Französische Beamte testen einen Lkw-Fahrer in Dover, England | REUTERS

Gestrandete Lkw in Dover EU-Kommissarin kritisiert Frankreich

Stand: 24.12.2020 09:58 Uhr

Auch wenn die Lkw in Dover - dank Corona-Tests - wieder rollen, ist der Rückstau gewaltig. Für zahlreiche Fahrer bedeutet das wohl: Weihnachten im Laster. Die EU-Verkehrskommissarin gibt Frankreich die Schuld am Chaos.

Es bewegt sich wieder etwas: Nach tagelangem Stillstand in Südostengland können Lastwagen vom britischen Hafen Dover sowie durch den Eurotunnel wieder aufs europäische Festland. Doch es geht nur sehr langsam voran. Noch immer warten Tausende Fahrzeuge auf der britischen Seite, darunter schätzungsweise Hunderte aus Deutschland.

EU-Verkehrskommissarin Adina Valean gab Frankreich die Schuld an dem Chaos: "Ich verurteile, dass sich Frankreich gegen unsere Empfehlungen gerichtet und uns wieder in die Situation gebracht hat, in der wir im März waren, als die Lieferketten unterbrochen waren", schrieb Valean auf Twitter.

Voraussetzung für die Einreise in die EU ist ein negativer Corona-Test. Der britische Verkehrsminister Grant Shapps bat die Fahrer um Geduld. Er mahnte, sie müssten den Anweisungen folgen, "damit der Verkehr ins Rollen kommt". "Es wird eher Tage als Wochen dauern, aber es ist Geduld vonnöten", sagte Shapps der BBC. Zahlreiche Lkw-Fahrer werden es somit dennoch nicht an Weihnachten zu ihrer Familie schaffen. Shapps twitterte, es gebe trotz des Starts der Tests weitere schwere Verzögerungen. Er rief Lastwagenfahrer auf, Kent weiterhin zu meiden. "Eine Ankunft in dem Gebiet wird Ihre Fahrt verlangsamen."

Britisch-französische Grenzen soll offen bleiben

Shapps bekräftigte, dass die britisch-französische Grenze über die Feiertage offen bleiben solle. Auch der Verkehr durch den Eurotunnel soll weitergehen. Er habe mit seinem französischen Kollegen Jean-Baptiste Djebbari gesprochen, schrieb Shapps auf Twitter. "Wir haben uns geeinigt, dass die britisch-französische Grenze am Eurotunnel, Dover und Calais über Weihnachten offen bleiben soll, damit Lastwagenfahrer und Bürger so bald wie möglich nach Hause zurückkehren können." Djebbari bestätigte die Einigung.

Kommissarin Valean lobte die britische Seite. Die Behörden würden 300 Fahrer in der Stunde testen. Valean rief die anderen EU-Mitgliedstaaten auf, Ruhezeiten zu lockern und Feiertags-Fahrverbote aufzuheben, damit die Fahrer noch rechtzeitig zu Weihnachten zu ihren Familien zurückkehren können.

Frankreich hatte die Grenzen geschlossen, nachdem sich eine neue - möglicherweise noch ansteckendere - Variante des Coronavirus in Großbritannien ausgebreitet hatte. Schnell stauten sich zahlreiche Lastwagen in der Region rund um Dover. Nach tagelangen Verhandlungen gab es eine Einigung. Doch zunächst mussten die britischen Behörden Teststationen einrichten. Dabei half auch das Militär mit etwa 170 Einsatzkräften.

Nun will auch Frankreich zur Auflösung des Staus beitragen und schickte Feuerwehrleute und 10.000 Corona-Tests über den Ärmelkanal. 15 Angehörige der Feuerwehr und zehn Freiwillige des Zivilschutzes sollten in der südostenglischen Hafenstadt helfen, Lastwagenfahrer zu testen, teilte die Präfektur für die nordfranzösische Region Hauts-de-France mit.

Zusammenstöße in Dover

Die langen Wartezeiten und die schlechte Versorgung mit Essen und sanitären Anlagen zehrten an den Nerven einiger Fahrer. In Dover kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, mindestens ein Mann wurde festgenommen. Die Situation sei weiter angespannt, hieß es am Mittwochabend aus der Kommunalverwaltung. Auf dem stillgelegten Flughafen Manston gut 30 Kilometer nördlich von Dover, wo mehr als 3700 Fahrzeuge abgestellt waren, soll ein Polizeiwagen beschädigt worden sein.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Dezember 2020 um 05:17 Uhr.