Annette Dittert - Brexit Diary
Brexit-Diary

Brexit-Diary Biden bereitet Johnson Kopfschmerzen

Stand: 29.10.2020 07:32 Uhr

Boris Johnson hat während des Brexits klar auf Donald Trump gesetzt. Nun droht Trump sein Amt an Joe Biden zu verlieren. Der hält wenig vom Brexit - und das hat auch biografische Gründe.

Von Annette Dittert, ARD-Studio London

Ein Wahlsieg Joe Bidens wäre keine gute Nachricht für die Johnson-Regierung, zumindest auf den ersten Blick nicht. Boris Johnson hat seit dem Brexit keinen Hehl daraus gemacht, dass er sich Trump besonders verbunden fühlt. Und der hat ihn seinerseits immer wieder als den "britischen Trump" hochgelobt.

Annette Dittert

Ein Umstand, der der britische Regierung jetzt Kopfschmerzen bereiten dürfte. Denn Biden liegt derzeit vorn, und hat immer wieder deutlich gemacht, dass er vom Brexit ganz generell wenig hält und glaubt, dass er Großbritanniens Position in der Welt eher schwächen wird.

Rote Karte per Tweet

Als Johnson vor einigen Wochen erneut mit einem chaotischen Austritt ohne Abkommen, dem sogenannten No Deal drohte, schickte Biden am 16. September die rote Karte direkt per Tweet über den Atlantik. Er warnte Johnson, beim EU-Austritt das Karfreitagsabkommen nicht zu gefährden. Der sogenannte No Deal, also ein Austritt ohne Abkommen, würde eine Grenze zwischen Irland und Nordirland nämlich wieder nötig machen.

Nancy Pelosi, die Sprecherin des Repräsentantenhauses, ging sogar noch einen Schritt weiter: "Was denkt die britische Regierung eigentlich? Mit einer Grenze in Irland gibt es Null Chance auf einen Deal."

Der Ärger kommt nicht von ungefähr

Der Ärger der amerikanischen Demokraten hat einen Grund: Unter Präsident Bill Clinton hatten sie am Zustandekommen des Karfreitagsabkommens einen wesentlichen Anteil gehabt. Und Biden selbst hat irische Wurzeln, ihm liegt der irische Friede also auch ganz persönlich am Herzen.

Johnson habe das einfach unterschätzt, erklärt Jonathan Powell, der ehemalige Nordirland-Unterhändler Tony Blairs: "Biden ist ungeheuer stolz auf seine irischen Wurzeln und hat eine wichtige Rolle bei den Friedensverhandlungen gespielt. Sie werden Johnson sehr kühl begegnen, wenn Biden gewinnt. Denn sie sehen ihn als europäisches Trump-Double und haben auch nicht vergessen, wie er 2016 Barack Obama als Halb-Kenianer beleidigt hat."

Auf die derzeit noch laufenden Brexitverhandlungen aber werde das Ergebnis der US-Wahl kaum einen Einfluss haben, meint Powell. "Aber dennoch - die Johnson-Regierung hat zum Biden-Umfeld kaum diplomatische Verbindungen und ist derzeit deshalb zu Recht in großer Sorge, von ihm nach einem möglichen Sieg erstmal links liegen gelassen zu werden."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. Oktober 2020 um 11:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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B. Pfluger 29.10.2020 • 12:45 Uhr

Johnson hat klar auf Trump gesetzt.

Auf Trump zu setzen ist (gelinde gesagt) naiv und unverantwortlich. Trump als Partner in einem Deal ist ein Vabanque Spiel, da Trump sich bekanntlich an keine Verträge hält. Sollte tatsächlich ein Handelsvertrag zwischen GB und den USA zustande kommen (vorausgesetzt Trump bekommt eine 2. Amtszeit), dann wird die Trump Regierung die Konditionen bestimmen und nicht GB. Auch keine gute Option für GB. So oder so, Johnson hat auf das falsche Pferd gesetzt und wird nach dem Brexit nicht mehr lange Premier bleiben.