Digitalwährung vor einer chinesischen Flagge | Bildquelle: REUTERS

Antwort auf Libra und Bitcoin China plant staatliches Kryptogeld

Stand: 30.10.2019 12:28 Uhr

Chinas Parteiführung arbeitet an einer staatlichen Digitalwährung. Einzelheiten und Termine sind noch unklar. Die Akzeptanz bei der Bevölkerung dürfte jedenfalls kein Problem werden.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Einzelheiten nannte Huang Qifan bei einem Wirtschaftsforum in Shanghai nicht. Doch der Vizechef des China-Zentrums für internationalen Wirtschaftsaustausch (CCIEE) machte beim Fachtreffen deutlich: Die staatliche chinesische Digitalwährung wird kommen.

Chinas Zentralbank befasse sich schon seit fünf oder sechs Jahren mit dem Thema und das Konzept sei inzwischen ausgereift, erklärte der Vizechef. "Die chinesische Zentralbank wird wahrscheinlich die erste der Welt sein, die eine echte staatliche Digitalwährung einführen wird."

Nicht vergleichbar mit Bitcoin oder Libra

Das CCIEE ist ein regierungsnaher Thinktank mit Sitz in Peking. Insofern handelt es sich bei den Aussagen seines Vizechefs weniger um die Analyse eines Fachmanns als vielmehr um eine de facto offizielle Ankündigung.

Huang machte bei seinem Auftritt auf dem Wirtschaftsforum zudem klar, dass Chinas Digitalwährung mit dem dezentral organisierten Bitcoin oder mit dem vom US-Konzern Facebook geplanten Konzept Libra nichts zu tun haben werde. Ohnehin halte Huang nichts von solch nichtstaatlich organisiertem Kryptogeld:

"Einige Firmen versuchen, offizielle staatliche Währungen herauszufordern, indem sie Bitcoin oder Libra herausgeben. Doch das wird nicht funktionieren."

Handel mit nichtstaatlichen Kryptowährungen verboten

In der Volksrepublik wird es mit Sicherheit nicht funktionieren. Denn der Handel mit nichtstaatlichen Kryptowährungen wie dem Bitcoin ist in China seit rund zwei Jahren offiziell verboten. Hintergrund ist, dass Chinas Staatsführung damals klar wurde, dass sie weder den Kurs noch den Handel mit Bitcoin kontrollieren kann. Doch genau das ist das oberste Ziel der chinesischen Finanz- und Geldpolitik: Die kommunistische Führung will auf keinen Fall die Kontrolle darüber verlieren, wer wann wieviel Geld von wo nach wo transferiert.

Das gilt insbesondere für Zahlungen ins Ausland. Entsprechend dürfte es bei der geplanten staatlichen chinesischen Digitalwährung möglich sein, dass Zahlungen komplett nachverfolgt werden können, vermuten Analysten. Für Alexander Sirakov von der Shanghaier Finanzberatung Kapronasia ist klar: "Das wird keine dezentrale Kryptowährung nach westlichem Vorbild, sondern es wird eine sehr stark zentral gesteuerte Währung sein."

Bargeldloses Bezahlen weit verbreitet

Wann Chinas Zentralbank die neue Digitalwährung einführen wird und wie sie genau funktionieren soll, ist noch unklar. Doch sie dürfte sehr schnell von der Bevölkerung akzeptiert werden. In den chinesischen Ballungszentren spielt Bargeld schon heute keine Rolle mehr im Leben der meisten Menschen. Sie bezahlen ausnahmslos alles per Smartphone-App. Von einer einfachen Umstellung ist Sirakov deshalb überzeugt:

"Es wird für Chinas Regierung und die Zentralbank ein Leichtes sein, die existierenden App-Bezahlsysteme umzustellen: von der normalen Währung Yuan auf die neue chinesische Digitalwährung. Diese Umstellung wird für die meisten Bürger wahrscheinlich unsichtbar und nahtlos ablaufen."

Staatschef Xi setzt auf Blockchain-Technologie

Auch wenn Chinas Führung mit dem neuen staatlichen Digitalgeld ausdrücklich ein Gegenkonzept zu den bestehenden Blockchain-Währungen auf den Weg bringen will: Der Kurs der bekanntesten Kryptowährung Bitcoin ist in den vergangenen Tagen steil nach oben geschossen.

Grund war eine Aussage von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping. Er wies die Ministerien und Behörden des Landes an, künftig stärker auf die Blockchain-Technologie zu setzen - zum Beispiel in der Big-Data-Forschung, der vernetzten Industrie und anderen Bereichen der Informationstechnologie. Das Thema Währung spielte bei Xi Jinpings Blockchain-Initiative keine Rolle.

Antwort auf Libra und Bitcoin: China plant staatliche Digitalwährung
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
30.10.2019 10:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL am 30. Oktober 2019 um 11:55 Uhr.

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