Werbung für den Film "Mulan" in Peking | Bildquelle: AFP

Disney-Film in China "Mulan" - ein Flop auf ganzer Linie

Stand: 15.09.2020 10:23 Uhr

Alles schien perfekt: Geschichte, Drehort, Besetzung. Doch dann kamen Corona und umstrittene Äußerungen der Hauptdarstellerin. Mit dem Film "Mulan" erlebt Disney ein maximales Debakel in China.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Eigentlich hätte mit Disneys neuem Actionfilm "Mulan" nichts schiefgehen dürfen in China. Er basiert auf einem alten chinesischen Märchen, er spielt in China, er wurde in der Volksrepublik gedreht und die tapfere Titelheldin Hua Mulan wird von Liu Yifei verkörpert, einer der bekanntesten Schauspielerinnen Chinas.

Noch nie gab es einen Hollywood-Film, der so offensichtlich ausgerichtet ist auf den chinesischen Markt wie Mulan, sagen Filmexperten. Trotzdem erwies sich China für "Mulan" und für Disney im Nachhinein als eine Art Fluch.

Szene aus dem Film "Mulan" | Bildquelle: AP
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Der Film basiert auf einem alten chinesischen Märchen.

Hauptdarstellerin sorgt für Boykottaufrufe

Problem eins: Wegen der von China ausgehenden Covid-19-Pandemie wurden Anfang des Jahres weltweit Kinos geschlossen. Die Veröffentlichung der 200-Millionen-US-Dollar-Produktion musste mehrmals verschoben werden. In vielen Ländern konnte "Mulan" zunächst einmal nur als Online-Streaming starten, so auch in Deutschland Anfang des Monats.

Problem zwei: die Hauptdarstellerin. Die gebürtige Chinesin Liu Yifei sorgte zum Höhepunkt der Demokratie-Proteste in Hongkong vergangenes Jahr für Aufsehen. Sie unterstütze die Polizei in der chinesischen Sonderverwaltunsgregion, erklärte Liu online - was auch bedeutete, dass sie die Hongkonger Demokratie-Bewegung nicht unterstützte. In Hongkong und darüber hinaus brach ein Proteststurm los gegen Liu Yifei, erste Boykottaufrufe waren die Folge.

Im Land der Konzentrationslager gedreht

Problem drei: die Drehorte des Films in China, genauer gesagt: die Drehorte im nordwestlichen Landesteil Xinjiang. "Klatscht in die Hände, wenn ihr 'Mulan' boykottiert", singt eine Aktivistin einer US-Menschenrechtsgruppe in einem Twitter-Video. Denn Disney kümmere sich nicht um die vielen unschuldigen Uiguren, die in Xinjiang in Konzentrationslagern sitzen.

Videos wie diese werden seit Wochen zigtausendfach geteilt, bei Twitter, Facebook und TikTok. Der Disney-Konzern bedankt sich im Abspann von "Mulan" ausdrücklich bei den chinesischen Behörden in Xinjiang für die Zusammenarbeit - bei denselben Behörden also, die mit dafür verantwortlich sind, dass in der Region Xinjiang nach Angaben der UN rund eine Million Menschen in Internierungslagern sitzen - ohne Anklage, ohne Urteil und nach Medienberichten häufig auch in Verbindung mit Zwangsarbeit.

Chinas Regierungssprecher verteidigt Disney

"Im Abspann des Films bedankt sich Disney bei der Regierung Xinjiangs für die Annehmlichkeiten beim Dreh, das ist doch eine ganz normale Sache," versuchte Chinas Regierungssprecher Zhao Lijian das Thema vergangene Woche herunterzuspielen. Zur Hauptdarstellerin sagte er:

"Und was Schauspielerin Liu Yifei angeht: Sie hat sich in der Vergangenheit positiv zur Polizei in Hongkong geäußert. Ich finde, sie ist eine Art moderne Version der Titelheldin Hua Mulan. Ich möchte sie loben: Liu Yifei ist eine echte Tochter Chinas."

Dass der chinesische Regierungssprecher mit dieser Stellungnahme die Kernvorwürfe gegen "Mulan" und Disney noch mal bestätigte, sorgte international für zusätzlichen Ärger. Inzwischen hat Chinas Staats- und Parteiführung die Medien des Landes angewiesen, nur noch sehr zurückhaltend über "Mulan" zu berichten, offensichtlich um nicht für noch mehr Aufmerksamkeit für den Film zu sorgen.

Image- und Finanzdesaster

"Es scheint, dass die chinesische Führung nun mehr oder weniger alles vermeiden will, was mit 'Mulan' zu tun hat," sagte der Hongkonger Filmkritiker Philip Ho der Nachrichtenagentur Reuters.

"Chinas Führung will vermeiden, dass das negative Image auf sie abfärbt."

Auch finanziell entwickelt sich der Film bisher deutlich schlechter als erwartet: In China, wo "Mulan" eigentlich alle Rekorde brechen sollte, erzielte der Film am Startwochenende nur rund 23 Millionen US-Dollar. Eine "glanzlose" Vorstellung, so das Urteil der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg.

Disney erlebt mit Mulan-Film in China ein maximales Debakel
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
15.09.2020 09:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 08. September 2020 um 14:05 Uhr.

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