Ein Stahlwerk im US-Bundesstaat Indiana. | Bildquelle: AFP

US-Handelspolitik "Schutz seniler Industriezweige"

Stand: 16.06.2018 06:57 Uhr

Trump hat höhere Zölle auf Importe aus China angekündigt. US-Wissenschaftler warnen, das sei "ökonomischer Unsinn". Doch der Präsident weiß genau, was er sich davon verspricht.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Die Ankündigung höherer Einfuhrzölle für Importe aus China, wird in den USA heftig kritisiert. US-Präsident Donald Trump könne das Handelsbilanzdefizit im Warenverkehr mit der Volksrepublik - es geht um 375 Milliarden US-Dollar - nicht durch neue Handelsschranken ausgleichen, warnt Philipp Levy von der Kellogg School of Management in Chicago. Das sei ökonomischer Unsinn.

"Er hat außerdem gesagt, dass ihm der Diebstahl von intellektuellem Eigentum durch China Sorgen bereitet", sagt Levy. Das sei zwar eine berechtigte Sorge. "Aber diese Maßnahmen werden auch das Problem kaum beheben."

Experte: US-Bruttoinlandsprodukt übersteht Handelskrieg

Washington will über 1000 chinesische Produkte aus den Bereichen Kommunikationstechnik, Flugzeugbau und Autoindustrie mit 25 Prozent Einfuhrzoll belegen. Die Importe haben einen Gesamtwert von 50 Milliarden US-Dollar.

Die chinesische Regierung wird als Reaktion voraussichtlich Einfuhren aus den USA höher verzollen. Ab Anfang Juli sollen Agrargüter, Autos und Meeresfrüchte mit Zöllen im Wert von 34 Milliarden US-Dollar belegt werden, teilte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua mit.

Allein betrachtet sei das noch nicht beunruhigend, erklärt Professor Joseph Foundry von der Stern School of Business in New York. Das US-Bruttoinlandsprodukt überstehe einen Handelskrieg mit China, sagt er: "Das macht vielleicht einen halben Prozentpunkt Unterschied und derzeit läuft die Wirtschaft auf Hochtouren."

Doch er schränkt ein: "In einer Situation, in der wir einen Handelsstreit mit Kanada, mit Europa und China riskieren, kann es dann doch der Wirtschaft schaden."

"Am Ende verlieren die Konsumenten und nur wenige profitieren"

Beim G7-Gipfel am vergangenen Wochenende hatte US-Präsident Trump zusätzliche Zölle für Stahl und Aluminiumimporte aus Kanada, Europa und Japan verteidigt. Die Europäische Union hat angekündigt, Einfuhren aus den USA ab 1. Juli höher zu verzollen. Die kanadische Regierung bereitet ihre Reaktion vor, sollten auch höherer US-Zölle auf die Einfuhr von Autos und Autoteilen kommen.

Und genau darin sehen Ökonomen wie Diane Swonk die Gefahr: in einem Schlagabtausch von immer neuen Handelsschranken.

"Wir riskieren, dass der Handelskrieg außer Kontrolle gerät. Am Ende verlieren die Konsumenten und nur wenige profitieren."

Länder mit niedrigeren Arbeitskosten sind im Vorteil

Dabei können Handelsschranken zeitlich befristet durchaus Sinn haben. Etwa, wenn ein Land zum Beispiel neue, aufstrebende Industriezweige gegen bereits bestehende Konkurrenz schützen will, erklärt der Politikwissenschaftler Jeffrey Frieden von der Havard Universität. Trumps Handelspolitik konzentriert sich aber nicht auf Zukunftstechnologie.

"Die USA betreiben einen Schutz seniler Industriezweige statt neuer Industriezweige. Einfacher Stahl ist aber sehr arbeitsintensiv. Länder mit deutlich niedrigeren Arbeitskosten als die Vereinigten Staaten sind im Vorteil", sagt Frieden.

Für die USA werde es schwer, einen Handelskrieg um ihre alternde Industrie zu gewinnen. Aber gleichzeitig ist das genau der Bereich, in dem US-Präsident Trump seine Wähler vermutet. Er wird von seinem Kurs deshalb kaum abrücken.

US-Reaktionen auf drohenden US-Handelskrieg mit China
Torsten Teichmann, ARd Washington
16.06.2018 06:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. Juni 2018 um 08:20 Uhr.

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