Der Sarg von Roman Bondarenko wird aus der Kirche getragen | Bildquelle: via REUTERS

Belarusischer Regierungsgegner "Roman, du bist ein Held!"

Stand: 20.11.2020 14:24 Uhr

Sein Tod hatte landesweit Proteste ausgelöst - heute wurde der belarusische Oppositionelle Roman Bondarenko in Minsk beerdigt. Tausende kamen, um an der Trauerfeier teilzunehmen.

Von Karin Bensch, ARD-Studio Moskau

"Es lebe Belarus!" riefen Tausende Menschen, die gekommen waren, um sich von Roman Bondarenko zu verabschieden. Auf dem Platz vor der russisch-orthodoxen Kirche in Minsk, mit goldenen und blauen Kuppeldächern, gab es lange Warteschlangen. Viele Menschen hielten weiße und rote Rosen in die Luft - in den Farben der Oppositionsbewegung. Einige machten ein Victory-Zeichen, als Symbol des Sieges. Andere riefen "Roman, du bist ein Held!"

In der Kirche fand die Trauerfeier für den jungen Mann statt, der nur 31 Jahre alt wurde. Ein Mann, der ihn kannte, sagte: "Das ganze Volk ist gegen diese Macht. Wir leiden mit der ganzen Familie und Freunden mit. Wir leiden auch mit allen mit, die in dieser Zeit gestorben sind."

Trauergäste heben die Hand zum Vicotory-Zeichen bei der der Beisetzung von Roman Bondarenko | Bildquelle: REUTERS
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Viele Menschen hielten weiße und rote Rosen in die Luft. Weiß-Rot-Weiß sind die Farben der Oppositionsbewegung.

Nachbarschaftsstreit oder gezielter Angriff?

Das Drama um Roman Bondarenko, das viele Menschen in Belarus bewegt, geschah in einem Innenhof, ganz in der Nähe seiner Wohnung in Minsk. Dieser Innenhof ist zu einem kleinen Ort des Widerstandes geworden: Menschen hängen dort weiß-rot-weiße Schleifen auf. Nachbarn nennen ihn "Platz des Wandels".

In diesem Innenhof soll es einen Nachbarschaftsstreit gegeben haben, in den Bondarenko im alkoholisierten Zustand verwickelt gewesen sein soll, und bei dem er verletzt wurde, heißt es nach offiziellen Angaben. Augenzeugen berichten aber, dass der junge Mann dort von maskierten Männern in Zivil angegriffen und geschlagen wurde. Sie gehen davon aus, dass es Sicherheitskräfte waren.

Bondarenko habe am Boden gelegen, zwei, drei Männer hätten ihn festgehalten, das zeigen auch Videoaufnahmen. Danach wurde der junge Mann offenbar zum Bus getragen und zur Polizeiwache gefahren. Gegen Mitternacht wurde Bondarenko schwer verletzt auf eine Intensivstation gebracht. Aus dem Arztbericht geht hervor, dass er massive Kopf- und Hirnverletzungen hatte. Außerdem Blutergüsse und Wunden im Gesicht und an den Beinen. In seinem Blut wurde demnach kein Alkohol gefunden. Am nächsten Tag starb er.

Lukaschenko verspricht "ehrliche" und "objektive" Untersuchung

Der belarusische Präsident Alexander Lukaschenko erklärte, er leide mit den Eltern. Wenn eine Person sterbe, sei es immer schrecklich - besonders wenn das ein junger Mann sei, so Lukaschenko: "Ich habe den Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses angewiesen, diese Situation ehrlich und objektiv zu untersuchen."

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International äußerte jedoch Zweifel am Aufklärungswillen. Die belarusische Regierung versuche weiterhin, ihre Kritiker mit Gewalt zum Schweigen zu bringen und schrecke auch nicht davor zurück, Demonstranten zu foltern und zu töten, erklärte Amnesty.

Trauergäste legen Blumen nieder bei der Beisetzung von Roman Bondarenko | Bildquelle: REUTERS
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Blumen für Roman Bondarenko. Die genauen Umstände seines Todes sind noch nicht geklärt.

Opposition: "Unschuldiges Opfer einer schrecklichen Systems"

Die Opposition geht davon aus, dass der Staat für den Tod von Roman Bondarenko verantwortlich ist. Swetlana Tichanowskaja, die Herausforderin von Lukaschenko, sagte: "Ich kann mir nicht vorstellen, welchen Schrecken eine Mutter empfindet, wenn sie ihr eigenes Kind begraben muss. Aber ich möchte der Mutter von Roman Bondarenko sagen: Bitte nehmen Sie mein tiefstes Beileid an. Ihr Sohn ist ein unschuldiges Opfer eines schrecklichen Systems geworden. Für jeden von uns wird er für immer ein Held dieses Landes sein."

Aus Trauer und Wut über den Tod von Bondarenko und gegen Machthaber Lukaschenko sind vergangene Woche Tausende Menschen in Minsk auf die Straße gegangen. Sie bildeten Menschenketten und legten Blumen nieder. Auch am kommenden Wochenende werden wieder Demonstrationen erwartet. Die Beerdigung des jungen Mannes fand nach der Trauerfeier im kleinen Kreis statt. Nur seine Familie war dabei, um von ihm Abschied zu nehmen.

Belarus: Junger Demonstrant wird heute beerdigt
Karin Besch, WDR
20.11.2020 13:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. November 2020 um 14:11 Uhr.

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