Eine Boeing 737 MAX 8 auf einen Rollfeld | Bildquelle: picture alliance / Dirk Waem/BEL

737-Absturz in Äthiopien Erste Klage gegen Boeing

Stand: 02.04.2019 07:32 Uhr

Nach den Abstürzen zweier Maschinen des Typs 737 Max 8 in Indonesien und Äthiopien steht Boeing bereits massiv unter Druck - nun klagen die Angehörigen eines Opfers. Im Fokus: Die Flugsteuerungssoftware MCAS.

Auf Boeing kommt nach dem Flugzeugabsturz in Äthiopien eine Klage zu. Die Familie eines Passagiers, der bei dem Absturz ums Leben kam, verklagte den Flugzeugbauer vor einem Bundesgericht im US-amerikanischen Illinois.

Hintergrund ist ein mutmaßlich defektes Flugkontrollsystem, über das Boeing die Fluggesellschaft Ethiopian Airlines laut der Anklage nicht informiert haben soll.

Fahrlässig entwickelt?

Die Anwälte der Familie des ruandischen Staatsbürgers sagten, Boeing habe die neuen 737-Jets fahrlässig entwickelt. Außerdem habe sie Piloten nicht ausreichend trainiert, um Fehler im Umgang mit der neuen Software zu vermeiden.

Der Flugzeugbauer wollte sich zur Klage selbst nicht äußern. "Wir sprechen den Angehörigen derer, die an Bord des Flugs 302 von Ethiopian Airlines waren, unser tiefstes Mitgefühl aus." Boeing unterstütze weiter die Ermittlungen zur Unfallursache und arbeite mit den zuständigen Behörden zusammen, erklärte eine Boeing-Sprecherin lediglich.

Das automatische Flugsteuerungssystem MCAS, das einen Strömungsabriss verhindern soll und die Nase des Flugzeugs im Zweifelsfall automatisch absenkt, wird nach zwei Abstürzen genau untersucht.

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So funktioniert das Computersystem der Boeing 737 MAX

Nach den Abstürzen der zwei Boeing-Maschinen des Typs 737 MAX ist das Stabilisierungssystem MCAS im Visier. Laut Ermittlern könnte es eine entscheidende Rolle bei den Unglücken gespielt haben.

Grafik 1: MCAS - Über 14 Grad Steigung droht ein Strömungsabriss

Ein Sensor misst während des Starts den Anstellwinkel. Ist er zu steil, droht ein Strömungsabriss. Jetzt greift das MCAS ein.

Probleme mit der Software?

Laut einem vorläufigen Abschlussbericht von US-Ermittlern war das System kurz vor dem Unglück eingeschaltet worden, wie das "Wall Street Journal" berichtete. Die Ermittler beziehen sich demnach auf die Auswertung des Flugschreibers. Es handelt sich demnach um den bislang wichtigsten Hinweis darauf, dass eine Fehlfunktion des Trimmsystems zu den Abstürzen der Boeing-Maschinen in Äthiopien und Indonesien geführt haben könnte.

Fachleute der US-Regierung hatten demnach während der vergangenen Tage Material der äthiopischen Regierung ausgewertet und die Schlüsse der US-Luftfahrtbehörde FAA vorgelegt. Die Ermittlungen seien jedoch noch nicht abgeschlossen. MCAS soll die schwereren und größeren Triebwerke der MAX-Modelle von Boeing im Vergleich zu früheren 737-Versionen ausgleichen.

Am 10. März war eine 737-MAX-Maschine von Ethiopian Airlines kurz nach dem Start in Addis Abeba abgestürzt; erst im Oktober verunglückte zudem ein Lion-Air-Flugzeug des gleichen Typs vor der indonesischen Insel Java. Insgesamt starben fast 350 Menschen. Beide Unglücksmaschinen waren nach dem Start mit äußerst unregelmäßiger Flugkurve und -geschwindigkeit aufgestiegen und anschließend unkontrolliert abgesunken.

Erste Klage gegen Boeing nach Äthiopien-Absturz
Martin Ganslmeier, NDR Washington
29.03.2019 19:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete BR5 am 29. März 2019 um 15:40 Uhr.

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