Mehrere Personen halten während einer Demonstration ein Transparent mit der Aufschrift "Identitäre Bewegung" hoch. (Archivbild) | Bildquelle: picture alliance / Alex Halada /

Hausdurchsuchung bei Identitärem Spende von Christchurch-Attentäter

Stand: 27.03.2019 14:53 Uhr

Martin Sellner, Co-Chef der rechtsextremen Identitären Bewegung in Österreich, hat eine Spende vom Christchurch-Attentäter erhalten. Im Raum steht der Straftatbestand "Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung".

Martin Sellner, der Co-Chef der rechtsextremen Identitären Bewegung in Österreich, hat eine hohe Summe Geld als Spende vom Christchurch-Attentäter erhalten.

Das österreichische Innenministerium bestätigte eine Hausdurchsuchung bei Sellner. Diese hatte die Staatsanwaltschaft Graz veranlasst. Eine mögliche Verbindung zwischen Sellner und dem Christchurch-Attentäter werde geprüft, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Hansjörg Bacher. Hintergrund sei eine Spende des Attentäters an die österreichischen Identitären in Höhe von 1500 Euro, die bei Ermittlungen in einer anderen Angelegenheit aufgefallen war. Im Raum steht der Straftatbestand "Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung".

Martin Sellner, Co-Chef der rechtsextremen Identitären Bewegung in Österreich | Bildquelle: dpa
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Gegen Sellner wird auch wegen des Verdachts auf Finanzvergehen ermittelt. Dabei fiel die Spende des Attentäters auf.

Kurz und Strache fordern Aufklärung

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) forderten eine lückenlose Aufklärung. "Jede Verbindung zwischen dem Attentäter von Christchurch zu Mitgliedern der Identitären in Österreich muss restlos und schonungslos aufgeklärt werden", so Kurz.

Am späten Montagabend veröffentlichte Sellner ein 15-minütiges Video, in dem er von einer Hausdurchsuchung bei sich und seinen Eltern berichtet, bei der sämtliche Kommunikationsmittel wie Smartphones und Computer, aber auch EC-Karten von der österreichischen Polizei beschlagnahmt worden seien. Gegen ihn laufe ein Ermittlungsverfahren.

Spende aus dem Jahr 2018

In seinem Video gab Sellner an, dass die Polizei ihm mit der Razzia zuvorgekommen sei. Er habe erst einen Tag zuvor bemerkt, dass er bereits im Jahr 2018 eine "unverhältnismäßig hohe" Summe von einem Spender mit dem Nachnamen des Christchurch-Attentäters erhalten habe. Er habe sich wie stets per Mail beim Spender bedankt und sich anschließend mit seinem Anwalt beraten wollen, ob es sich tatsächlich um den Attentäter handeln könnte.

Bevor er die Spende habe melden können, habe schon die Hausdurchsuchung stattgefunden. Diese bezeichnete Sellner als "völlig überzogen, völlig ungerechtfertigt". Er wolle den erhaltenen Betrag einer karitativen Einrichtung zukommen lassen. Der Attentäter habe ihn in "die Sache hineinziehen" und Repressionen gegen die Identitäre Bewegung auslösen wollen, mutmaßte Sellner. Er wies jede Verbindung zu dem Attentat von Christchurch von sich.

Bei dem Anschlag auf zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch hatte ein rechtsextremer Australier am 15. März 50 Menschen erschossen.

Verbindungen nach Österreich?

Recherchen von "T-Online" hatten ergeben, dass der Attentäter im Winter 2018 durch Österreich gereist war. Ob er dabei auch Kontakte zur Identitären Bewegung hatte, ist nicht bekannt. Der Unterausschuss für Inneres im österreichischen Parlament wird sich daher mit den potenziellen Verbindungen des Attentäters nach Österreich befassen.

In seinem "Manifest" spricht der Täter unter anderem vom "großen Austausch", einer rechtsextremen Verschwörungstheorie, die davon ausgeht, dass die Bevölkerung eines Landes nach und nach durch Migranten ersetzt wird. Diese gehört auch zu den Leitideen der Identitären Bewegung.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 26. März 2019 um 13:08 Uhr.

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