Strandbesucher | Bildquelle: Christian Limpert ARD

Corona-Krise in Bulgarien Party-Pause am Goldstrand

Stand: 16.08.2020 08:32 Uhr

Bulgariens Goldstrand ist auch zu Corona-Zeiten gut gefüllt - doch vor allem mit Einheimischen statt wie sonst mit Deutschen. Die kommen wegen der Reisewarnung nur noch vereinzelt.

Von Christian Limpert , BR

Hotelmanagerin Margarita Hristova kontrolliert die große Buffettheke im Sofia Hotel, einem 4-Sterne Ressort direkt am bulgarischen Goldstrand nahe der Stadt Varna. Feinsäuberlich sind die Fisch- und Fleischplatten aufgereiht, das Personal steht mit Hygienehandschuhen und Masken bereit, jedes einzelne Besteck ist desinfiziert und abgepackt.

Gäste an der Buffettheke im Sofia Hotel | Bildquelle: Christian Limpert ARD
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An der Buffettheke im Sofia Hotel gelten strenge Hygienetregeln.

"Wir erfüllen alle Sicherheitsauflagen zu 100 Prozent", sagt die blonde Hotelmanagerin. Keiner ihrer Gäste habe sich hier bislang mit Corona infiziert. Dennoch hagelt es seit Tagen Absagen und Stornierungen, vor allem deutsche Touristen bleiben fern, seitdem die Bundesregierung für die bulgarische Goldstrand-Region eine Reisewarnung ausgesprochen hat. "Wir dachten, dass der August den späten Saisonstart kompensiert", sagt die Hotelmanagerin, "aber mit der Reisewarnung Deutschlands und den fehlenden deutschen Touristen sind unsere schlimmsten Befürchtungen wahr geworden."

"Sonst zu 80 Prozent voll mit Deutschen"

Das Problem: Auch für wenig Gäste benötigt Hristova viel Personal. Zum Beispiel, um sie am Buffet zu bedienen oder um die Liegen am Hotelpool desinfizieren, sobald sie einer der Gäste benutzt hat. Dank Urlaubern aus Bulgarien und Rumänien sei das Hotel gut ausgelastet, erklärt die Chefin. "Eigentlich ist es sonst zu 80 Prozent voll mit Deutschen."

Ein Bademeister desinfiziert Sonnenliegen | Bildquelle: Christian Limpert ARD
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Auch für wenig Gäste ist viel Personal nötig - wie hier zum Desinfizieren der Sonnenliegen.

Über die Reisewarnung ist sie, wie alle Hoteliers, Bar- oder Restaurantbesitzer, verärgert. Die Zahl an Neuinfektionen in der Region rund um Varna sei nur deshalb so hoch, weil es hier zwei große Altersheime mit vielen erkrankten Menschen gebe. "Das hat aber nichts zu tun mit der allgemeinen Lage in den Touristengebieten hier am Goldstrand," sagt Hristova. "Aber wir sind jetzt die Opfer."

Auch Ulrich Heppe hält die Reisewarnung für falsch. Der Deutsche ist Geschäftsführer zweier wichtiger Touristenflughäfen in der Region. Die Reisewarnung vermittle einen völlig falschen Eindruck, sagt er. "Reisen an die bulgarische Küste ist nach wie vor sicher." Die Zahl der Fluggäste, die an seinen Flughäfen landen, sei von fünf Millionen im Jahr 2019 auf eine Million in diesem Jahr eingebrochen. Seit der Reisewarnung wären viele geplante Flüge nach Bulgarien gecancelt worden.

Am berühmten Goldstrand an der bulgarischen Schwarzmeerküste mag man das kaum glauben, noch immer ist der Strand gut gefüllt, Liegen und Sonnenschirme belegt. Doch im Vergleich zu den vergangenen Jahren sei der Strand so gut wie leer, sagen die Einheimischen. Auch hier sonnen sich derzeit vor allem Urlauber aus Bulgarien oder Rumänien. Deutsche sind kaum noch hier.

Je später der Abend, desto geringer der Abstand

Wer trotz Reisewarnung gekommen ist, will sich seinen Urlaub jetzt nicht vermiesen lassen. "Ich desinfiziere mich von innen", ruft ein Jugendlicher aus Baden-Württemberg, der sich mit Freunden zum Biertrinken unter einen Sonnenschirm zurückgezogen hat. "Wir passen ja auf", schiebt er hinterher. "Wir nehmen die Reisewarnung ernst", sagt eine junge Frau aus Deutschland, die mit ihrem Freund im Sand liegt. "Aber man kann nicht bei jedem kleinen Dings sagen, wir fahren nicht mehr. Ich meine, es ist überall Corona und überall müsste dann die Reisewarnung sein."

Am Abend auf der Flanier- und Partymeile am Goldstrand: Wer hier unterwegs ist, für den gilt Abstand halten und Masken tragen. Doch je später der Abend und je höher der Alkoholpegel, desto weniger Menschen achten darauf. Nur wer in einem der Nachtclubs tanzen möchte, muss Hände desinfizieren und einen Fieberschnelltest absolvieren. Die meisten Tanzflächen stehen seit der Reisewarnung leer, nur vor ein paar wenigen Clubs wird es wirklich eng. Von den Barbesitzern will sich keiner offiziell äußern, zu groß der Ärger über die deutsche Reisewarnung.

Im Hotel Sofia überprüft Margarita Hristova die Gästeliste. Ein einziger deutscher Gast ist noch da. Alle anderen haben abgesagt oder sind abgereist. Und neue werden dieses Jahr nicht mehr kommen. Wie alle Hotels am Goldstrand wird Hristova diese Saison früher beenden als geplant und darauf hoffen, dass es nächstes Jahr keine Reisewarnung mehr gibt.

Über dieses Thema berichtete das Erste am 16. August 2020 um 19:20 Uhr im "Weltspiegel".

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