Die Luftaufnahme zeigt die Skyline von Stockholm. | Bildquelle: picture alliance / TT NYHETSBYR?

Geringe Corona-Maßnahmen Schwedische Gelassenheit

Stand: 21.03.2020 14:40 Uhr

Volle Pisten und Kneipen in den Skigebieten, geöffnete Schulen und Kitas: In Schweden scheint die Corona-Pandemie auf das öffentliche Leben bisher nur geringe Auswirkungen zu haben. Experten sind beunruhigt.

Von Sofie Donges, ARD-Studio Stockholm

Die Sonne scheint, es wird langsam Frühling in Stockholm, und der Spielplatz ist voller Kinder und Eltern. Frederik ist hier mit seinen beiden Jungs, die auf den Klettergerüsten rumtoben. Er und seine Frau sind beide berufstätig - wie meistens in Schweden. Dass hier Kitas und Schulen bis einschließlich zur neunten Klasse geöffnet sind, findet er richtig: "Das ist gut, weil es sonst so große Konsequenzen für die Gesellschaft hätte - die Leute müssten zu Hause bleiben."

Auch die Behörden in Schweden sind nach wie vor der Meinung: Alle Schulen zu schließen, ist keine Option und würde eine Ausbreitung des Virus nicht verhindern, im Gegenteil. Man wolle maßvoll handeln - das ist die schwedische Devise. Bisher haben sich nachweislich 1600 Menschen im Land angesteckt, 16 sind verstorben.

"Das Wichtigste, was wir jetzt machen können, ist zuhause bleiben, wenn wir uns krank fühlen. Das sagen wir jeden Tag und werden das weiter tun, solange die Epidemie anhält, denn das ist die Grundlage für alles, was wir tun", sagt Anders Tegnell von der Gesundheitsbehörde.

Blick auf den fast menschenleeren Stortorget-Platz im schwedischen Malmö. | Bildquelle: dpa
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Auch der Stortorget-Platz im schwedischen Malmö ist inzwischen fast menschenleer.

Touristen in den Skigebieten

Und so gelassen sind die Schweden auch in Sachen Vorschriften: Veranstaltungen ab 500 Menschen sind verboten und wer kann, soll von zu Hause arbeiten. Außerdem soll man bitte nicht reisen - daran halten sich aber lange nicht alle. In den Skigebieten sind die Pisten voll und die Kneipen auch. Die Touristen? Entspannt.

"Ich finde es schon irgendwie gerechtfertigt, wenn wir versuchen unsere Unternehmen zu unterstützen, also in der Reisebranche", so ein Tourist. Und ein weiterer meint: "Gäbe es Richtlinien von Seiten des Staates, dass ich nicht hierher fahren soll, dann hätte ich es wohl auch nicht getan."

Bereits vor mehreren Tagen hatten medizinische Fachkräfte gewarnt: Die 25.000 Touristen in der Skiregion Sälen könne man nicht betreuen in Corona-Zeiten. Der Wintertourismus müsse dringend eingestellt werden. Nun möchte sich Anfang nächster Woche die Gesundheitsbehörde mit den Vertretern aus der Region treffen und beraten. Bis dahin gilt: Es wäre besser, wenn Schweden nicht Ski fahren gehen - aber die Lifte bleiben geöffnet. Hat ja auch was Gutes, findet Mats Forslund, Geschäftsführer des Tourismusverbandes: "Ich interpretiere das, was ich höre so, dass man jetzt in die schwedischen Skigebiete fährt um Auslandsreisen zu vermeiden."

Mediziner fordern härtere Maßnahmen

Zurück nach Stockholm - dem Gebiet mit den meisten Corona-Fälle in Schweden: Restaurants, Geschäfte, kleinere Kinos sind hier noch geöffnet. Gleichzeitig wird es von Tag zu Tag leerer auf den Straßen und der öffentliche Druck auf die Gesundheitsbehörde wächst. Mehrere Mediziner und Wissenschaftler fordern laut härtere Maßnahmen. Schweden würde nicht alle Register ziehen, um die Ausbreitung zu unterdrücken. Die Lage sei sehr ernst.

Der schwedische Weg: Corona-Maßnahmen light
Sophie Donges, (ARD) Stockholm
21.03.2020 09:52 Uhr

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