Menschen sitzen Ende Mai vor der New Yorker Skyline und der Brooklyn Bridge. | Bildquelle: AFP

Corona-Maßnahmen Neustart mit Risiko in New York

Stand: 08.06.2020 08:31 Uhr

Keine Stadt in den USA war so schwer vom Coronavirus getroffen - mehr als drei Monate war die Metropole "on pause". Nun soll es zaghaft zurück zur Normalität gehen. Doch es gibt neue Risikofaktoren.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Nach rund 100 Tagen Corona-Krise und elf Wochen "New York on Pause", wie die weitreichenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens hier genannt werden, wagt die Millionenmetropole den ersten kleinen Schritt in eine neue Normalität.

"Es geht darum, den Menschen ihre Lebensgrundlage zurückzugeben und New York City wieder stark zu machen - unsere Wirtschaft und unsere Menschen", sagt Bürgermeister Bill de Blasio mit viel Pathos. Doch die erste von vier Öffnungsphasen, die heute auch in New York City gestartet wird, ist erst einmal nur ein vorsichtiger Schritt in diese Richtung.

Auf den rund 32.000 Baustellen der Stadt kann die Arbeit wieder aufgenommen werden, Fabriken können ihre Produktion wieder starten und Läden dürfen Waren zum Abholen anbieten. 200.000 bis 400.000 Menschen könnten dann zurück zur Arbeit gehen, sagt de Blasio. Die für New York City viel wichtigeren Büros aber bleiben weiter geschlossen und dürfen erst schrittweise öffnen, wenn es keine Rückschläge im Kampf gegen die Pandemie gibt.

"Ganz genau beobachten"

Bis vor einigen Tagen waren die Verantwortlichen da sehr optimistisch, doch nun sei ein neuer Unsicherheitsfaktor hinzukommen, sagt der Gouverneur des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo. "New York City hatte die höchste Zahl an Corona-Fällen, hat die höchste Bevölkerungsdichte - und jetzt auch die meisten Teilnehmer an den Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt", sagt Cuomo. "Wir machen uns Sorgen, dass die Proteste die Verbreitung des Virus wieder beschleunigt hat. Das werden wir ganz genau beobachten müssen."

Demonstranten in New York halten während eines Protests auf dem Foley Square in Lower Manhattan Schilder mit der Aufschrift «Black Lives Matter» in die Höhe. | Bildquelle: dpa
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Seit mehr als einer Woche protestieren Tausende in New York und anderen Städten gegen Rassismus und Polizeigewalt.

Die schrittweise Lockerung der Einschränkungen ist an sieben Kriterien gebunden, die alle erfüllt sein müssen, etwa genügend freie Krankenhausbetten oder eine Höchstzahl an Neuinfektionen. Wenn sich die Zahlen verschlechtern, werden die Einschränkungen wieder verschärft.

Deshalb appelliert Cuomo an die Demonstranten, sich testen zu lassen: "Ich verstehe jeden, der zu diesen Demonstrationen gegangen ist. Aber wir haben immer noch das Problem mit dem Coronavirus. Also: Handelt verantwortungsbewusst!" Nur für die Demonstranten seien 15 Teststellen eröffnet worden, sagt der Gouverneur.

Schwere wirtschaftliche Krise

Nicht nur Cuomo befürchtet, dass der ohnehin lange Weg zur vollständigen Wiedereröffnung New Yorks verzögert werden könnte. Wenn alles optimal läuft, könnten in acht Wochen in einer letzten Phase die Kultureinrichtungen unter Auflagen wieder öffnen. Für eine Touristenstadt wie New York ist das essenziell. "Ich weiß, es war eine lange Zeit. Aber bleibt bitte diszipliniert", fordert Cuomo die New Yorker auf. "Denn es funktioniert. Wir sind einen so langen Weg gegangen, so viele Menschen haben Opfer gebracht. So viele sind gestorben. Lasst uns jetzt keine Dummheiten machen."

New York ist von der Pandemie getroffen worden, wie keine andere Stadt in den USA: Mehr als 20.000 Menschen sind an einer Corona-Infektion gestorben. Weit mehr als eine Million haben ihren Job verloren. Stadt und Bundesstaat stehen vor der Pleite. Ob und wann New York wieder zur alten auch wirtschaftlichen Stärke zurückkehren kann, steht in den Sternen.

Cuomo bleiben deshalb nur Durchhalteparolen: "Das, was wir bis jetzt schon geschafft haben, wird in die Geschichte eingehen als eine der größten gesellschaftlichen Transformationen."

New York geht den ersten Schritt in die Nach-Corona-Zeit
Peter Mücke, ARD New York
08.06.2020 08:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 08. Juni 2020 um 06:35 Uhr.

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