Der russische Ministerpräsident Mischustin | Bildquelle: dpa

Proteste in Belarus Russischer Ministerpräsident kommt nach Minsk

Stand: 02.09.2020 13:50 Uhr

Belarus und Russland rücken zusammen. Regierungsmitglieder fliegen von Moskau nach Minsk und umgekehrt. Die Proteste nach der belarussischen Präsidentenwahl am 9. August haben die Hauptstädte alarmiert.

In der Krise kommt der Freund aus Moskau zu Besuch. Der russische Ministerpräsident Michail Mischustin will morgen in die belarussische Hauptstadt Minsk fliegen. Das kündigte Russlands Außenminister Sergej Lawrow heute nach einem Treffen mit seinem belarussischen Kollegen Wladimir Makej in Moskau an. Auch die Präsidenten beider Länder, Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko, wollten sich treffen, laut Lawrow in den nächsten zwei Wochen.

Die Außenminister von Belarus und Russland, Makej und Lawrow | Bildquelle: AP
galerie

Der belarussische Außenminister Makej lobt die russische Haltung.

"Lage in Belarus stabilisiert sich"

Makej äußerte die Einschätzung, dass sich die Lage in seinem Land stabilisiere. "Zwar gibt es noch eine gewisse politische Konfrontation, die Intensität hat aber nachgelassen." Zugleich lobte er die Haltung der russischen Regierung in der Krise in Belarus. Russland habe dabei geholfen, eine Einmischung von außen zu verhindern. "Wir haben dem Ansturm standgehalten", sagte er. Es sei nicht zugelassen worden, dass es in Belarus eine Revolution wie im Nachbarland Ukraine gebe.

Enge Verbindungen zwischen Belarus und Russland

Von Minsk nach Moskau wird am Freitag der Verteidigungsminister von Belarus, Viktor Chrenin, fliegen. Das kündigte das Ministerium auf seiner Internetseite an. Russland ist ein enger Verbündeter von Belarus. Die belarussische Wirtschaft ist abhängig von Nachbarn im Osten, und - zumindest auf dem Papier - bilden beide Länder einen Staatenbund. In den vergangenen Tagen haben die Präsidenten Lukaschenko und Putin mehrfach telefoniert. Putin sicherte dabei zu, im Fall einer Eskalation in Belarus russische Sicherheitskräfte zu schicken.

Die Präsidenten von Belarus und Russland, Lukaschenko und Putin | Bildquelle: AP
galerie

Die Beziehungen zwischen Belarus und Russland sind traditionell eng.

Wieder Festnahmen bei Protesten in Minsk

Gestern, zu Beginn des Studienjahres an den Universitäten und zum Schulanfang, waren bei Protesten in Belarus 95 Menschen festgenommen worden. Studierende waren auf die Straßen gegangen und hatten die Freilassung von politischen Gefangenen gefordert. In Gewahrsam gerieten auch wieder Journalisten. Das Internetportal tut.by berichtet von sechs Reportern, die die Nacht in einer Polizeistation verbracht hätten.

Festnahmen bei Protesten in Minsk | Bildquelle: via REUTERS
galerie

Gestern wurden bei Protesten 95 Menschen festgenommen.

Seit der Präsidentenwahl am 9. August protestieren regelmäßig Zehntausende in Belarus gegen Präsident Lukaschenko. Sie halten die Wahl für gefälscht, das Ergebnis von 80 Prozent für den Amtsinhaber für erfunden. Die Polizei und Spezialtruppen des Innenministeriums gehen teilweise brutal gegen die Demonstranten vor. Festgenommene berichteten nach ihrer Freilassung von Schlägen und Folter.

Belarussischer Präsident dankt russischen Journalisten

Lukaschenko dankte unterdessen dem russischen Staatssender RT für "seine Unterstützung" während der Proteste in seinem Land. In einem Interview mit RT sagte er: "In diesen schwierigen Zeiten wissen Sie, wie wichtig Sie für uns waren." Im Zuge der Proteste waren rund 300 Mitarbeiter des belarussischen staatlichen Fernsehens Mitte August in den Streik getreten, viele wurden entlassen. Tage später hatten laut Lukaschenko russische Journalisten und Techniker die Arbeit in Minsk übernommen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. September 2020 um 20:00 Uhr.

Darstellung: