Xi Jinping in Pakistan

Chinas Staatspräsident in Pakistan Herr Xi bringt 42 Milliarden Dollar mit

Stand: 20.04.2015 16:54 Uhr

42 Milliarden Dollar will China in Pakistan investieren. Kein Wunder, dass Präsident Xi hoch willkommen ist. Doch auch für China ist der Nutzen groß: Mit dem Geld soll ein riesiger Wirtschaftskorridor entstehen, mit dem das Land Zugang zum Arabischen Meer erhält.

Von Jürgen Webermann, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi

Ein Zeitungskiosk in Islamabad, der Hauptstadt Pakistans. Mehrere Männer stehen vor dem Stand, sie trinken ein Glas Tee und lesen die Ausgaben der lokalen Zeitungen. Ein Blatt titelt: "Der Besuch des chinesischen Präsidenten wird eine wirtschaftliche Revolution in Pakistan auslösen."

Freund China, Feind USA

Mohammad Bashir ist einer der Männer am Kiosk. Er macht sich Gedanken über die große Aufmachung: "Die pakistanisch-chinesische Freundschaft ist sehr gut. Unsere Politiker sollten diese Freundschaft fördern, statt vor Amerika zu buckeln. Amerika ist nicht unser Freund - China dagegen schon." So denken viele Pakistaner, Amerika hat einen schlechten Ruf und Verschwörungstheorien, wonach die USA und ihre Geheimdiensten für alles Schlechte im Land verantwortlich sind, sprießen jeden Tag aus dem Boden.

Chinas Präsident Xi Jinping
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Chinas Präsident Xi Jinping wird in Pakistan als Freund empfangen.

Da kommt der Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jingping gerade Recht. Schon am Flughafen übertreffen sich die Gastgeber: Schulkinder singen chinesische Lieder, Trachtengruppen tanzen gleich an mehreren Ecken, die pakistanische Luftwaffe fliegt in Formation über Islamabad, und an den Hauptverkehrsstraßen prangen riesige Plakate, die Xi und den pakistanischen Premierminister Nawaz Sharif zeigen.

Der Besuch, der erste eines chinesischen Staatschefs seit neun Jahren in Pakistan, soll ein historischer werden. China will 46 Milliarden Dollar in Pakistan investieren, das ist weit mehr als die USA seit 2001 nach Pakistan überwiesen haben. Die Regierung in Peking will einen Wirtschaftskorridor bauen, 3000 Kilometer lang, mit Autobahnen, Eisenbahnlinien, Kraftwerken, Industrieparks und einen Hafen am Arabischen Meer - nicht weit entfernt von Pakistans Grenze zum Iran.

Chinas Westen soll profitieren

Das Meiste davon soll in vier Jahren angeschoben oder umgesetzt sein. "Dieser Korridor ist vor allem für das westliche China wichtig, für die Xinjiang-Region, so dass das ganze Land sich entwickeln kann", sagt der frühere chinesische Botschafter in Pakistan, Zhou Gang. Der Hafen von Gwadar in der pakistanischen Provinz Balutschistan soll der Ausgangspunkt sein. China hat die Kontrolle dort vor zwei Jahren übernommen. Seitdem liegt der Hafen aber weitgehend brach.

Vor allem Erdöl vom Persischen Golf soll von hier aus nach China transportiert werden. Die bisherige Route führt mit dem Schiff an die chinesische Küste, ein Umweg von mehreren tausend Kilometern.

Karte: China und Pakistan
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Es soll ein Wirtschaftskorridor geschaffen werden, der eine Verbindung zwischen dem Hafen Gwadar in Pakistan und der chinesischen Provinz Xinjiang ermöglicht.

Pakistan wiederum hat massive Investitionen bitter nötig. Das Straßen- und das Stromnetz sind hoffnungslos überlastet. Die Wirtschaft des Landes liegt weitgehend brach. Weite Teile Pakistans sind nicht unter der Kontrolle der Regierung, auch in Balutschistan, wo der Hafen von Gwadar liegt, sind Aufständische aktiv. Pakistans Regierung hofft, das Land durch zügige Entwicklungsprojekte zusammenhalten zu können.

Chinas Präsident Xi wird in Islamabad nicht nur Premier Sharif treffen, sondern vor dem Parlament eine Rede halten und den höchsten zivilen Orden des Landes erhalten. Jamil Malik, der Betreiber des Zeitungskiosks in Islamabad, bringt die Absichten des Staatsbesuches, aber auch die Probleme, die Pakistan lösen muss, um Investoren zu locken, auf den Punkt: "Wir heißen den chinesischen Präsidenten willkommen. Aber unsere Regierung sollte zusehen, dass er hier auch sicher ist."

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