Nigel Farage

UKIP-Chef Nigel Farage Der Triumphator

Stand: 28.06.2016 16:28 Uhr

Im EU-Parlament erntete der Chef der britischen Anti-Europa-Partei UKIP heute Hohn und Spott, in seiner Heimat ist er der Triumphator. Seine Partei hatte großen Zulauf erhalten - und damit das Referendum für einen Ausstieg seines Landes aus der EU möglich gemacht.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Nicht nur Boris Johnson ist der große Sieger des Brexit-Referendums, sondern auch Nigel Farage, der Chef der Anti-EU-Partei UKIP. Ohne den Zulauf für die Rechtspopulisten hätte Premierminister David Cameron das EU-Referendum nie versprochen - und nie verloren. Jetzt hat Farage also offenbar das erreicht, wofür er seit 25 Jahren mit allen Mitteln kämpft: den Austritt Großbritanniens aus der EU.

Farage sieht ein neues Großbritannien heraufdämmern: eines, das die europäischen Ketten abwirft, das sich löst aus den Klauen Brüssels, das wiederaufersteht als souveräner Nationalstaat. Der 52-Jährige ist fast am Ende einer langen politischen Reise angekommen, die für ihn vor einem Vierteljahrhundert begonnen hat: "Es war eine höllisch lange Reise, ich habe mich erstmals vor 25 Jahren für euroskeptische Politik engagiert", sagt der heutige UKIP-Chef.

Nigel Farage bei der ersten Sitzung des Europaparlaments nach dem EU-Referendum
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Nigel Farage bei der ersten Sitzung des Europaparlaments nach dem EU-Referendum

Farage: Die EU liegt im Sterben

Farage ist das Stehaufmännchen der britischen Politik: Als junger Mann überlebt er eine schwere Krankheit, 2010 dann einen Flugzeugabsturz; nie gewann er ein Unterhaus-Mandat, probierte es aber immer wieder. Seit 17 Jahren ist der UKIP-Chef Europa-Abgeordneter und stänkert überall gegen die EU - die habe versagt, wettert er, die liege im Sterben.

Die Briten hätten jetzt nur den ersten Stein aus der EU-Mauer gebrochen, hofft Farage, der in zweiter Ehe mit einer Deutschen verheiratet ist. Nach dem Sieg des Brexit-Lagers prophezeite er im Europaparlament, das Vereinigte Königreich werde nicht das letzte Land sein, das die EU verlasse.

Erst Farage macht aus der Nischenpartei UKIP eine Massenbewegung: Er nimmt im Süden Englands den Tories Stimmen weg und im Norden Englands zunehmend der Labour-Partei. Seine Wortwahl ist nicht selten martialisch: "Wir werden diese Schlacht nicht verlieren", so Farage in der Wahlnacht, "wir werden diesen Krieg gewinnen".

Nigel Farage, UKIP-Chef
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In der Wahlnacht hatte Nigel Farage angekündigt: "Wir werden diese Schlacht nicht verlieren!"

"Nervöser als Freitagmorgen"

Verloren hat der konservative Premierminister David Cameron, der - bedrängt von UKIP - diesen Volksentscheid versprach. Seit Jahren schon hetzt Farage gegen Zuwanderer und gegen offene Grenzen. Dass ein neuer britischer Deal mit Brüssel es EU-Ausländern weiter erlauben könnte, unkontrolliert ins Land zu kommen, ist für ihn daher undenkbar. Es macht Farage nervös, dass manche Brexit-Befürworter bereits von ihren Wahlkampf-Versprechen abrücken. "Ich bin nervöser, als ich es noch am Freitagmorgen war", erläutert er. "Ich beginne, Geräusche zu vernehmen, ich beginne eine Rückwärtsbewegung zu entdecken, und ich finde das nicht akzeptabel."

Anwalt für EU-Hasser

Der EU-Hasser spricht all diejenigen an, die sich abgehängt fühlen von der modernen Arbeitswelt. Diese Klientel stört es scheinbar nicht, dass Farage sein Geld einst in der Londoner City verdient hat und bis heute damit protzt, wie viel Rotwein er gemeinsam mit anderen Bankern beim ausgedehnten Lunch konsumierte. Als neuen Tory-Regierungschef kann er sich Boris Johnson gut vorstellen, auf jeden Fall brauche es jetzt, so Farage, eine Brexit-Regierung: "17 Millionen Leute haben gesagt, dass sie die Europäische Union verlassen wollen. Wir brauchen jetzt eine Brexit-Regierung", fordert der UKIP-Chef.

Farage will UKIP mindestens als dritte politische Kraft etablieren - vor allem in England und Wales. Sein neues Lebensziel ist: Endlich ein Sitz im Parlament von Westminster, wenn es zu Neuwahlen kommt. Bis dahin feiert er erst mal den 23. Juni als "Independence Day".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Juni 2016 um 12:00 Uhr.

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