Eine Reisende sitzt in Paris vor einer geschlossenen Bahnstation auf ihrem Koffer. | Bildquelle: Julien de Rosa/EPA-EFE/REX

Proteste in Frankreich Streik verschreckt Paris-Touristen

Stand: 27.12.2019 17:22 Uhr

Der Streik gegen die Rentenpläne in Frankreich dauert nun schon rekordverdächtige 23 Tage - und ein Ende ist nicht in Sicht. Kurz vor Silvester macht sich deswegen vor allem die Pariser Tourismusbranche Sorgen.

Seit nunmehr drei Wochen durchkreuzen die Proteste gegen die Rentenreform in Frankreich die Pläne von Reisenden. Busse, Bahnen und der Flugverkehr sind weitgehend lahmgelegt und das hat inzwischen starke Auswirkungen auf die Urlaubsbuchungen. Vor allem die Pariser Tourimusbranche verzeichnet starke Einbußen. Vielen Gästen sei das Risiko zu hoch, in die lahmgelegte Hauptstadt für ihren Urlaub zu kommen, sagte der Geschäftsführer der Pariser Luxushotels Le Meurice und Plaza Athénée, François Delahaye, der Nachrichtenagentur AFP.

Neben Hoteliers blicken auch Gastronomen und Geschäftsleute in Paris mit Sorge auf die Feiern zu Silvester, die in der Regel ein Millionen-Publikum locken.

Mehrheit steht weiter hinter Streik

Heute fielen in der Hauptstadt erneut Metro-Linien aus, Stationen blieben komplett geschlossen, wie die Verkehrsbetriebe der Stadt mitteilten. Auch der Verkehr der Staatsbahn SNCF war weiterhin eingeschränkt.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft CGT, Philippe Martinez, sagte beim Besuch eines blockierten Bus-Depots bei Paris, die Streikbewegung sei immer noch "stark" und werde von einer Mehrheit der Franzosen unterstützt. Sie werde fortgesetzt, bis die Regierung die Rentenreform zurückziehe. Die Gewerkschaft Force Ouvrière (FO) erklärte, sie wolle nicht nachgeben, bis weitere Zugeständnisse erreicht seien. 

Wie der Nachrichtensender BFMTV berichtete, sei der Streik gegen die geplante Rentenreform mit 23 Tagen nun länger als der große Ausstand im Winter 1995. Damals hatten französische Gewerkschaften den öffentlichen Verkehr für 22 Tage lahmgelegt. Der damalige Premierminister Alain Juppé hatte versucht, das Renten- und Sozialversicherungssystem zu reformieren. Die Regierung machte schließlich einen Rückzieher.

An Neujahr fallen viele TGVs aus

Im Machtkampf zwischen der Regierung von Präsident Emmanuel Macron und den Gewerkschaften zeichnet sich keine baldige Lösung ab. Auch in der kommenden Woche müssten Zugreisende erneut mit Einschränkungen rechnen, teilte die SNCF mit. Zwischen Montag und Donnerstag sollen demnach nur maximal 50 Prozent aller TGV-Schnellzüge verkehren. Am Neujahrstag fallen sogar 65 Prozent aller Hochgeschwindigkeitszüge aus.

Aber auch wenn die Streikenden weiter von der Mehrheit der Franzosen unterstützt werden - mit der Dauer des Ausstands nimmt auch die Zahl der streikenden SNFC-Angestellten ab. Nach Angaben der Staatsbahn legten am Donnerstag rund 39 Prozent der Lokführer und 22 Prozent der Kontrolleure ihre Arbeit nieder. Am ersten Streiktag am 5. Dezember hatten sich noch knapp 86 Prozent der Fahrer und 73 Prozent der Schaffner beteiligt.

Geredet wird erst wieder am 7. Januar

Gegen die Rentenpläne gingen in den vergangenen Wochen Hunderttausende Menschen auf die Straße. Die Regierung will die Aufsplittung in über 40 Rentenkassen beenden und ein Einheitssystem schaffen. Außerdem sollen die Franzosen länger zu arbeiten. Die Regierung bot zwar lange Übergangsfristen an, den Gewerkschaften reichte das jedoch nicht aus.

Die Regierung will die Reformpläne am 22. Januar im Kabinett verabschieden. Die Gewerkschaften hoffen aber, dass Präsident Macron in seiner traditionellen Fernsehansprache zum Jahreswechsel Abstriche von der Reform ankündigt. Die Kommunisten und andere linksgerichtete Parteien riefen Macron auf, den "Weg für eine Befriedung" zu ebnen. Mit den Sozialpartnern zusammenkommen will die Regierung erst am 7. Januar wieder.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Dezember 2019 um 14:00 Uhr.

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