Nationales Programm zur Eliminierung der Tuberkulose in Himachal Pradesh, Indien. | Bildquelle: SANJAY BAID/EPA-EFE/Shutterstock

Kampf gegen Infektionskrankheiten Corona bedroht Erfolge bei Tuberkulose

Stand: 14.10.2020 15:01 Uhr

In den vergangenen Jahren waren im Kampf gegen Tuberkulose Erfolge erzielt worden. Diese seien nun in Gefahr, warnt die WHO - weil Geld und Fachkräfte stattdessen zur Eindämmung von Covid-19 eingesetzt würden.

Die Corona-Pandemie droht nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Fortschritte im Kampf gegen die Tuberkulose zunichtezumachen. Denn viele Länder setzten Fachkräfte und Geld jetzt zur Eindämmung der Krankheit Covid-19 ein - und nicht mehr gegen die Tuberkulose, teilte die WHO in einem Bericht mit.

Das mache sich etwa beim Erfassen von Tuberkulose-Erkrankungen bemerkbar. In den stark betroffenen Ländern Indien, Indonesien und auf den Philippinen gab es dem Bericht zufolge einen Rückgang der Erfassung von Tuberkulose-Infektionen im ersten Halbjahr 2020 um bis zu 30 Prozent - verglichen mit dem ersten Halbjahr 2019. Diese fehlende Registrierung könnte die Zahl der Todesfälle dramatisch ansteigen lassen, da die Betroffenen nicht mehr therapiert würden, warnte die WHO.

Eine Röntgenaufnahme einer an Tuberkulose infizierten Lunge. | Bildquelle: dpa
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Bei einer Tuberkulose-Erkrankung ist meist die Lunge betroffen, doch auch jedes andere Organ kann von den Bakterien befallen sein.

Rückgang der Todesfälle um etwa 14 Prozent

Dabei waren laut WHO vor Beginn der Corona-Pandemie im Kampf gegen die Tuberkulose Erfolge erzielt worden: So sei die Ausbreitung der Krankheit von 2015 bis 2019 um neun Prozent gesunken, die Zahl der Todesfälle sei um 14 Prozent zurückgegangen. Dennoch erkrankten im Jahr 2019 laut WHO circa zehn Millionen Menschen an der Tuberkulose, etwa 1,4 Millionen von ihnen starben. Als besonders gefährlich erweist sich, dass Erreger resistent gegen gängige Antibiotika werden.

Ein Viertel bis ein Drittel aller Menschen weltweit trägt laut Expertenschätzungen Tuberkulose-Bakterien in sich. Bei den meisten Menschen ist das Immunsystem stark genug, um eine Erkrankung abzuwehren. Unter- oder Mangelernährung, extremer Stress wie etwa Kriege oder eine Schwächung durch andere Krankheiten begünstigen hingegen eine Ausbreitung der Bakterien.

Keine umfassende Impfung bisher

Bei einer Tuberkulose-Erkrankung ist meist die Lunge betroffen, doch auch jedes andere Organ kann von den Bakterien befallen sein. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Symptome sind Kraftlosigkeit, Nachtschweiß, Gewichtsabnahme und Husten, auch mit blutigem Auswurf.

Die Behandlung erfolgt mit einem Antibiotika-Cocktail, der über Monate hinweg eingenommen werden muss. Eine umfassende Impfung gibt es bisher nicht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 14. Oktober 2020.

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