Mitarbeiter der lokalen NGO Shining Hope for Communities (SHOFCO) trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift "fighting corona virus" | Bildquelle: AFP

Coronavirus in Afrika Schnell lernen - und hoffen

Stand: 24.03.2020 18:31 Uhr

Auf dem afrikanischen Kontinent gibt es immer mehr Corona-Infizierte. Experten fürchten, ein Ausbruch wie in Europa, werde die fragilen Gesundheitssysteme überlasten - mit schlimmen Folgen.

Von Caroline Hoffmann, Studio Nairobi

Die Straßen von Kenias Hauptstadt Nairobi werden immer leerer. Die Schulen sind schon seit fast einer Woche geschlossen, jetzt trifft es auch die Restaurants und Bars. In den Matatus, den Kleinbussen für den öffentlichen Transport, in denen die Kenianer sonst dicht gedrängt zur Arbeit oder in die Stadt fahren, müssen jetzt weniger Passagiere sitzen.

In Kenia gibt es erst 25 positiv getestete Corona-Fälle, doch die Regierung greift schon hart durch. Viele Kenianer sind dennoch skeptisch, ob das alles ausreicht. "Ich mache mir große Sorgen", sagt ein Passant. "Das reicht doch noch nicht, um der Ausbreitung entgegen zu wirken. Die Menschen hier sind es einfach nicht gewohnt, dass sie sich voneinander fern halten müssen."

Doch genau das ist die Hoffnung. "Wir lernen aus den Entwicklungen in Spanien, in Italien, in China", sagt Professor Omu Anzala, Epidemiologe an der Universität Nairobi. "Unsere Hoffnung ist, dass wir so schon frühzeitig die Infektionskurve abflachen können. Jetzt müssen die Kenianer die Maßnahmen nur noch ernst nehmen." Ab Mittwochabend wird außerdem der internationale Flugverkehr für Passagiere eingestellt. Nur noch Waren sollen transportiert werden. 

Passanten kaufen Mundschutze an einem Straßenstand in Nairobi | Bildquelle: dpa
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Auch in Afrika eine begehrte - und knappe - Ware: Passanten kaufen Mundschutze an einem Straßenstand in Nairobi

Ein "extrem schneller Prozess"

Seit Mitte Februar breitet sich das Corona-Virus auf dem afrikanischen Kontinent aus. Die Regionaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Afrika, Matshidiso Moeti spricht von einem "extrem schnellen Prozess". In 43 der 54 afrikanischen Länder gibt es jetzt, etwa vier Wochen später, laut der WHO mehr als 1800 offiziell bestätigte Corona-Fälle, mehr als 40 Menschen sind auf dem Kontinent bisher an Covid-19 gestorben.

Afrika gilt als besonderes Risikogebiet für das Coronavirus
tagesthemen 22:30 Uhr, 24.03.2020, Thomas Denzel, ARD Johannisburg

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Frühzeitige Prävention, darauf setzen alle Länder und haben viele Vorgaben erlassen. Auch der Senegal und Südafrika schlossen die Schulen, Angola und Kamerun ihre Grenzen. Ruanda untersagt einen Monat lang alle kommerziellen Flüge. Südafrika will an den wichtigsten Grenzposten zu Simbabwe die Zäune erneuern, damit potentiell Infizierte nicht unentdeckt ins Land kommen können.

Viele junge Menschen - ein Schutzfaktor?

Die Bevölkerung Afrikas ist in großen Teilen sehr jung. Einige Experten sagen, dies könne ein möglicher Vorteil bei der Bekämpfung des Virus werden. "Ob es so kommt, das wissen wir absolut nicht", warnt Trudie Lang, Professorin für Globale Gesundheit an der Universität Oxford, vor dieser Hoffnung. "Die Übertragung ist das Kernproblem. Wir wissen noch nicht, wie die Übertragungen in Afrika genau ablaufen. Wir müssen all die Fragen jetzt stellen und die Regierungen müssen sich vorbereiten."

Besonders die Gesundheitssysteme vieler afrikanischer Länder könnten unter massiven Druck geraten. "Wenn man sich die Situation in Italien anschaut, dann haben die afrikanischen Systeme wesentlich weniger Ressourcen als dort. Die Gesundheitssysteme in Afrika sind sehr fragil."

