Grenzpatrouillen im Ärmelkanal | Bildquelle: dpa

Ziel Großbritannien Bootsflüchtlinge stellen London vor Problem

Stand: 31.12.2018 10:28 Uhr

Immer mehr Flüchtlinge versuchen, von Frankreich aus mit Booten über den Ärmelkanal nach Großbritannien zu gelangen. Nun wollen beide Länder ihre Patrouillen in der Meerenge verstärken.

Wegen der steigenden Zahl von Bootsflüchtlingen im Ärmelkanal gerät die britische Regierung zunehmend unter Druck. Am Sonntag griffen britische Behörden wieder Menschen auf, die in einem Schlauchboot den Ärmelkanal überquert hatten. Wie die britische Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf das Innenministerium berichtete, handelt es sich bei den Flüchtlingen um sechs Iraner.

Ähnliche Fälle häufen sich inzwischen. Erst am Freitag waren vor der Küste Dovers zwölf Männer aus Syrien und dem Iran festgenommen worden, die sich in zwei Schlauchbooten auf den Weg nach Großbritannien gemacht hatten.

Frankreich sichert Unterstützung zu

Innenminister Sajid Javid hatte die Lage am Freitag zu einem "schwerwiegenden Ereignis" erklärt und seinen Urlaub abgebrochen. Sein französischer Amtskollege Christophe Castaner teilte heute per Twitter mit, er habe mit Javid telefonisch vereinbart, den Kampf gegen die illegale Migration über den Ärmelkanal zu verstärken. Beide Länder wollen nun in den kommenden Wochen ihre Patrouillen in der Meerenge verstärken. "Die Situation im Ärmelkanal ist schwer besorgniserregend, mit Menschen, die ihr Leben bei den waghalsigen Versuchen riskieren, Großbritannien in unsicheren Booten bei tückischen Bedingungen zu erreichen", teilte Javid mit.

Die Opposition bezeichnete die Reaktion der Regierung als zu langsam. "Die mangelhafte Strategie des Innenministeriums war es bisher, Flüchtlinge abzuschrecken, in der Annahme, die Probleme im Mittelmeer würden unsere Küsten nie erreichen", schrieb die Parlamentarierin Diane Abbott von der oppositionellen Labour-Partei im "Sunday Mirror". Der konservative Abgeordnete für Dover im Unterhaus, Charlie Elphicke, forderte, die Zahl der Patrouillenboote zu erhöhen. Dazu sollten auch zwei Boote genutzt werden, die derzeit im Mittelmeer im Einsatz sind, schrieb Elphicke in der "Mail on Sunday".

Anstehender Brexit sorgt für Zunahme

Einem BBC-Bericht zufolge werden Migranten mit Verweis auf den anstehenden EU-Austritt Großbritanniens am 29. März und angeblich erhöhten Grenzpatrouillen von Schleppern dazu gedrängt, die gefährliche Überfahrt noch im Winter anzutreten. Das Thema Migration hatte eine große Rolle beim knappen Sieg der Brexit-Befürworter im Referendum von 2016 gespielt. Die Regierung hat es sich zum Ziel gesetzt, die Einwanderung massiv zu reduzieren.

Der BBC zufolge versuchten zwischen Anfang November und Ende Dezember mehr als 220 Menschen, mit kleinen Booten über die Meerenge zwischen Frankreich und Großbritannien zu gelangen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Dezember 2018 um 17:00 Uhr.

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