In Shanghai wird eine Frau auf Corona getestet. | AP

Corona-Pandemie in Shanghai Ärger über Lockdown nimmt zu

Stand: 11.04.2022 08:24 Uhr

Shanghai hat eine Rekordzahl von fast 25.000 Neuinfektionen registriert. Im Internet beschweren sich Menschen, dass sie nicht genug zu essen bekommen. Wann Lockerungen umgesetzt werden, ist unklar.

Von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking

Die Behörden in Shanghai versuchen weiter, den bisher größten Covid-Ausbruch in China unter Kontrolle zu bekommen. Die mehr als 25 Millionen Einwohner der Wirtschaftsmetropole dürfen auf unbestimmte Zeit ihre Wohnungen nicht verlassen. Die Stadt ist seit Wochen abgeriegelt - zunächst teilweise, nun komplett. Im Internet beschweren sich viele Menschen, dass sie nicht genug zu essen bekommen oder dass Medikamente fehlen.

Benjamin Eyssel ARD-Studio Peking

Es kursieren Videos von Streits mit Sicherheitsleuten, von Protesten und auch von Plünderungen. In anderen Videos ist zu hören, wie Menschen sich an ihren Fenstern versammeln und schreien. Die Echtheit der Aufnahmen ist schwer zu überprüfen. Klar ist aber, der Unmut in der Bevölkerung nimmt zu. Viele kritische Posts im stark zensierten chinesischen Internet werden von den Zensoren schnell gelöscht.

Katastrophale hygienische Zustände

Wer positiv auf das Corona-Virus getestet wird, muss in eine staatliche Isolationseinrichtung. Die hygienischen Zustände in diesen Massenunterkünften werden als zum Teil katastrophal beschrieben. Gestern sind nach offiziellen Angaben mehr als zehntausend Menschen nach einer Infektion aus zentralen Isolationseinrichtungen entlassen worden. Sie sollen sich zu Hause weiter isolieren.

Am Wochenende hat die Stadt Shanghai erste Lockerungen angekündigt. In Stadtteilen, in denen es mindestens zwei Wochen lang keine neuen Infektionen gegeben hat, sollen sich die Einwohner in ihrem Bezirk bewegen dürfen. Wann und wie die Lockerungen umgesetzt werden sollen, ist unklar.

Weiterhin Null-Covid-Politik

Während der Rest der Welt sich zunehmend darauf einstellt, mit dem Virus zu leben, hält die chinesische Staats- und Parteiführung weiter an ihrer strikten Null-Covid-Politik fest. Die Grenzen sind nach wie vor so gut wie dicht. Nur einzelne Flüge nach China sind zugelassen. Die Flugzeuge dürfen derzeit nur zu 40 Prozent besetzt sein, die Passagiere müssen anschließend drei Wochen in Hotel-Quarantäne.

Die Vereinigten Staaten haben ihre Bürger wegen der strengen Corona-Beschränkungen davor gewarnt, in die Volksrepublik zu reisen. Es bestehe unter anderem das Risiko, dass Eltern und Kinder getrennt werden. Die chinesische Regierung reagierte empört. Die Maßnahmen seien wissenschaftlich und effektiv, sagte ein Sprecher.

Gravierende Folgen für die Wirtschaft

Nach dem ursprünglichen Ausbruch in der Stadt Wuhan vor zwei Jahren hat China mit strikten Maßnahmen die Pandemie unter Kontrolle bekommen und die Infektionszahlen niedrig gehalten. Doch die hochansteckende Omikron-Variante macht es den Behörden schwer wie nie. Die genauen Folgen für die Wirtschaft sind noch nicht absehbar, dürften aber gravierend sein. Viele Betriebe, auch internationale Unternehmen in und um Shanghai, haben geschlossen, oder arbeiten nur im Minimalbetrieb.

Dieser Beitrag lief am 11. April 2022 um 09:14 Uhr auf MDR-aktuell.