Im Labor werden zum Nachweis einer Infektion Abstriche aus dem Nasen-Rachen-Raum auf das Sars-CoV-2-Virus getestet. | Bildquelle: dpa

Corona-Pandemie Verstärkte Suche nach Mutationen

Stand: 13.01.2021 18:32 Uhr

Die besonders ansteckenden Mutationen des Coronavirus breiten sich weiter aus: Die britische Variante wurde inzwischen in 50 Ländern nachgewiesen. Noch werden nur wenige Proben eingehender untersucht, das will die EU ändern.

Die EU-Staaten wollen die Suche nach Mutationen des Coronavirus ausweiten. Dies teilte die portugiesische Gesundheitsministerin Marta Temido nach einer Videokonferenz mit ihren EU-Kollegen mit. Demnach rief die EU-Seuchenbekämpfungsbehörde ECDC "alle Mitgliedstaaten auf, die Entwicklung zu überwachen" und die Entdeckung veränderter Viren an die EU zu melden.

Nur wenige Tests werden auf Mutationen geprüft

Die neuen Virus-Varianten hätten "bereits erhebliche Auswirkungen in einer Reihe von europäischen Ländern", sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides. Die EU-Länder dürften "nicht in Selbstgefälligkeit" verfallen und die Lage "aus dem Ruder laufen lassen". Die EU sei bereit, die Mitgliedstaaten bei "der genomischen Sequenzierung von Proben zu unterstützen - mit Fachwissen, Infrastruktur oder Geld".

In Deutschland wurde vor Auftreten der neuen Varianten bei Corona-Tests nur selten auf Mutationen geprüft. Bis Jahresende wurde im Schnitt nur jeder 900. positive Corona-Test einer solchen Analyse unterzogen. In Großbritannien wurde dagegen bei jedem 20. Ergebnis auch eine Sequenzierung des Erbgutes des Virus vorgenommen. Deshalb gibt es dort genauere Daten zum Ausmaß der Verbreitung.

Britische Variante schon weit verbreitet

In den vergangenen Wochen waren mehrere Mutationen des Coronavirus bekannt geworden. Mitte Dezember hatte Großbritannien erstmals über eine Mutation berichtet, die laut Weltgesundheitsorganisation WHO eine "höhere Übertragbarkeit" aufweist.

Die Virus-Variante wird auch dafür verantwortlich gemacht, dass in Teilen von Großbritannien die Kliniken kurz vor dem Kollaps stehen. Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz - die Zahl der Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche - liegt landesweit bei knapp 600. In der Hauptstadt London beträgt der Wert sogar mehr als 1000.

Laut WHO wurde die Mutation mittlerweile in 50 Ländern nachgewiesen, auch in Deutschland. In Frankreich macht sie laut einer Studie etwa ein Prozent der positiven Corona-Tests aus. Dem französischen Gesundheitsminister Olivier Véra zufolge sei die Variante nicht konzentriert aufgetreten, sondern überall im Land zu finden.

Mutation aus Japan

Kurz nach den ersten Berichten über die Mutation in Großbritannien wurde auch eine Variante aus Südafrika bekannt. Auch bei ihr hält die WHO eine schnellere Verbreitung für möglich. Wie sie weiter mitteilte, hat sich diese Virus-Variante nunmehr in 20 Ländern ausgebreitet. Infektion in Deutschland mit dieser Variante wurden bisher in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen nachgewiesen.

Neuerdings sei auch noch eine Virusvariante in Japan nachgewiesen worden, die Besorgnis errege, hieß es in der Mitteilung der WHO. Je weiter sich das Virus ausbreite, desto mehr Gelegenheiten böten sich für Mutationen. Daher müsse mit dem Aufkommen weiterer Mutationen gerechnet werden.

Charité soll Proben auf Mutationen prüfen

Ein Tochterunternehmen der Berliner Charité und des Krankenhausbetreibers Vivantes soll positive Corona-Proben künftig auf die Mutationen aus Großbritannien und Südafrika untersuchen. Ziel der zusätzlichen Analysen sei es, einen Überblick über das Vorkommen der Mutationen zu erhalten, erklärte die Charité. Dafür sollen PCR-Tests nach bestimmten Mutationsmarkern untersucht werden.

Die Experten erhoffen sich auch Erkenntnisse darüber, wie ansteckend die Mutationen sind. Mit den zusätzlichen Analysen soll noch in der laufenden Woche begonnen werden. Untersucht werden sollen Proben aus dem gesamten Bundesgebiet, wie eine Sprecherin der Charité sagte.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Januar 2021 um 17:00 Uhr.

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