Archivfoto aus dem Oktober 2011 zeigt maskierte ETA-Mitglieder bei einer Pressekonferenz  | Bildquelle: picture alliance / Uncredited/GA

Baskische Separatisten ETA gibt Waffen ab

Stand: 08.04.2017 11:25 Uhr

Jahrzehntelang hat die Untergrundorganisation ETA gewaltsam für ein eigenständiges Baskenland gekämpft. Mehr als 800 Menschen kamen bei diesem Konflikt ums Leben. Nun hat die Organisation eine Liste mit den Verstecken ihrer Waffenarsenale übergeben.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Rosa Rodero hat den Terror von ETA hautnah zu spüren bekommen. Die Terroristen töteten ihren Mann, der Polizist im Baskenland war. "Er wurde 1993 ermordet. Das Verrückte dabei: Mein Mann war selbst Anhänger eines unabhängigen Baskenlandes, er saß sogar in der Franco-Zeit in den 1970er-Jahren dafür im Gefängnis."

Die Tatsache, dass ihr Mann für die öffentlichen Sicherheitskräfte arbeitete, machte ihn zur Zielscheibe der ETA. Rosa begrüßt es, dass die baskischen Separatisten sich nun entwaffnen und ihren blutigen Kampf damit offenbar endgültig beenden wollen. "Ich denke, das ist ein weiterer Schritt, der sein muss. Ich stehe absolut dahinter, und es freut mich sehr."

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Kompliziertes Entwaffnungsverfahren

Allerdings ist der Entwaffnungsprozess kompliziert: Die ETA-Chefs wollen ihre Waffen nicht persönlich den Behörden überreichen; sie befürchten, dann gleich festgenommen zu werden. Deshalb sind Mittelsmänner eingespannt, eine Gruppe von Vermittlern aus Spanien und Frankreich. Die ETA sagte ihnen nach eigenen Angaben, wo sich die Waffenverstecke genau befinden. Dort sollen etwa 120 Waffen und drei Tonnen Sprengstoff lagern. Die Vermittlergruppe hat diese Information nun offiziell den Behörden übergeben. Mit der Übergabe der Liste werde die Organisation nun als entwaffnet betrachtet, so die Experten der Internationalen Kommission zur Verifizierung des Waffenstillstandes.

"Die Übergabe der Waffen ist eine Art Zwischenstation, eine bedeutende. Wir sind nicht in der Mitte, sondern fast am Ende des Prozesses. Das Ende von ETA ist aber nicht die Entwaffnung, sondern die Auflösung", erklärt Alberto Pozas, Chefredakteur des spanischen Investigativ-Magazins "Intervieu" und Autor eines Buchs über die ETA.

Die Entwaffnung fand in Bayonne statt, im französischen Teil des Baskenlandes. Die Region gilt als Rückzugsgebiet der ETA. Die Terrorgruppe hatte vorab angekündigt, dass Tausende Unterstützer in Bayonne auf die Straße gehen wollen - als Zeichen dafür, dass die Organisation den nötigen Rückhalt in den eigenen Reihen für die Entwaffnung hat.

Demo gegen ETA in Madrid (23. Januar 2000) | Bildquelle: AFP
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23. Januar 2000: In Madrid gehen die Menschen gegen die ETA auf die Straße.

Regierung: Kein Deal für Entwaffnung

Auch die spanische Regierung begrüßt diesen Schritt, auch wenn sie die ETA schon lange für besiegt hält. Regierungssprecher Mendez de Vigo stellt klar: Die Entwaffnung sei an keinen Deal gekoppelt. "Die ETA wird nichts von einem demokratischen Staat wie Spanien bekommen. Die ETA soll sich nun entwaffnen, auflösen und helfen, ihre Verbrechen aufzuklären. Das ist wichtig für die Opfer. Und diese Regierung steht immer auf der Seite der Opfer."

Rosa gehört zu den Opfern, die verzeihen können. 20 Jahre nach dem Mord an ihrem Mann traf sie auf die Anführerin des ETA-Kommandos, das für die Tat verantwortlich war. Auf einer Brücke in der baskischen Stadt Bilbao umarmte Rosa die Frau; sie sitzt eigentlich im Gefängnis, hatte an dem Tag aber Freigang. "Verzeihen ja, vergessen nie. Ich habe das Wichtigste in meinem Leben verloren, meinen Mann; meine Kinder einen wundervollen Vater. Das können wir nicht vergessen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. April 2017 um 06:00 Uhr in den Nachrichten.

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