Präsidentschaftsbewerber Clinton und Sanders bei einem Rededuell

Rededuell Clinton gegen Sanders Aggressiv, verbissen, streitlustig

Stand: 15.04.2016 10:01 Uhr

Beobachter sprachen von einer verbissenen Redeschlacht. Wenige Tage vor der wichtigen Vorwahl im US-Bundesstaat New York lieferten sich die demokratischen Präsidentschaftsbewerber Clinton und Sanders ein hitziges Duell.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Brooklyn, Navy Yards, New York City - einst schraubten sie hier die Schlachtschiffe der USA zusammen. An diesem Abend aber gibt es eine Schlacht der etwas anderen Art auf dem Werftgelände von einst: Links Hillary Clinton, rechts Bernie Sanders - zwei Demokraten im Kampf um Meinungs- und Mikrofonhoheit. Links Hillary Clinton, auf dem Papier Favoritin, acht Jahre Senatorin in New York, ein vermeintliches Heimspiel für sie. Rechts Bernie Sanders - acht der neun vergangenen demokratischen Vorwahlen gewann er, der Außenseiter, der demokratische Sozialist und Liebling der Jugend. 70 Prozent der unter 30-Jährigen hat er an seiner Seite und - so sagt er - die Wahrheit auch.

Sanders bleibt Beleg für Vorwurf schuldig

Sanders verwendet selten das Wort "ich" und dafür häufig "wir" - "wir, die Bernie-Bewegung". Der 74-Jährige ärgert die Clinton-Kampagne nicht nur ein bisschen, sondern piesackt sie mittlerweile massiv. Zwei Kilometer Luftlinie vom Finanzzentrum New Yorks entfernt kommt immer wieder sein Vorwurf, Clinton bekomme Geld von der Wall Street. So jemand kämpfe nicht gegen korrupte Banker. "Wo ist ein Beispiel dafür?", fragen die Moderatoren. Clinton gibt die Antwort. "Er kann das nicht beantworten, denn es gibt kein Beispiel", sagt sie.

Am kommenden Dienstag finden die Vorwahlen in New York statt. Fast 300 Delegierte für den Parteitag sind zu verteilen - das bisher dickste Stück vom demokratischen Vorwahlkuchen. Ton und Stimmung sind entsprechend gallig. Sanders, in Brooklyn geboren, hatte der Wahl-New-Yorkerin Clinton zuletzt gar ihre Qualifikation zur US-Präsidentin abgesprochen. Zweimal immerhin sei sie hier, im Empire-State New York, zur Senatorin gewählt worden, antwortet Clinton. So viel zur Qualifikation.

Präsidentschaftsbewerber Clinton und Sanders bei einem Rededuell
galerie

Clinton und Sanders stritten heftig im Vorfeld der wichtigen Vorwahlen im Staat New York.

Clinton steht unter Druck

Clinton steht jedenfalls mächtig unter Druck. Sie muss New York holen - allein für die Optik. Noch liegt sie in den Umfragen vorn. Fünf Tage bleiben bis zur Vorwahl, entsprechend aggressiv ging es diesmal zur Sache: Klimawandel, Syrien-Krieg, Gesundheitsreform, Waffengesetze - Streit überall. Als Clinton irgendwann Sanders vorwirft, Interessen der amerikanischen Waffenlobby zu verfolgen, lacht er vernehmbar. Clintons Replik: Das Thema sei nicht zum lachen. "90 Menschen pro Tag sterben durch Waffen, 33.000 im Jahr", sagt Clinton. Die Argumente der beiden sind bekannt, die Verbissenheit ist aber neu.

Clinton appelliert an die überwiegend jungen Unterstützer von Sanders, am Ende - wenn natürlich sie die offizielle Präsidentschaftskandidatin der Demokraten auf dem Parteitag in Philadelphia werde - sich hinter ihr zu vereinen. Sanders Antwort: "Ich denke, wir werden die Nominierung gewinnen."

Rom-Reise mitten im Wahlkampf

Heute übrigens fliegt Sanders nach Rom - zum Vatikan. Nicht für den päpstlichen, sondern er soll dort über moralisches Wirtschaften reden. Seine Kampagnenmanager raufen sich die Haare. Sanders fliegt trotzdem. Hillary macht derweil weiter vor Ort Wahlkampf in New York. Die Redeschlacht hier, wo sie einst Schlachtschiffe bauten: Unentschieden an diesem Abend, an dem übrigens vor genau 104 Jahren die "Titanic" unterging. Der Untergang immerhin blieb beiden Kandidaten erspart.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. April 2016 um 09:00 Uhr.

Darstellung: