Ein Foto der russischen Ermittlungsbehörden zeigt die Festnahme von Chabarowsks Gouverneur Sergej Furgal. | Bildquelle: INVESTIGATIVE COMMITTEE HANDOUT

Russland Gouverneur wegen Mordaufträgen festgenommen

Stand: 09.07.2020 22:31 Uhr

Eine russische Spezialeinheit hat den Gouverneur der Region Chabarowsk festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, mehrere Morde in Auftrag gegeben zu haben. Die Taten liegen demnach etwa 15 Jahre zurück.

Bei einem Einsatz russischer Sicherheitskräfte ist ein Gouverneur im äußersten Osten des Landes unter dem Vorwurf mehrerer Mordaufträge festgenommen worden. Die Ermittlungsbehörden werfen dem Gouverneur der Region Chabarowsk, Sergej Furgal, vor, er habe zwei Geschäftsleute töten lassen. In einem weiteren Fall sei es bei einem versuchten Mord geblieben.

Das Staatliche Ermittlungskomitee veröffentlichte am Morgen ein Video, das zeigt, wie der 50-Jährige in Handschellen von einer Spezialeinheit abgeführt wird. Er wurde zur Vernehmung nach Moskau geflogen. Zuvor schon seien in diesem Zusammenhang vier Mitglieder einer kriminellen Bande festgenommen worden, teilten die Ermittler weiter mit. Diese sollen ihn belastet haben.

Kreml: Mögliche Amtsenthebung noch nicht entschieden

Furgal soll die Taten demnach vor mehr etwa 16 Jahren in Auftrag gegeben haben, als er Generaldirektor der Firma "Mif-Chabarowsk" in der Stahlindustrie war.

Gegen den ehemaligen Geschäftsmann, der für die nationalistische Partei LDPR in die Politik ging und seit 2018 Gouverneur der Region Chabarowsk war, soll nun Anklage erhoben werden.

Im Falle einer Verurteilung droht ihm russischen Medienberichten zufolge eine lebenslange Haftstrafe. Die Ermittler wollten auch eine Beteiligung an anderen Mordfällen prüfen.

Ob Furgal nun seines Amtes entlassen wird, sei noch nicht entschieden, sagte Kremlsprecher Dmitrij Peskow der Agentur Interfax zufolge. Russlands Präsident Wladimir Putin kann ihn etwa wegen des Verlusts des Vertrauens ersetzen.

LDPR-Chef kritisiert Festnahme von Parteimitglied Furgal

LDPR-Parteichef Wladimir Schirinowskij, der für seine populistischen Äußerungen bekannt ist, drohte mit einem Rückzug seiner Fraktion aus der Staatsduma - wo sie mit 39 von 450 Sitzen als Oppositionspartei allerdings ein Leichtgewicht ist. "Soll die Welt ruhig erfahren, was hierzulande für eine Schlamperei herrscht", sagte er. "Ihr sitzt in Euren Amtsstuben und fangt an, wie unter Stalin zu agieren", wetterte er mit Blick auf den ehemaligen sowjetischen Diktator.

Schirinowskij kritisierte die Festnahme und zweifelte die Umstände an: "Wenn es tatsächlich in den Jahren 2004 und 2005 irgendwelche Verbrechen und Morde gegeben hat und Sergej Furgal darin verwickelt war - wozu haben Sie dann 15 Jahre gewartet?", sagte er.

Russischen Medienberichten vermuteten einen Zusammenhang der Festnahme mit der zurückliegenden Volksabstimmung über eine Verfassungsreform, bei der Furgal dem Kreml nicht die gewünschten Ergebnisse geliefert habe. Das neue Grundgesetz, das Putin auch mehr Machtbefugnisse gibt, war nach offiziellen Angaben mit großer Zustimmung angenommen worden. In der Region Chabarowsk hatten demnach mit knapp 63 Prozent weniger Menschen als der landesweite Durchschnitt ihre Zustimmung zu den bereits beschlossenen Neuregelungen erklärt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. Juli 2020 um 16:14 Uhr.

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