Ein Mitarbeiter des Gesundheitswesens mit Schutzanzug verlässt mit einer Person auf einer Bahre ein Altenheim im spanischen Vitoria. | Bildquelle: dpa

Coronavirus Spanien sorgt sich um die Senioren

Stand: 24.03.2020 16:15 Uhr

In Spanien bleibt die Zahl der Neuansteckungen mit dem Coronavirus dramatisch hoch. Die Behörden alarmiert auch die Lage in Altersheimen, und in Madrid muss Ersatz für die Leichenhalle gesucht werden.

In Spanien ist die Zahl der täglichen Coronavirus-Neuinfektionen mit 6584 Fällen auf ein Rekordhoch gestiegen. Das teilte die Gesundheitsbehörde mit. Insgesamt sind demnach in Spanien 39.673 Menschen infiziert. Die Zahl der Todesfälle stieg um 514 auf 2696.

Das Virus trifft nicht zuletzt das medizinische Personal. Nach Behördenangaben wurden inzwischen 5400 Mitarbeiter im Gesundheitswesen positiv auf das Coronavirus getestet. Das seien fast 14 Prozent aller Fälle in dem Land.

Zunehmende Sorge bereitet den Behörden auch die Lage in den Altersheimen. Soldaten fanden in Seniorenheimen völlig sich selbst überlassene Bewohner und in manchen Fällen sogar Leichen in den Betten, wie Verteidigungsministerin Margarita Robles berichtete. Die spanische Armee ist damit beauftragt, die Heime zu desinfizieren.

Eislaufbahn wird zur Leichenhalle

In der Hauptstadt Madrid wurde angesichts der vielen Corona-Toten eine Eislaufbahn in eine Leichenhalle umfunktioniert. Leichenwagen fuhren in die Tiefgarage des von Sicherheitskräften bewachten Gebäudekomplexes im Nordosten der spanischen Hauptstadt.

Die städtischen Behörden waren auf das Angebot der Eislaufbahn zurückgekommen, nachdem die städtische Leichenhalle angekündigt hatte, wegen fehlender Schutzausrüstung vorerst keine Corona-Toten mehr aufzunehmen. 

Madrid ist mit rund 30 Prozent aller Infektionen das Epizentrum der Krise in Spanien. Mit mehr als 1500 ums Leben gekommenen Patienten kam die Metropole sogar auf mehr als die Hälfte aller Todesfälle im ganzen Land (fast 2700).

Polizisten stehen vor einer Anlage einer Eislaufbahn in Madrid, die aufgrund der Überlastung der örtlichen Bestattungsunternehmen in ein vorübergehendes Leichenschauhaus verwandelt wurde. | Bildquelle: REUTERS
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Der Eispalast in Madrid ist wegen der Coronakrise stillgelegt, nun soll er vorübergehend als Leichenhalle dienen.

Bringt diese Woche die Wende?

Dennoch hoffen die spanischen Behörden, dass der Höhepunkt der Krise dank der strengen Maßnahmen mit weitreichenden Beschränkungen der Bewegungsfreiheit schon diese Woche erreicht wird. Ministerpräsident Pedro Sánchez will beim Parlament heute eine Verlängerung des Alarmzustands, der dritthöchsten Notstandsstufe, um weitere zwei Wochen bis zum 11. April beantragen.

Die Abstimmung steht dann morgen an. Dabei gilt eine Zustimmung auch der Oppositionsabgeordneten als Formsache.

Spanien ist nach Italien das am härtesten von der Pandemie getroffene europäische Land.

Über dieses Thema berichtete inforadio am 24.03.2020, 12:51 sowie die tagesschau am 22. März 2020 um 13:15 Uhr.

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