Spielerinnen der spanischen Frauenfußball-Nationalmannschaft jubeln nach einem Tor.  | Bildquelle: PETER POWELL/EPA-EFE/REX

Vor Spiel gegen Deutschland Frauenfußball - in Spanien ein Stadionfüller

Stand: 12.06.2019 12:51 Uhr

Lange sah es im spanischen Frauenfußball düster aus - heute ist er beliebter denn je. Dieser Erfolg hat unterschiedliche Gründe. Heute trifft Spaniens Elf bei der WM auf Deutschland.

Von Marc Dugge, ARD-Studio Madrid

Mitte März in Madrid: Über 60.000 Menschen schauen sich die Partie zwischen Atlético Madrid und dem FC Barcelona an. So viele haben sich noch nie in einem Stadion ein Frauenfußballspiel angesehen. Dass die Partie für die Atlético-Fans kostenlos war und für die Gäste gerade mal fünf Euro Eintritt kostete war geschenkt. Was zählt, ist das Symbol.

"Wir sind jetzt in der Lage, Stadien zu füllen! Es zeigt, dass die Menschen uns sehen wollen und dass man auf den Frauenfußball setzen muss", sagt Spielerin Andrea Falcón im Fernsehsender France 24.

Die Vorbilder sind weiblich

Tatsächlich sah es in Spanieb noch vor kurzem im Frauenfußball ziemlich düster aus. Ganze 27 Jahre lang hatte ein Trainer die spanische Mannschaft geführt - offenbar ziemlich autoritär und letztlich glücklos. Als Spanien bei der letzten WM schon in der Gruppenphase rausflog, begehrten die Spielerinnen auf. Der Trainer trat zurück. Ihm folgte der 37 Jahre alte Jorge Vilda, der einen anderen Ton anschlägt.

„Junge Fußballspielerinnen haben heute nicht mehr einen Messi oder einen Iniesta zum Vorbild, sondern Spielerinnen wie Amanda Sampedro, Silvia Meseguer oder Mariona Caldentey. Vor allem das macht uns stolz. Und auch, dass unser Fußball und unsere Mannschaft in aller Welt anerkannt werden", sagt der neue Trainer.

Spielerinnen der spanischen Frauenfußball-Nationalmannschaft posen für ein Selfie | Bildquelle: JUAN CARLOS CARDENAS/EPA-EFE/REX
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Immer mehr Frauen wollen in Spanien Fußball spielen.

Immer mehr Spielerinnen

Die Zahl der eingetragenen Spielerinnen im spanischen Fußballverband steigt und steigt: Waren es vor zehn Jahren noch 20.000 Spielerinnen, sind es jetzt drei Mal so viele. Unter ihnen ist auch Carla Fischer. Die 14-jährige ist mit ihren Eltern vor zwei Jahren nach Madrid gezogen. Schon in Frankfurt hat sie im Verein Fußball gespielt.

Carla ist begeistert davon, wie in Spanien der Nachwuchs umsorgt wird: "Wir haben einmal die Woche einen Krafttrainer, der dann eine halbe Stunde mit uns Übungen macht. Das hatten wir beispielsweise in Deutschland nicht." Auch gäbe es einen Physiotherapeuten für die Spielerinnen, falls sie sich einmal verletzten sollten.

Mehr Geld bringt mehr Erfolg

Der Erfolg des Frauenfußballs in Spanien hat viele Gründe. Zum einen unterstützt die spanische Fußball-Liga die Frauen seit einigen Jahren verstärkt. Dazu haben sich finanzstarke Sponsoren gesellt.

Zudem übertragen neuerdings auch Pay-TV-Kanäle ausgewählte Partien. So kann der Frauenfußball in Spanien leichter mehr Fans gewinnen als bisher. Klar: Die Millionen werden weiterhin bei den Herren-Mannschaften gescheffelt. Und doch sind in Spaniens Fußball längst nicht mehr allein die Männer am Ball.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 12. Juni 2019 um 12:17 Uhr.

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