Polizisten stehen vor dem Eingang der Schule, an der der Lehrer unterrichtete. | AFP

Messer-Attacke bei Paris Weitere Festnahme nach Tötung eines Lehrers

Stand: 18.10.2020 12:23 Uhr

In Frankreich ist nach der tödlichen Messer-Attacke auf einen Lehrer bei Paris ein weiterer Mann festgenommen worden. Im ganzen Land werden für den Nachmittag Demonstrationen und Solidaritätskundgebungen für das Opfer erwartet.

Nach der brutalen Ermordung eines Lehrers bei Paris ist eine weitere Person in Polizeigewahrsam genommen worden. Es handele sich um einen Freund des Attentäters, bestätigte die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur dpa.

Elf Personen in Gewahrsam

Damit befinden sich inzwischen laut Behörden insgesamt elf Menschen in Polizeigewahrsam. Der Täter war von der Polizei erschossen worden. Zu den Festgenommenen zählen sowohl Menschen aus dem Umfeld des Täters als auch Personen, die Stimmung gegen den Lehrer gemacht haben.

Dieser hatte im Unterricht das Thema Meinungsfreiheit behandelt und dazu Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt. Anlass war die erneute Veröffentlichung dieser Karikaturen im Satiremagazin "Charlie Hebdo". Die islamische Tradition verbietet es, den Propheten abzubilden. Deswegen hatte der Vater einer Schülerin im Netz gegen den Lehrer mobilisiert.

Bisher hat die Staatsanwaltschaft keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Vater und dem Angreifer hergestellt. Dieser wohnte in der rund 90 Kilometer vom Tatort entfernten Stadt Évreux.

Anti-Terror-Staatsanwaltschaft ermittelt

Unter anderem die brutale Vorgehensweise des Täters hat die Staatsanwaltschaft dazu veranlasst, von einem terroristischen Hintergrund auszugehen. "Der Lehrer befand sich am Nachmittag auf dem Nachhauseweg von der Arbeit, als er mit einem Messer attackiert wurde. Er hat mehrere Stichwunden am Kopf, am Oberkörper, am Bauch. Und er wurde enthauptet", erklärte Anti-Terror-Staatsanwalt Jean-Francois Ricard.

Der Angreifer veröffentlichte nach der Tat in einem Pariser Vorort in sozialen Netzwerken ein Fotos des toten Mannes und schrieb, dass der 47-Jährige den Propheten Mohammed herabgesetzt habe.

Appell des Staatspräsidenten

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach zuvor ebenfalls von einem "bösartigen islamistischen Terroranschlag", als er den Tatort besuchte. "Einer unserer Mitbürger wurde brutal ermordet", sagte er. Der Lehrer habe seine Schüler gelehrt, was es heißt zu glauben oder nicht zu glauben, sagte Macron.

Der Präsident hatte kurz vor seiner Ansprache die Schulleiterin des Opfers getroffen. Er dankte ihr dafür, dass sie die Meinungsfreiheit und die Lehre der Meinungsfreiheit gegen alle Widerstände verteidigt habe. Erst vor wenigen Wochen hatte der Präsident einen Gesetzesentwurf gegen die Entstehung von hauptsächlichen islamistischen Parallelgesellschaften vorgestellt. Die Bildung und die Institution Schule spielen dabei eine zentrale Rolle. Denn in den Schulen, erklärte Macron, würden die Werte der Republik unterrichtet. Die Meinungsfreiheit sei eines der höchsten Güter.

Solidaritätskundgebungen erwartet

Für heute Nachmittag werden zahlreiche Demonstrationen im ganzen Land erwartet. Auf dem Pariser Place de la République hat unter anderem das Satiremagazin "Charlie Hebdo" zu einer Kundgebung aufgerufen.

Es ist ein symbolischer Ort - bereits nach der Terrorserie im Januar 2015, zu der auch der Anschlag auf "Charlie Hebdo" zählte, gedachten dort Tausende der Opfer. Seitdem ist der Platz nach Terroranschlägen zu einem zentralen Ort der Anteilnahme geworden.

Lehrer mit weißen Rosen vor dem Schulgebäude | YOAN VALAT/EPA-EFE/Shutterstock

Menschen versammeln sich an der Schule und gedenken des getöteten Geschichtslehrers. Bild: YOAN VALAT/EPA-EFE/Shutterstock

"Angriff auf die Werte der Republik"

Die Regierung hat einen Krisenstab eingerichtet. Politikerinnen und Politiker aller Parteien reagierten extrem betroffen auf den Vorfall. Die französische Nationalversammlung unterbrach ihre Sitzung und gedachte dem Opfer und seinen Angehörigen.

Der Präsident der Nationalversammlung, Richard Ferrand, schrieb auf Twitter: "Die Ermordung eines Geschichtslehrers ist ein Angriff auf die Meinungsfreiheit und die Werte der Republik. Einen Lehrer anzugreifen bedeutet, alle französischen Bürger und die Freiheit anzugreifen."

Von der Leyen: "Ohne Lehrer gibt es keine mündigen Bürger"

Bundesaußenminister Heiko Maas und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verurteilten den tödlichen Anschlag ebenfalls. "Von Terror, Extremismus und Gewalt dürfen wir uns nie einschüchtern lassen", schrieb Maas auf Twitter.

Von der Leyen sprach den Angehörigen des Opfers ihr Beileid aus und betonte die Bedeutung von Lehrern in einer Demokratie. "Meine Gedanken sind auch bei den Lehrern, in Frankreich und in ganz Europa. Ohne sie gibt es keine mündigen Bürger. Ohne sie gibt es keine Demokratie", schrieb von der Leyen.

Mit Informationen von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. Oktober 2020 um 12:09 Uhr.