Sollten erst viele Patienten mit schweren Verläufen in die Krankenhäuser kommen, seien die Systeme im Ganzen bedroht. "Die Gefahr ist auch, dass Patienten, die mit anderen Krankheiten kommen, sterben. Es gab viele Erfolge, zum Beispiel bei Malaria. Das alles kann um Jahre zurück geworfen werden."

Auch deshalb sei die Prävention in Afrika jetzt so wichtig. Damit sie funktioniere, müsse die Bevölkerung verlässlich informiert werden. "Im Sozialleben auf Distanz gehen", erklärt Lang, "den Maßnahmen folgen, das funktioniert nur, wenn es verlässliche öffentliche Gesundheits-Informationen gibt, denen die Menschen glauben und vertrauen."

Ein Mitarbeiter der lokalen NGO Shining Hope for Communities (SHOFCO) trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift "fighting corona virus" | Bildquelle: AFP
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Vertrauen ist der Anfang von Prävention: Ein Mitarbeiter einer lokalen NGO informiert in Nairobi über den Kampf gegen das Coronavirus.

Es mangelt an vielem

Noch im Februar konnten erst zwei afrikanische Länder südlich der Sahara Tests auf das Corona-Virus durchführen. Auf dem ganzen Kontinent gibt es mittlerweile Labore in mehr als 43 Staaten. Doch neben Schutzausrüstung, Gesichtsmasken und Beatmungsmaschinen, fehlt es schon an den Test-Sets. Ein Grund, warum einige Gesundheitsexperten befürchten, dass die Fall-Zahlen in Afrika viel höher liegen könnten.

Neben weiterer Schutzkleidung erhielt Kenia gerade erst 20.000 solcher Tests von der chinesischen Jack Ma Foundation. Im Land leben mehr als 50 Millionen Menschen. Wer schwerer an Covid-19 erkranken sollte, soll laut dem Epidemiologen Omu Anzala in Kenia nicht in die Intensivstationen gebracht werden, sondern in besondere Isolations-Einheiten. Für die Hauptstadt Nairobi gebe es beispielsweise mehr als 700 solcher Plätze. In Kenia mangele es aber noch an mobilen Beatmungsgeräten.

Eine Behandlung vieler schwere Verläufe würde Kenia im Moment überfordern, sagt Omu Anzala. "Wir können nur hoffen, dass die Maßnahmen gegen eine Verbreitung des Virus wirken. Damit wir nicht so viele Menschen gleichzeitig auf den Isolierstationen versorgen müssen. Wir würden niemals genug Beatmungsgeräte haben." Und das Land steht mit diesem Problem nicht allein da.

Eine Frau trägt eine Gesichtsmaske auf einer belebten Straße in der Innenstadt von Nairobi | Bildquelle: dpa
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Schutz und Abstand - auch das ist eine Herausforderung für Kenias Bevölkerung.

Die Ängste und Sorgen in den Slums

Auch andere Fragen stellen sich dringend: Wie lässt sich eine Übertragung in den Slums der großen Städte verhindern, in denen viele Menschen auf engstem Raum leben und keinen Zugang zu fließendem Wasser haben? Die kenianische Regierung stellt Waschbecken und Desinfektionsstellen auf, bildet mit einer Hilfsorganisation Gesundheitshelfer zur Aufklärung aus.

Im Armenviertel Kangemi in Nairobi haben die Menschen Angst vor dem Coronavirus, aber noch mehr fragen sie sich, wie sie jetzt überleben sollen. Ein staatliches Sozialsystem gibt es nicht. Evington Wawire arbeitete in einem Hotel. Wegen der Maßnahmen wurde er entlassen. "Was werden wir in den nächsten zwei bis drei Monaten essen", fragt er. "Von was leben wir? Wie sollen wir unsere Miete zahlen?" Auch Barassa Ochieng wohnt in Kangemi. "Die Regierung sagt, wir sollen uns die Hände waschen, sie desinfizieren", erzählt er. "Aber wir haben doch gar kein Geld, Desinfektionsmittel zu kaufen."

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 24. März 2020 um 22:30 Uhr.

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