Demonstranten treten gegen Tränengasbehälter bei Protesten in Hongkong | Bildquelle: dpa

Gewalt in Hongkong Zusammenstöße nach verbotenem Protest

Stand: 27.07.2019 18:33 Uhr

Erneute Gewalt in Hongkong: Mit Tränengas und Gummigeschossen hat die Polizei eine nicht genehmigte Demonstration aufgelöst. Längst geht es bei den Protesten nicht mehr nur ums Auslieferungsgesetz.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai, zzt. Hongkong

In Hongkong gehen die regierungskritischen Proteste in den zweiten Monat. Und erneut kam es zu Gewalt. Mit Tränengas, Pfefferspray und Gummigeschossen löste die Polizei am späten Nachmittag Ortszeit eine nicht genehmigte Demonstration im Stadtteil Yuen Long auf. Zuvor hätten einige der Protestler einen Polizeiwagen angegriffen und Barrikaden weggeräumt, erklärt die Polizeibehörde. Auch hätten einige Demonstranten selbstgebaute Waffen und Schutzschilde mitgebracht.

Tatsächlich ist für alle sichtbar, dass es etwa 100 Protestierende von vorneherein auf Krawall und Gewalt abgesehen haben: Sie sind mit Alu-Stöcken und Schutzkleidung ausgestattet zur Demo gekommen. Als die Polizei die Protestaktion auflöst, blenden einige die Bereitschaftspolizisten mit grünen Laserpointern.

Proteste in Hongkong: Beamte setzen Schlagstöcke und Pfefferspray ein
tagesthemen 23:25, 27.07.2019, Tamara Anthony, ARD Peking zzt. Hongkong

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Schlägerattacke vor einer Woche

Zunächst aber verlief die Protestaktion friedlich. Tausende Menschen waren - trotz des Verbots - nach Yuen Long gekommen. Der Stadtteil Yuen Long liegt rund eine Stunde U-Bahn-Fahrt nördlich vom Zentrum der chinesischen Sonderverwaltungszone. Hier waren am vergangenen Wochenende Dutzende in weiß gekleidete und vermummte Männer auf Passanten losgegangen: mit Schlagstöcken und Eisenruten. Viele der Opfer waren Pro-Demokratie-Aktivisten, mehr als 60 Menschen wurden bei der Schläger-Attacke verletzt. Die heute nicht genehmigte Demonstration richtet sich gegen diesen Vorfall.

Auch der pro-demokratische Parlamentsabgeordnete Ted Hui ist zu der Kundgebung gekommen. "Mehrere Abgeordnete sind heute hier. Wir wollen die Protestierenden in ihrem Anliegen unterstützen." Viele Menschen hätten sich erst nicht getraut zu kommen, weil die Polizei die Demo nicht genehmigt hatte. "Aber trotzdem ist es wichtig, rauszugehen und die Wut auf die Straße zu tragen."

Kampf ums Grundsätzliche

Der Protestmarsch sei zwar nicht genehmigt, aber es sei doch nicht illegal, hier zu sein, sagt der 46-jährige Henry, der mit einigen alten Hochschulfreunden in den Norden Hongkongs gekommen ist. "Wir wollen die jungen Leute bei ihrem Protest gegen die pekingfreundliche Regierung Hongkongs unterstützen," sagt der Geschäftsmann.

Längst richten sich die Proteste und Massendemos in Hongkong nicht mehr nur gegen das umstrittene geplante Auslieferungsgesetz. Dieses sollte es einfacher machen, Kriminelle von Hongkong nach Festlandchina auszuliefern. Obwohl die Regierung das Vorhaben auf Eis legte, gehen die Proteste weiter. Es geht längst ums Grundsätzliche: Die vor allem jungen Demonstranten wehren sich gegen den wachsenden Einfluss der chinesischen Staats- und Parteiführung auf Hongkong. Die eigentlich nach dem Prinzip "Ein Land, zwei Systeme" autonom regierte Stadt verliere Stück für Stück ihre Sonderrechte und Freiheitsrechte, so der Vorwurf. 

"Hongkong unterscheidet sich vom Rest Chinas", betont der 33-Jährige Nino. Und er wolle, dass das auch so bleibe. Und seine Freundin, die 31-jährige Lai, ergänzt: "Lieber sterben wir, als künftig ohne Freiheit zu leben."

Tränengas und Gummigeschosse bei Demonstration in Hongkong
Steffen Wurzel, ARD Shanghai, zzt. Hongkong
27.07.2019 16:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 27. Juli 2019 die tagesschau um 16:00 Uhr und Deutschlandfunk um 17:14 Uhr.

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