bewegung ab. Unter anderem das relativ strenge französische Schulsystem, das unentschuldigte Fehlzeiten teils hart bestraft, schreckt viele Schülerinnen und Schüler ab, den Unterricht zu boykottieren.

Fridays-For-Future-Demonstration in Paris | Bildquelle: AFP
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Demonstranten am 23. Mai in Paris

Demonstrieren könnte man aber auch noch nach Schulschluss, sagt Ivy Fleur Boileau. Die junge Klima-Aktivistin aus Angers sieht ein ganz anderes Problem: "Wir machen aus organisatorischen Gründen keine wöchentlichen Freitagsdemos. Wir haben einfach nicht genügend Leute, die sich in den Ortsgruppen engagieren. Zwar sagen uns viele Jugendliche: Das ist super, was ihr da macht. Dann sage ich: Dann komm, schließ dich uns an." Die Antwort ist dann meistens, man habe keine Zeit. "Ich verstehe das nicht. Es ist unsere Zukunft, die hier auf dem Spiel steht. Das sollte doch Priorität haben."

Rede vor der französischen Nationalversammlung

Zumindest hat es das für die 19-jährige Schauspielstudentin. Ivy gehört seit Kurzem auch zum nationalen Vorstand von "Youth for Climate France". Ende Juli reiste sie mit anderen jungen Klimakämpfern nach Paris. An einem der heißesten Tage des Monats, fast 40 Grad in der Hauptstadt, sprach sie gemeinsam mit der Schwedin Greta Thunberg vor Abgeordneten der französischen Nationalversammlung.

"Manchmal frage ich mich, ob ich tatsächlich Kinder in diese Welt setzen soll", begann Ivy ihre Rede. "Wäre das nicht unverantwortlich von mir, wäre es wirklich richtig, Kinder in eine Welt zu setzen, in der es keine Artenvielfalt mehr gibt, die von tödlichen Hitzewellen heimgesucht wird, in der die Ressourcen immer knapper werden und die internationalen Konflikte immer größer?" Eigentlich, fuhr sie fort, sollte sie über solche Fragen nicht nachdenken müssen.

Ivy Fleur Boileau bei einer Rede vor der französischen Nationalversammlung | Bildquelle: AFP
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Nach ihrer Rede vor der französischen Nationalversammlung war die junge Klima-Aktivistin Ivy eher enttäuscht als stolz.

Der parteilose Abgeordnete Mathieu Orphelin hatte Thunberg, Ivy und andere junge Klimaschützer eingeladen. Für ihre Reden bekamen die Jugendlichen von den mehr als 100 Abgeordneten viel Applaus. Stolz aber ist Ivy nicht. Die Begegnung mit den Politikern hat bei der jungen Frau eher Enttäuschung hinterlassen: "Sie haben uns alle gesagt, super, ihr macht uns Hoffnung. Aber ich hatte den Eindruck, sie wollten uns sagen: Ihr seid die nächste Generation von Abgeordneten, ihr werdet es richten." Erstens wisse sie aber nicht, ob sie jemals Abgeordnete werden wolle. "Und zweitens: Nicht die kommende Generation muss etwas ändern. Sie müssen die Dinge ändern und zwar jetzt!"

Ziviler Ungehorsam und Konferenzen

Ivy und ihre Mitstreiter wollen die Politik unter Zugzwang setzen. Auch wenn sie es zur Zeit nicht schaffen, regelmäßige Freitagsdemos in den großen französischen Städten zu organisieren, zeigen sie Präsenz: "Wir haben andere Aktionen, leisten zivilen Ungehorsam, veranstalten Konferenzen." Man wolle die Mitmenschen für den Klimaschutz sensibilisieren. "Das geht auch ohne Streik. Ich glaube, die Bewegung muss sich breiter aufstellen. Es ist wichtig, mit ganz unterschiedlichen Aktionen Präsenz zu zeigen."

Ende August wollen Ivy und viele andere Mitglieder von "Youth for Climate France" zum G7-Gipfel ins französische Biarritz reisen. Dort wollen sie zusammen mit vielen anderen Klima-Aktivisten friedlich demonstrieren. Außerdem steckt die Gruppe mitten in den Vorbereitung für den weltweiten Klima-Streiktag am 20. September. Dann, so hofft Ivy, werden auch in ganz Frankreich wieder mehrere hunderttausend Menschen auf die Straße gehen.

Schulstreik fürs Klima - so richtig zündet die Bewegung in Frankreich nicht
Sabine Wachs, ARD Paris
20.08.2019 14:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 20. August 2019 um 15:21 Uhr.

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