Kinder halten Buchstaben, die das Wort Caucas darstellen, in die Kamera | Bildquelle: AP

Wahlkampf in Iowa Caucus - was ist das?

Stand: 03.02.2020 13:10 Uhr

Der Bundesstaat Iowa ist alles andere als repräsentativ für die USA. Dennoch schaut das ganze Land auf die Vorwahlen. Die Parteitreffen - die sogenannten Caucuses - sind kompliziert und haben eine lange Tradition.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington, zzt. Des Moines, Iowa

Die Winter in Iowa sind lang und kalt. Man langweile sich schnell, sagt Amber Gustafson. "Und deshalb haben sich die Demokraten in diesem ländlichen Bundesstaat mit nur drei Millionen Einwohnern ein besonderes Gesellschaftsspiel ausgedacht: den Caucus", so die engagierte Demokratin aus einem nördlichen Vorort von Iowas Hauptstadt Des Moines.

Gustafsons Erklärung ist nicht ganz ernst gemeint, doch tatsächlich gibt der Caucus, für den es in der deutschen Sprache gar kein Wort gibt, auch Teilnehmern mit jahrzehntelanger Übung Rätsel auf. Das Ritual beginnt immer früh im Jahr an einem Montagabend: Die Wähler einer Nachbarschaft versammeln sich in Turnhallen, Kirchen oder anderen Sälen.

Sie werden registriert, es gibt Einweisungen und Reden. Dann, erklärt Karin Derry, demokratische Abgeordnete im Landesparlament von Iowa, passiert folgendes: "Man stellt sich für seinen Kandidaten in einer Gruppe auf. Und wenn der Kandidat nicht 15 Prozent der Leute in diesem bestimmten Caucus bekommt, dann kann man sich zu einem anderen Kandidaten stellen."

Bestechungen mit Keksen und Reiswaffeln

Klingt einfach, ist aber nicht ohne. Denn um Anhänger ins eigene Lager zu ziehen, werde verhandelt und bestochen, sagt Gordon Fischer. "Mit Keksen. Mit Reiswaffeln. Aber es wird auch um Inhalte gestritten."

Der Jurist Fischer war lange Chef der demokratischen Partei in Iowa. Er kennt die Geschichte der Vorwahlen in dem Bundesstaat im Mittleren Westen. Der Caucus ist nur der erste Schritt in einem komplizierten Verfahren, bis am Ende die gerade mal 41 Landesdelegierten für den Nominierungsparteitag der Demokraten feststehen. 

Es begann mit Jimmy Carter

Das kostet Zeit - und deshalb beschlossen die Demokraten von Iowa, möglichst früh im Wahljahr loszulegen. Das war in den 1970er-Jahren. Und ein bis dahin weitgehend unbekannter Erdnussfarmer und Gouverneur aus Georgia witterte seine Chance.

"Jimmy Carter fing an, in Iowa herumzufahren. Er übernachtete buchstäblich bei seinen Anhängern, weil seine Wahlkampagne kaum Geld hatte", erzählt Fischer. "Er hatte entschieden, den Iowa-Caucus als Sprungbrett für die nationale Bühne zu nutzen. Und es funktionierte. Seit 1976 und Jimmy Carter sind die Vorwahlen hier hart umkämpft und immer wichtiger geworden."

Seitdem gilt: Wer beim Caucus nicht wenigstens unter die ersten drei kommt, wird später auch nicht nominiert. Besonders bei Wahlen mit vielen Bewerbern wie diesmal könnte ein schlechtes Ergebnis in Iowa das Ende der Kampagne sein.

Caucus-Teilnehmer in Iowa | Bildquelle: AFP
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Anhänger des Kandidaten Pete Buttigieg warten in der Stadt Coralville auf Einlass. Seit Monaten machen die Bewerber auch in den ablegendsten Kleinstädten Station.

Kampagnen auch in den abgelegensten Orten

Seit Monaten machen die Bewerber - von Senator Bernie Sanders bis Ex-Bürgermeister Pete Buttigieg - deshalb auch in den ablegendsten Kleinstädten Station, treffen Wähler in Cafés, Turnhallen oder Kirchen, immer begleitet von einem Tross von Reportern. "Die Menschen in Iowa nehmen ihre Verantwortung sehr ernst", sagt die Abgeordnete Derry. "Sie wollen schließlich die richtige Wahl treffen".

Doch es gibt Kritik an Iowas Pole-Position im Wahlkampf, weil in dem ländlichen Bundesstaat zu 90 Prozent weiße Christen leben und er deshalb nicht repräsentativ ist; weil das Verfahren Überredungskünstler bevorzugt - und letztlich nur sehr wenige Menschen dran teilnehmen.

2016 waren es nur etwa 170.000 Wähler, ein Viertel der Bevölkerung eines durchschnittlichen Wahlkreises in den USA. Doch bis auf weiteres bleibt es bei dem System. Und die meisten Menschen in Iowa sind stolz auf ihren Platz, alle vier Jahre im politischen Rampenlicht. "Niemand sonst in den USA hat so viel Einfluss im Wahljahr wie die Menschen in Iowa", sagt der Farmer Linus Solberg aus Cylinder im Nordwesten des Bundesstaates. "Sie machen Geschichte".

Warum Iowa? Und was ist eigentlich ein Caucus?
Julia Kastein ARD Washington
03.02.2020 11:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. Februar 2020 um 07:08 Uhr.

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