Radfahrerin und LKW | Bildquelle: dpa

Einigung auf EU-Ebene Abbiegeassistent soll Pflicht werden

Stand: 26.03.2019 17:19 Uhr

EU-Parlament und Mitgliedstaaten haben sich darauf geeinigt, Fahrassistenzsysteme in Neuwagen in den nächsten fünf Jahren verpflichtend zu machen. Unter anderem sind Abbiegeassistenten und Alkoholsperren geplant.

Bis 2024 sollen sämtliche Neuwagen in der EU über bestimmte Technologien wie Spurhalteassistenten und erweiterte Notbremsassistenzsysteme verfügen. Darauf haben sich EU-Parlament und die Mitgliedstaaten verständigt.

Damit lasse sich "eine ähnlich große Wirkung erzielen wie seinerzeit mit der Einführung der ersten Sicherheitsgurte", erklärte die EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska.

Die Einigung der Unterhändler der EU-Organe muss noch vom Europäischen Parlament und dem Rat förmlich angenommen werden.

Auto reagiert bei Trunkenheit, Müdigkeit, Ablenkung

Aus Sicht der Brüsseler Behörden wird es damit bis zum Jahr 2038 insgesamt 25.000 Tote und 140.000 Schwerverletzte weniger im europäischen Straßenverkehr geben - 90 Prozent aller Unfälle ließen sich auf menschliches Versagen zurückführen.

Mehrere der Kontrollsysteme, die nun schrittweise verpflichtend werden sollen, setzen daher beim Menschen hinter dem Steuer an: Geeinigt haben sich Parlament und Mitgliedsstaaten unter anderem auf Systeme, die nach übermäßigem Alkoholkonsum den Start des Fahrzeugs blockieren und Warnsysteme, die bei Müdigkeit oder Ablenkung anspringen.

Die geplanten Gesetzesänderungen sind somit auch der erste Schritt in Richtung autonomes Fahren in der EU.

System erkennt Verkehrsteilnehmer im toten Winkel

Besonderes Augenmerk liegt auf Systemen zur Verringerung toter Winkel bei Lkw und Bussen, den sogenannten Abbiegeassistenten. Die Assistenzsysteme sollen Fußgänger und Radfahrer im toten Winkel der Lkw erkennen und den Fahrer warnen beziehungsweise den Laster abbremsen.

Die Technik existiert bereits seit einigen Jahren. Seit 2012 wird über eine Pflicht diskutiert. Die Bundesregierung hatte ein Förderprogramm für die Ausrüstung von Lastwagen mit Abbiegeassistenten aufgelegt. Dennoch ist die Verbreitung der Systeme bisher gering - dabei seien die Technologien teils schon serienreif oder im "fortgeschrittenen Entwicklungsstadium", wie der Verband der Automobilindustrie mitteilte.

Der Autofahrerclub ADAC ist hingegen skeptisch: Die Systeme verbesserten zwar überwiegend die Verkehrssicherheit, allerdings müssten Kosten und Nutzen in einem positiven Verhältnis stehen und der Mehraufwand für die Autofahrer vertretbar sein. "Systeme zur Müdigkeitserkennung zum Beispiel würden voraussichtlich Fahrverhalten dokumentieren und damit Datenschutzfragen berühren", sagte ein Sprecher.

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