Rauch steig in einem Wohngebiet in Stepanakert in Aserbaidschan auf. | AFP

Konflikt um Bergkarabach Angriffe auf Zivilisten?

Stand: 05.10.2020 12:38 Uhr

Im Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Bergkarabach gehen die Kämpfe weiter. Beide Seiten werfen einander Angriffe auf Zivilisten vor.

Im Kampf um die Kaukasus-Region Bergkarabach haben Armenien und Aserbaidschan einander Angriffe auf Zivilisten vorgeworfen. Die von Armenien unterstützte Führung von Bergkarabach teilte mit, aserbaidschanische Streitkräfte hätten die Hauptstadt Stepanakert beschossen. Die Antwort der Verteidigungskräfte werde nicht lange auf sich warten lassen, so ein Sprecher der Regierung Bergkarabachs.

Aserbaidschan warf Armenien vor, Raketen auf mehrere Städte außerhalb Bergkarabachs gefeuert zu haben. Die Führung in Baku sprach davon, dass Armenien dicht besiedelte Gebiete und zivile Einrichtungen auf aserbaidschanischem Gebiet beschossen habe. Diese seien von armenischem Territorium aus abgefeuert worden, wie Aufzeichnungen des Radarsystems ergeben hätten, erklärte das aserbaidschanische Verteidigungsministerium. Dem widersprach die armenische Regierung in Jerewan.

Konflikt kocht seit einer Woche erneut hoch

Der seit langem schwelende Konflikt der beiden verfeindeten Nachbarländer Armenien und Aserbaidschan war vor gut einer Woche wieder offen ausgebrochen. Es ist die heftigste Eskalation seit Jahrzehnten. Seitdem gibt es zahlreiche Tote auf beiden Seiten. Bergkarabach mit seinen etwa 150.000 Einwohnern hatte sich 1991 von Aserbaidschan losgesagt. International ist die Region nicht als unabhängige Republik anerkannt.

Das Gebiet wird von Armenien kontrolliert, gehört aber völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor etwa 30 Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über die Region. Sie wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Seit 1994 gilt eine brüchige Waffenruhe.

Karte: Aserbaidschan, Bergkarabach, Armenien

Zwei Mächte hinter dem Konflikt

Aserbaidschan wird von der Türkei unterstützt, Russland ist die Schutzmacht von Armenien. In den vergangenen Jahren hatte Moskau jedoch beide Seiten mit Waffen beliefert. Durch Bergkarabach verlaufen wichtige Erdgas- und Öl-Pipelines, mit denen Aserbaidschan den Weltmarkt beliefert.

Offizielles Gremium für die Vermittlung zwischen Armenien und Aserbaidschan ist die sogenannte Minsker Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Die Gruppe forderte ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen sowie eine Rückkehr an den Verhandlungstisch.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. Oktober 2020 um 11:00 Uhr.