Ein Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation WHO im Kongo mit einer Impfspritze gegen Ebola | Bildquelle: AP

Situation im Kongo Ebola - begrenzt, aber nicht besiegt

Stand: 23.12.2019 01:43 Uhr

Im Nordosten Kongos sind seit dem Ebola-Ausbruch vor etwa eineinhalb Jahren mehr als 2000 Menschen an dem Virus gestorben. Inzwischen nimmt die Zahl der Neuinfektionen ab - weil es endlich zwei Impfstoffe gibt.


Von Karin Bensch, ARD-Studio Nairobi

"Im Leben muss man geduldig sein", sagt Jean Jacques Muyembe. Geduldig ist er. Über 40 Jahre hat der Arzt nach einem Medikament gesucht, um Ebola zu heilen. Die Infektionskrankheit wird durch das Ebola-Virus ausgelöst. Die Infizierten leiden an Fieber, Muskelschmerzen, Durchfall sowie an Blutungen und sterben schließlich an Organversagen. Das Ebola-Virus wurde 1976 zum ersten Mal im Norden der Demokratischen Republik Kongo entdeckt und nach einem dortigen Fluss benannt. Schon damals forschte Muyembe in einem Team der Weltgesundheitsorganisation.

Seit dem Ausbruch vor knapp eineinhalb Jahren sind mehr als 3000 Menschen in der Demokratischen Republik Kongo an Ebola erkrankt und mehr als 2000 Menschen daran gestorben. Es ist der zweitgrößte Ausbruch nach der schweren Epidemie, die Westafrika Ende 2013 getroffen hatte. Damals starben mehr als 11.000 Menschen an der Virus-Erkrankung.

Zulassung für Ebola-Medikament ist erfolgt

Nach mehr als 40 Jahren Arbeit hat es Doktor Muyembe geschafft: Er fand ein Mittel, mit dem man Ebola heilen kann. Je früher die Infizierten behandelt werden, desto größer sind ihre Überlebenschancen. Mehr als 250.000 Menschen wurden seit Anfang August vergangenen Jahres mit einem Impfstoff des Pharmakonzerns Merck geimpft.

Vor wenigen Tagen erhielt das Unternehmen von der US-Arzneimittelbehörde eine Zulassung für diesen Ebola-Impfstoff erhalten. Die Weltgesundheitsbehörde hatte ihn aber bereits unter strengen Auflagen im Kongo eingesetzt. "Der Impfstoff hat eine große Wirkung, nahezu 97 Prozent der Fälle werden geheilt", erklärt Muyembe. Der Impfstoff kann Ebola heilen, ist aber kein dauerhafter Schutz.

Beschäftigte des Gesundheitswesens bereiten in Goma Impfungen gegen Ebola vor. | Bildquelle: REUTERS
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Der Impfstoff wurde bereits - wie hier in Goma - eingesetzt, er ist aber kein dauerhafter Schutz.

Impfkampagne mit zweitem Impfstoff

Um einer Ebola-Infektion vorzubeugen, wird ein anderer Impfstoff eingesetzt, den der US-Pharmakonzern Johnson und Johnson herstellt. In der Demokratischen Republik Kongo sollen bis März nächsten Jahres rund 50.000 Menschen damit geimpft werden. Auch im Nachbarland Ruanda findet eine Impfkampagne in den Grenzregionen statt. Innerhalb eines Jahres sollen dort rund 200.000 Menschen geimpft werden.

Dieser zweite Impfstoff wurde bislang aber noch nie unter realen Bedingungen getestet. Muyembe zufolge ist aber die Sterblichkeit bei Erkrankten, die mit beiden Medikamenten behandelt wurden, deutlich geringer, als bei Erkrankten, die gar nicht behandelt wurden.

Weniger Neuinfektionen, aber ein Problemgebiet

In der Demokratischen Republik Kongo, dem Heimatland von Jean Jacques Muyembe, hat sich die Situation deutlich verbessert. Die Zahl der Neuinfektionen ging stark zurück. In vielen Teilen des Landes ist die Epidemie unter Kontrolle. Noch immer grassiert sie vor allem im Nordosten. Dort haben bewaffnete Rebellen das Sagen. "Das Problem ist, dass Ebola in Regionen zurückgekehrt ist, die total unsicher sind", sagt Michael Ryan von der Weltgesundheitsorganisation.

Wird Ebola irgendwann ganz verschwinden? "Nein", sagt Muyembe. "Ebola wird es immer geben." Die direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch erfolgt über den Kontakt mit Blut, Speichel und anderen Körperflüssigkeiten. Immun ist nur, wer die Krankheit schon einmal hatte. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt vermutlich über Fledermäuse und Flughunde durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder den Verzehr der Tiere.

Der Kampf gegen Ebola geht also weiter. Immerhin wird durch die Impfungen die Ausbreitung der Epidemie eingegrenzt. Muyembe beobachtet: "Die Zahl der Fälle wird geringer und die Menschen erkranken nicht mehr so schwer."

Die Demokratische Republik Kongo mit der Provinz Nord-Kivu im Osten des Landes
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Die Demokratische Republik Kongo mit der Provinz Nord-Kivu im Osten des Landes

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. Dezember 2019 um 07:50 Uhr.

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