Recep Tayyip Erdogan | Bildquelle: STR/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Fall Khashoggi Erdogan spricht von geplantem Mord

Stand: 23.10.2018 14:27 Uhr

Der türkische Präsident Erdogan hat Saudi-Arabien vorgeworfen, die Tötung des Journalisten Khashoggi geplant zu haben. Vor Abgeordneten seiner Partei AKP in Ankara sprach Erdogan von einem grausamen Mord.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Tötung des regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi als gezielte Tat bezeichnet und sich damit gegen die aus Saudi-Arabien verbreitete Version zum Tod Khashoggis gestellt. Es gebe starke Anzeichen dafür, dass die Tötung geplant gewesen sei, sagte Erdogan vor Abgeordneten seiner Regierungspartei AKP. Wörtlich sprach er von einem "barbarisch geplanten Mord".

Neue Ermittlungsergebnisse im Mordfall Khashoggi
tagesthemen 22:15 Uhr, 23.10.2018, Katharina Willinger, ARD Istanbul

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Viele Details, wenig Neues

Erdogans Rede war mit Spannung erwartet worden. Er selbst hatte angekündigt, er werde in seiner Rede "ins Detail" gehen. Tatsächlich bot Erdogan wenig Neues, sondern fasste zusammen, was in den Tagen seit dem Verschwinden Khashoggis von Ermittlern, nationalen und internationalen Zeitungen berichtet worden war.

So bestätigte er, dass kurz vor dem Tod Khashoggis insgesamt 15 Personen in drei Teams auf verschiedenen Wegen aus Saudi-Arabien in die Türkei gereist seien und sich dann in das Konsulat in Istanbul begeben hätten. Zugleich sei den türkischen Angestellten des Konsulats freigegeben worden. Die Namen der später in Saudi-Arabien Festgenommenen deckten sich mit den Namen, die die türkischen Behörden ermittelt hätten, so Erdogan weiter.

Kritik an saudischen Erklärungen

Erdogan sagte, die bisherigen Erklärungen Saudi-Arabiens reichten nicht aus. Es müsse geklärt werden, "wer den Befehl für das Verbrechen" gegeben habe und wo sich der Leichnam Khashoggis befinde.

Er bekräftigte den Willen seiner Regierung, den Fall aufzuklären, bis alle Fragen beantwortet seien. Er habe keinen Zweifel, so Erdogan, dass auch der saudische König Salman daran interessiert sei. Den Namen des Kronprinzen Mohammed bin Salman, der der Verstrickung in den Tod Khashoggis bezichtigt wird, erwähnte Erdogan in diesem Zusammenhang nicht. Er sagte aber, dass er mit dem Kronprinzen und dem König in der Angelegenheit telefoniert habe.

Der türkische Präsident richtete an die saudische Regierung die Forderung, alle Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Tat, "einigen Sicherheits- und Geheimdienstmitgliedern anzulasten, würde weder uns noch die internationale Gemeinschaft zufriedenstellen", betonte er. Erdogan forderte zudem, die Verdächtigen in Istanbul vor Gericht zu stellen. Der Mord an Khashoggi sei in Istanbul verübt worden, deshalb müsse er auch in der türkischen Stadt gerichtlich aufgearbeitet werden.

Kehrtwende am Wochenende

Nach wochenlangen Dementis hatte die Regierung Saudi-Arabiens am Wochenende eingeräumt, dass Khashoggi am 2. Oktober im Konsulat in Istanbul ums Leben kam. Nach ihrer Darstellung mündete ein Gespräch über eine etwaige Rückkehr des regimekritischen Journalisten in einen Streit und geriet außer Kontrolle. Bei einer Schlägerei sei Khashoggi dann gestorben. 18 Verdächtige seien deshalb festgenommen worden, zwei hochrangige Berater des Kronprinzen seien entlassen worden.

An der Version hatte es umgehend international starke Zweifel gegeben. Lediglich US-Präsident Donald Trump signalisierte zunächst, dass er die saudische Version für glaubwürdig halte, sagte aber auch, dass Fragen blieben. Am Montag änderte Trump dann seine Haltung und teilte mit, er sei nicht zufrieden mit dem, was er aus Riad zum Tod Khashoggis höre.

"Wird nie wieder passieren"

Kurz vor Erdogans Rede hatte der saudi-arabische Außenminister Adel al-Dschubair versucht, den Druck auf seine Regierung zu mindern. Bei einem Besuch in Indonesien versprach er "umfassende Ermittlungen". Alle, die für den Tod Khashoggis verantwortlich seien, würden in Haft genommen und zur Rechenschaft gezogen. Es werde sichergestellt, "dass so etwas nie wieder passiert".

Der Fall hatte für Saudi-Arabien nicht nur politische, sondern auch wirtschaftliche Konsequenzen. Viele Regierungsvertreter, Investoren und Unternehmer sagten ihre Teilnahme an einer hochkarätigen Investorenkonferenz ab, die heute in der Hauptstadt Riad begann. Zwar begann die Regierung, schon am ersten Tag der Konferenz Geschäfte mit Investoren in Höhe von mehr als 50 Milliarden Dollar abzuschließen. Ein Teil der Verträge war allerdings schon im Frühjahr von Kronprinz bin Salman verabredet worden.

Die Geschäfte betreffen vor allem die Bereiche Öl, Gas und Verkehr. Beteiligt sind unter anderem Südkoreas Autobauer Hyundai, der amerikanische Ölfeldausrüster Schlumberger sowie der französische Ölkonzern Total. Allein der saudische Energie-Riese Aramco soll 15 Abkommen im Wert von mehr als 30 Milliarden Dollar abschließen.

Erdogan zum Fall Khashoggi - nichts Genaues weiß man nicht
Christian Buttkereit, ARD Istanbul
23.10.2018 13:10 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Oktober 2018 um 12:00 Uhr.

Darstellung: