Arbeiterinnen und Arbeiter ziehen Schutzanzüge an, während sie darauf warten, dass die Anwohner in der Umgebung des Xinfadi-Großmarktes in einem Stadion einen Nukleinsäuretest machen. | Bildquelle: dpa

Coronavirus in China "Das hört wohl nie auf"

Stand: 15.06.2020 14:09 Uhr

Ein neuer Corona-Ausbruch auf einem Großmarkt hat Peking zurück in den Krisenmodus versetzt: Die Polizei riegelte mehr als 20 Wohnblöcke ab, Tausende Bewohner wuden getestet. In Panik aber verfallen die wenigsten.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Die Behörden in Peking sind zurück im Corona-Krisenmodus. Zwar sind einige Dutzend Fälle bei einer Bevölkerungszahl von mehr als 20 Millionen Menschen nicht sehr viel, aber entscheidend ist: In der chinesischen Hauptstadt gab es zuletzt fast zwei Monate lang gar keine Neuinfektionen, zumindest laut offiziellen Statistiken. Deswegen ist die Aufregung nun groß.

"Das betrifft natürlich meinen Alltag und meine Arbeit", sagt ein 25-jähriger Pekinger, der bei einer Medien-Produktionsfirma arbeitet. "Ich dachte, die Krise sei vorüber, jetzt ist sie wieder da." Im Frühjahr habe seine Firma wegen des Coronavirus einige Veranstaltungen abgesagt. Wegen des neuen Ausbruchs müssten mehrere Events im Juni nun ebenfalls ausfallen.

"Mein erster Gedanke war: Das hört wohl nie auf!", erzählt eine 20-Jährige. Sie arbeitet in einem Restaurant und hat sich sicherheitshalber erstmal zwei Tage freigenommen. "In meinem Beruf komme ich nämlich viel mit Kunden in Kontakt. Ich kann also nicht arbeiten, habe kein Geld zum Wegfahren - das ist nervig."

Großmarkt im Visier der Behörden

Nach dem Auftauchen der neuen Fälle mobilisierten die Behörden in Peking innerhalb kurzer Zeit enorme Ressourcen: Nach Angaben staatlicher Medien sind rund 100.000 Behördenmitarbeiter in Peking unterwegs, um die weitere Verbreitung des Virus zu stoppen. Seit Beginn des Wochenendes seien mehr als 76.000 Menschen in der Hauptstadt auf das Coronavirus getestet worden. Es handelt sich demnach allesamt um Menschen, die in den vergangenen 14 Tagen auf dem Gelände des Xinfadi-Großmarktes waren.

"Seit dem 11. Juni erleben wir in Peking einen Anstieg neuer Fälle", sagte Xu Hejian, Sprecher der Pekinger Stadtregierung, bei einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz. "Aus epidemiologischer Sicht und nach den ersten Testergebnissen ist es wahrscheinlich, dass die Quelle des neuen Ausbruchs der Xinfadi-Großmarkt ist."

Das Marktgelände im südwestlichen Pekinger Stadtteil Fengtai ist einer der größten und belebtesten Märkte für frische Lebensmittel in ganz China. Abstandhalten klappt dort auch in Corona-Zeiten nicht immer und überall.

Peking | Bildquelle: dpa
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Der Xinfadi-Großmarkt ist einer der größten Märkte Chinas - hier soll sich das Virus erneut verbreitet haben.



Mehr als 20 Wohnbezirke abgeriegelt

Um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, riegelten die Pekinger Behörden mehr als 20 Wohnbezirke ab. Dabei handelt es sich nicht um ganze Stadtviertel, sondern um sogenannte Xiao Qu, das sind kleinere Straßenzüge oder umzäunte Wohnblocks.

"Wir nehmen den Kampf gegen die Pandemie in der Hauptstadt sehr ernst", betonte Sprecher Xu. "Wir müssen uns bewusst sein, dass es zu weiteren Komplikationen und langfristigen Herausforderungen kommen kann. Wir dürfen jetzt nicht müde werden und nachlassen."

Die Aufmerksamkeit ist in Sachen Corona in Peking wieder gestiegen, in Panik aber verfallen die wenigsten. "Ich bin nicht nervös", sagt ein 38-jährige Hauptstadtbewohner. "Wir haben schon Schlimmeres erlebt und ich vertraue der chinesischen Führung."

Polizisten mit Mund-Nase-Schutzmasken vor einem gesperrten Gebäude in Peking. | Bildquelle: AP
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Um das Virus einzudämmen, hat die Polizei in Peking mehrere Wohnblöcke abgesperrt.

Kritischen Bloggern droht Hafstrafe

Dass unabhängige und kritische Berichte über Misstände im Zuge der Coronavirus-Krise in China weiter nicht geduldet werden, zeigt der Fall der beiden Blogger Chen Mei und Cai Wei. Sie sitzen seit April im Gefängnis, weil sie zensierte Artikel zur Coronakrise in China online weiterverbreitet haben. Die beiden wurden jetzt nach einem Bericht der Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" offiziell angeklagt, ihnen drohen mehrjährige Gefängnisstrafen.

China: Massenhaft neue Corona-Tests in Peking, kritische Blogger angeklagt
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
15.06.2020 12:58 Uhr

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