Ein Mädchen hält die Hände vor dem Gesicht | Bildquelle: dpa

Gesetzentwurf in Frankreich Schläge und Ohrfeigen sind tabu

Stand: 30.11.2018 12:54 Uhr

Keine Ohrfeigen, keine Schläge auf den Po: In Frankreich soll die körperliche Züchtigung von Kindern durch Eltern künftig verboten sein. Im europäischen Vergleich ist Frankreich spät dran.

Frankreich will die körperliche Bestrafung von Kindern wie Ohrfeigen oder Schläge auf den Hintern verbieten. Die Nationalversammlung billigte in der Nacht in erster Lesung einen Gesetzesentwurf.

In das Bürgerliche Gesetzbuch Frankreichs soll dem Vorschlag zufolge ein Satz aufgenommen werden, der vom Standesbeamten bei Hochzeiten vorgelesen wird. Danach soll die "Autorität der Eltern ohne physische oder psychische Gewalt ausgeübt werden". Nach Angaben der Regierung sind damit künftig auch Schläge auf den Po oder Ohrfeigen tabu. "Man erzieht nicht durch Furcht", sagte Gesundheitsministerin Agnès Buzyn in der Debatte zum Verbot der sogenannten "erzieherischen Gewalt". Elterliche Gewalt habe "katastrophale Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes".

Sanktionen sind nicht vorgesehen

Sanktionen gegen gewalttätige Eltern sieht der französische Gesetzentwurf nicht vor. Gesundheitsministerin Buzyn betonte, die Novelle sei dennoch nicht "nur symbolisch". Denn sie breche mit der auch bei Richtern weit verbreiteten Ansicht, dass es für Eltern ein "Recht auf eine Tracht Prügel" gebe.

Die französische Gesundheitsministern Agnès Buzyn | Bildquelle: REUTERS
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"Man erzieht nicht durch Furcht", sagt Gesundheitsministerin Buzyn.

Für den Gesetzentwurf, der auch von Teilen der Opposition unterstützt wird, stimmten 51 Parlamentarier, es gab eine Gegenstimme und drei Enthaltungen. Konservative und Rechtspopulisten beklagen eine unzulässige "Einmischung" in das Familienleben. Eltern würden für dumm verkauft, hieß es. Der Entwurf geht nun in den von Konservativen dominierten Senat, das letzte Wort hat aber die Nationalversammlung.

Damit setzt Frankreich mit mehrjähriger Verspätung europäische Vorgaben um. Der Europarat in Straßburg, der unter anderem über die Einhaltung von Menschenrechten wacht, begrüßte das Votum. Das Gremium hatte Frankreich 2015 ermahnt, die Europäische Sozialcharta umzusetzen, die von den Mitgliedstaaten ein Verbot jeder Gewalt gegen Kinder verlangt. Ein erstes Gesetz wurde im Januar 2017 wegen formaler Mängel vom Verfassungsrat gekippt.

Schweden hat ein solches Gesetz seit 1979

Schweden hat bereits seit 1979 ein solches Gesetz. In Deutschland ist Eltern und Lehrern die körperliche Züchtigung bereits seit dem Jahr 2000 strafrechtlich untersagt. Sanktionen gegen Eltern sind nach Angaben des Bundesfamilienministeriums aber nicht angedroht.

Allerdings müssen Täter für die Misshandlung und den sexuellen Missbrauch von Kindern je nach Schwere der Tat mit Strafen von bis zu zehn Jahren Haft rechnen. Das regelt dann das Strafgesetzbuch.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. November 2018 um 08:00 Uhr.

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