Ein Blick auf die Hänge am Stubaier Gletscher in Tirol. | Bildquelle: dpa

Skifahren im Corona-Winter Alpenländer streiten über Saisonbeginn

Stand: 24.11.2020 18:41 Uhr

Die italienischen Skigebiete sollen erst im neuen Jahr öffnen, Österreich hingegen drängt auf einen schnellen Saisonbeginn. Und Bayern mahnt zur gemeinsamen Lösung. Skifahren im Corona-Winter, kann das klappen?

Italiens Vorstoß über einen späteren Start der Wintersportsaison in der EU sorgt für Streit unter den Alpenländern. Ministerpräsident Giuseppe Conte will die Skigebiete angesichts der Corona-Pandemie mindestens bis zum 10. Januar geschlossen halten. "Es ist nicht möglich, einen Winterurlaub zuzulassen, wir können uns das nicht leisten", sagte er dem Fernsehsender "La7".

Zugleich rief er andere europäische Länder dazu auf, gemeinsame Regeln für die Branche zu vereinbaren. Italien strebt demnach in Abstimmung unter anderem mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron einen europäischen Fahrplan zur schrittweisen Öffnung der Skigebiete zu Beginn des neuen Jahres an.

Österreich fordert EU-Entschädigungen

Österreich, das seit Monaten betont, die Skigebiete mit entsprechenden Vorkehrungen um jeden Preis öffnen zu wollen, reagierte dagegen mit vehementer Ablehnung. Der österreichische Finanzminister Gernot Blümel fordert im Fall einer länderübergreifenden Öffnung der Skigebiete erst nach den Weihnachtsferien von der EU Entschädigungen in Milliardenhöhe.

Italiens Vorschlag bedeute in Österreich einen Umsatzausfall von 800 Millionen Euro pro Woche, teilte Blümel mit. "Wenn die EU tatsächlich vorgibt, dass die Skigebiete geschlossen bleiben müssen, dann bedeutet das Kosten von bis zu zwei Milliarden Euro. Wenn die EU das wirklich will, dann muss sie dafür auch bezahlen."

"Wir haben in Österreich für all jene Bereiche, die wir behördlich geschlossen haben, in kürzester Zeit einen Umsatzersatz auf die Beine gestellt. Wenn Skigebiete geschlossen bleiben müssen, dann muss die EU einen Skifahr-Ausfallersatz leisten", forderte Blümel. Der Tourismus macht rund 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Landes aus und sorgt alleine im Winter für Hunderttausende Arbeitsplätze. Pro Wintersaison werden mehr als 59 Millionen Übernachtungen verzeichnet.

Alle oder keiner

Einigkeit herrscht unter den Regierungschefs Medienberichten zufolge allerdings darüber, dass unkoordinierte und zu schnelle Öffnungen wie im Sommer ein Fehler wären.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder unterstützte den italienischen Vorstoß ebenfalls. "Wenn wir Grenzen offen halten wollen, brauchen wir auch eine klare Übereinkunft, was das Skifahren betrifft", sagte er am Rande einer Landtagssitzung. Er verwies darauf, dass jemand, der in Risikogebieten Skifahren gehe, zehn Tage in Quarantäne müsse. "Mir wäre lieber, wir würden ein einheitliches Übereinkommen auf europäischer Ebene haben: keine Skilifte offen überall beziehungsweise kein Urlaub überall." Er plädiere daher für eine vorübergehende europaweite Schließung von Skigebieten und Skiliften.

Eine länderübergreifende Regelung forderten auch die italienischen Regionen: Wenn Skipisten geschlossen würden, sollte das für ganz Europa gelten, sagte der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, der italienischen Zeitung "Corriere della Sera". Man könne das Skifahren nicht im italienischen Südtirol verbieten, es aber im österreichischen Kärnten erlauben.

Geschlossene Lifte in Südtirol?

Südtirols Landeschef Arno Kompatscher äußerte sich allerdings kritisch zu den Plänen der Zentralregierung, die Skiferien wegen der Corona-Krise einzuschränken. Das eine, so Kompatscher, sei ein generelles Verbot von Skiurlaub. Das andere sei, ob man überhaupt Skilaufen könne. "Aus meiner Sicht sind das nicht automatisch die selben Dinge. Natürlich gehört das zusammen, wenn ich auf Urlaub gehen und Skifahren will. Aber das andere ist, ob ein Lift überhaupt geschlossen bleiben soll", sagte Kompatscher.

Kompatscher deutete Verständnis dafür an, den Skiurlaub über Weihnachten zu untersagen. Dann aber müsse klar gesagt werden, wann nach den Weihnachtstagen eine halbwegs normale Aktivität in den Skigebieten wieder aufgenommen werden könne.

Italiens Skigebiete erwirtschaften einen Jahresumsatz von rund elf Milliarden Euro, ein Drittel davon stammt aus den Tagen, die Italiener normalerweise zu Weihnachten und Neujahr in den Alpen und Dolomiten verbringen. Viele italienische Regionen sind derzeit in einem Lockdown mit Einschränkungen, die mindestens bis zum 3. Dezember bestehen bleiben.

Mit Informationen von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Südtirol stellt Plan für Lockerungen der Corona-Beschränkungen vor
Jörg Seisselberg, ARD Rom
24.11.2020 17:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. November 2020 um 20:00 Uhr.

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