Medizinisches Labor

Corona-Pandemie Wissenschaftler fordern europäische Strategie

Stand: 19.12.2020 10:15 Uhr

Die Infektionszahlen in ganz Europa sind hoch, die Maßnahmen aber überall unterschiedlich. Hunderte Forscherinnen und Forscher fordern jetzt ein länderübergreifendes Vorgehen - und haben einen Aktionsplan vorgelegt.

Eine Gruppe renommierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Europa hat im medizinischen Fachjournal "Lancet" eine gemeinsame europäische Strategie im Kampf gegen die hohen Corona-Infektionszahlen gefordert und einen Aktionsplan vorgelegt.

Sie bemängeln, dass die Regierungen in Europa bisher keine gemeinsame Vision für den Umgang mit der Pandemie entwickelt hätten. Wenn man jetzt nicht entschlossen handele, sei mit weiteren Infektionswellen zu rechnen, und als Konsequenz mit weiteren Schäden für Gesundheit, Gesellschaft, Arbeitsplätze und Betriebe, so die Autorinnen und Autoren, zu denen auch die Physikerin Viola Priesemann und die beiden Virologinnen Sandra Ciesek und Melanie Brinkmann gehören.

Das Ziel: Niedrige Fallzahlen - überall

In ihrem Aufruf skizzieren sie einen Drei-Punkte-Plan. Das Hauptziel sei, "in ganz Europa niedrige Fallzahlen zu erreichen und zu erhalten." Anzustreben seien maximal zehn neue Covid-19-Fälle pro Million Menschen pro Tag. Das würde für Deutschland eine Zahl von gut 800 Neuinfektionen binnen 24 Stunden bedeuten - aktuell registriert das RKI mehr als 30.000. Die Verfasserinnen und Verfasser des Aufrufs sind sich sicher, dass ein solch signifikantes Absenken der Neufälle bis spätestens zum Frühjahr möglich sei.

Der Plan setzt dabei auf "tiefgreifende Interventionen", also Lockdowns oder vergleichbare strenge Beschränkungen des öffentlichen Lebens. Diese hätten sich als effizient erwiesen, um die Fallzahlen zu senken.

Um das Infektionsgeschehen auch gering zu halten und einen Re-Import des Virus aus anderen europäischen Ländern zu vermeiden, "sollten die Bemühungen um niedrige Fallzahlen in allen europäischen Ländern synchronisiert sein und so schnell wie möglich beginnen".

"Gemeinsame, langfristige Vision"

Die Autorinnen und Autoren mahnen, dass eine "Überwachungsstrategie" auch nach der Reduzierung der Infektionszahlen elementar sei und schlagen mindestens 300 Tests pro Million EinwohnerInnen pro Tag vor. Außerdem seien bei lokalen Ausbrüchen sofortige Maßnahmen vor Ort erforderlich.

Der Plan sieht zudem vor, eine "gemeinsame, langfristige Vision" in Europa zu entwickeln, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Wenn man die Vorteile niedriger Fallzahlen klar kommuniziere, sei es möglich, Kooperation der Bevölkerung und die Mitwirkung der Öffentlichkeit zu sichern.

Bekannte deutsche Expertinnen und Experten beteiligt

Mehr als 300 weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben den Aufruf bisher unterzeichnet, darunter auch Christian Drosten von der Berliner Charité und Lothar Wieler, der Präsident des Robert Koch-Instituts.

Über dieses Thema berichtete Bayern 2 am 19. Dezember 2020 um 12:00 Uhr.

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Moderation 19.12.2020 • 14:07 Uhr

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