Die Polizei räumt mit Wasserwerfern den Plaza Italia in Santiago de Chile. | Bildquelle: dpa

Unruhen in Chile Ausschreitungen bei Massenprotesten

Stand: 05.11.2019 09:22 Uhr

In Santiago und anderen chilenischen Städten sind erneut Zehntausende gegen die Politik von Präsident Piñera auf die Straßen gegangen. Wieder kam es dabei zu schweren Ausschreitungen.

In Chile hat es erneut Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Polizisten gegeben. Zehntausende Menschen versammelten sich im Zentrum der Hauptstadt Santiago de Chile und verlangten den Rücktritt von Präsident Sebastián Piñera. Dabei kam es wieder zu gewaltsamen Zusammenstößen.

Die Polizei setzte Tränengas, Gummigeschosse und Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein. Vermummte warfen Molotow-Cocktails, ein Polizist wurde dabei im Gesicht getroffen. Erstmals errichteten Protestteilnehmer auch Straßenbarrikaden. Berichten zufolge gab es in den Städten Viña del Mar, Valparaíso und Concepción Plünderungen und Vandalismus.  

Proteste dauern seit drei Wochen an

Die regierungskritischen Proteste in Chile gehen in die dritte Woche. Ursprünglich hatten sich die Proteste an einer Erhöhung der Fahrpreise für die Metro in Santiago entzündet, die aber inzwischen zurückgenommen wurde. Der Unmut der Bevölkerung über ständig steigende Lebenshaltungskosten schwelt aber schon lange.

Die Demonstranten fordern insbesondere eine Renten- und Verfassungsreform sowie tiefgreifende Reformen des ultraliberalen Wirtschaftssystems in Chile. Einige verlangen auch den Rücktritt von Präsident Piñera, der die Mitte Oktober ausgebrochenen sozialen Unruhen auch mit einer Reihe sozialer Maßnahmen und einer Kabinettsumbildung nicht beenden konnte.

UN-Klimagipfel wegen instabiler Lage verschoben

Nach offiziellen Angaben starben bei den Protesten bereits mindestens 20 Menschen, davon fünf nach einem Einschreiten der Sicherheitskräfte. Außerdem wurden nach Angaben des unabhängigen Nationalen Instituts für Menschenrechte seit Ausbruch der Proteste mindestens 1659 Menschen verletzt und 4364 festgenommen.

Wegen der instabilen Lage in dem südamerikanischen Land wurde die im Dezember geplante UN-Klimakonferenz von Santiago nach Madrid verlegt. Auch das für den 16. und 17. November geplante Gipfeltreffen des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (APEC) kann nicht wie geplant in der chilenischen Hauptstadt stattfinden.

Erdbeben erschüttert Norden des Landes

Inmitten der Demonstrationen ereignete sich im Norden Chiles ein schweres Erdbeben der Stärke 6,0. Die Erschütterungen waren bis in die Hauptstadt hinein zu spüren. Über Verletzte und Schäden wurde bislang nichts bekannt.

Chile - Wieder schwere Unruhen nach Demonstrationen
Ivo Maruscyk, ARD Buenos Aires
05.11.2019 10:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. November 2019 um 09:00 Uhr.

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