Ein Brexit-Gegner läuft in London auf einer Demonstration mit. Er trägt eine blaue Maske mit den Sternen der EU. | Bildquelle: dpa

Brexit-Angst Lieber Ire als draußen

Stand: 31.12.2018 17:29 Uhr

Vor dem Brexit noch schnell Ire werden? Immer mehr Briten wollen genau das. Sie befürchten, dass sie das Recht verlieren, in den EU-Ländern zu leben und zu arbeiten. Aus einer Ecke des Königreichs kommen besonders viele Anträge.

Kurz vor dem Austritt ihres Landes aus der EU beantragen immer mehr Briten die Staatsbürgerschaft des Nachbarlands Irland. Mit mehr als 190.000 Anträgen auf einen irischen Pass habe die Zahl 2018 einen neuen Höchststand erreicht, teilte das Außenministerium in Dublin mit.

Aus der britischen Provinz Nordirland seien rund 84.850 solcher Anfragen eingegangen, etwas mehr als im Jahr zuvor. Damit ist der Run aus Nordirland besonders groß - von den rund 66 Millionen Einwohnern Großbritannien leben gerade einmal 1,8 Millionen in Nordirland. Aus dem Rest Großbritanniens kamen 98.500 Anträge - ein deutliches Plus von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Außenminister Simon Coveney zeigte sich erfreut über die wachsende Beliebtheit. "Der irische Pass ist ein wertvolles Dokument", erklärte er. 

Zum Vergleich: 2015 - dem Jahr vor dem Brexit-Votum - gab es lediglich insgesamt 46.229 Anträge.

Briten befürchten Nachteile durch Brexit

Jeder, der in Irland oder Nordirland geboren wurde oder dessen Eltern oder Großeltern aus Irland stammen, kann einen irischen Pass beantragen - das trifft auf etwa sechs Millionen Briten zu. Viele Briten befürchten, dass sie nach dem Brexit das uneingeschränkte Recht verlieren, in den Ländern der EU zu leben und zu arbeiten. Ein Pass des EU-Mitglieds Irland kann dies verhindern.

Auch in Deutschland stieg die Zahl der eingebürgerten Briten zuletzt kräftig an: 2017 beantragten mit 7493 Briten so viele wie nie zuvor einen deutschen Pass.

Viele Briten fürchten Nachteile, wenn sich Großbritannien Ende März 2019 von der Europäischen Union trennt. Zumal es bislang nicht danach aussieht, als ob es auf einen geregelten Brexit hinausläuft. Nicht nur Pessimisten fürchten einen harten Ausstieg ohne Abkommen. Nächste Wegmarke ist der 16. Januar: Dann stimmt das britische Parlament über das Regelwerk ab. Eine Mehrheit ist bislang nicht in Sicht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Dezember 2018 um 12:00 Uhr.

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