Menschen mit Gesichtsmasken auf der Straße in der chinesischen Hauptstadt Peking | Bildquelle: AFP

Gesichtsmasken in China "Unbequem, aber keine große Sache"

Stand: 27.04.2020 07:36 Uhr

Seit mehr als zwei Monaten verlassen die meisten Menschen in China das Haus nur
noch mit Gesichtsmaske - auch wenn es keine landesweite Pflicht zum Tragen gibt.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai, zzt. Guangzhou

Was eine offizielle Maskenpflicht angeht, ist China wohl so etwas wie die Mutter aller Flickenteppiche. Als die Staatsführung Ende Januar von Vertuschen und Kleinreden der Virus-Krise umschwenkte zu Information und Aufklärung, rieten die Behörden zwar zum Tragen von Masken - eine offizielle landesweite Pflicht gab es jedoch nie.

Es waren einzelne Provinzen, die dann eine echte Maskenpflicht einführten, zum Beispiel die besonders stark vom Virus betroffenen Provinz Guangdong im Süden des Landes. Inzwischen wurden zwar auch dort die Regeln gelockert, aber die Menschen in Guangdong nehmen die eindringlichen Aufforderungen zum Maskentragen immer noch sehr ernst.

"Man gewöhnt sich dran"

"Klar, ich komme schneller außer Atem, wenn ich eine Maske trage," sagt etwa ein 55-Jähriger, der in einem Park der Hauptstadt Guangzhou Frühsport macht. "Aber man gewöhnt sich dran. Seit dem Ausbruch der Pandemie trage ich sie jeden Tag, und zwar freiwillig und so lange, bis die Virus-Krise vorbei ist."

"Wenn man jemanden draußen ohne Maske sieht, dann schaut man ihn oder sie schon ein bisschen komisch an," sagt eine junge Angestellte aus Guangzhou. Dass man wegen der Masken in der Öffentlichkeit die Gesichter der Menschen nicht mehr ganz sehen könne, sei ihr dabei egal. "So brauche ich zumindest nicht mehr so viel Make-Up. Und über bloßen Augenkontakt kann man ja auch kommunizieren."

Maske in der Öffentlichkeit ist auch für einen 45-jährige Geschäftsmann neue Normalität. "Entspannt abziehen kann ich sie eigentlich nur im Kreis der Familie", sagt er.

Disziplin - auch ohne Exit-Datum

Zwar sind die Coronavirus-Zahlen in China in den vergangenen Wochen deutlich gesunken. Trotzdem rechnen die Menschen im Ursprungsland der Pandemie nicht damit, dass das Tragen von Masken bald aufhört. Eine öffentliche Debatte über eine Masken-Exit-Strategie findet quasi nicht statt.

"Noch ein paar Monate oder ein halbes Jahr, das ist alles okay für mich," sagt der 55-jährige Sportler. "Sogar noch länger wäre es in Ordnung, falls das Problem noch andauert. Ich bin da diszipliniert. Ja, das ist unbequem aber letztlich keine große Sache."

Masken-Tragen in China ohne Exit-Strategie: Unbequem, aber man gewöhnt sich
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
27.04.2020 07:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 27. April 2020 um 06:37 Uhr.

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