Einsturz der Getreidesilos im Hafen von Beirut. | AP

Zwei Jahre nach Explosion in Beirut Silo im Hafen teilweise eingestürzt

Stand: 31.07.2022 19:35 Uhr

Im Hafen von Beirut ist ein Getreidesilo teilweise eingestürzt, der bei der Explosion vor zwei Jahren besonders stark getroffen worden war. In dem Komplex hatte seit mehr als zwei Wochen ein Feuer gebrannt.

Im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut ist einer der symbolträchtigen Getreidesilos teilweise eingestürzt - fast auf den Tag genau zwei Jahre nach der verheerenden Explosion dort. Örtliche Medien berichteten von zwei kollabierten Türmen im nördlichen Bereich des Silos. Auf Videoaufnahmen waren der Einsturz eines Siloabschnitts, zu Boden fallende Trümmer und eine Staubwolke zu sehen. Berichte über Tote oder Verletzte gibt es bislang nicht.

Der Silo war besonders stark von der Explosion im Hafen von Beirut am 4. August 2020 getroffen worden. Zur Detonation war es gekommen, weil sich ohne Schutzmaßnahmen gelagerter Ammoniumnitratdünger entzündet hatte. Infolge des Unglücks starben mehr als 200 Menschen, über 6500 wurden verletzt. Die Untersuchung der Unglücksumstände war seit den ersten Wochen behindert worden. Beobachter vermuten aus politischen Gründen. Angehörige der Opfer und Nichtregierungsorganisationen werfen den Behörden vor, ihre mögliche Mitverantwortung systematisch zu verschleiern.

Brand durch entzündetes Getreide

Der geschäftsführende Ministerpräsident des Libanon Najib Mikati hatte bereits am vergangenen Mittwoch vor einem Einsturz gewarnt. Die Armee sollte sich auf einen Kollaps vorbereiten; Arbeiter, Zivilschutzmitarbeiter und Feuerwehrleute waren aufgefordert worden, sich in sicherem Abstand von den Türmen aufzuhalten. Bürger sollten in der Umgebung der Silos im Fall eines Einsturzes Atemschutzmasken tragen. 

Vor zwei Wochen war in dem Komplex ein Feuer ausgebrochen, nachdem sich Getreide entzündet hatte - nach Angaben der Behörden eine Folge von durch die Sommerhitze begünstigten Gärungsprozessen. In den Türmen waren nach Mikatis Angaben noch rund 3000 Tonnen Weizen und Mais gelagert, die nach offiziellen Angaben aber nicht entfernt werden konnten, da dies den Einsturz beschleunigt hätte. 

Abrissarbeiten unterbrochen

Die libanesische Regierung hatte im April den Abriss der Silo-Überreste angeordnet. Die Arbeiten waren aber unterbrochen worden - unter anderem, weil Angehörige von Todesopfern der Explosion im August 2020 gefordert hatten, die Ruinen als Erinnerungsort zu erhalten. Die Silos im Hafen von Beirut hatten vor der Explosion eine Lagerkapazität von mehr als 100.000 Tonnen. Nach dem Unglück waren ihre 48 Meter hohen Überreste eine Art Mahnmal für die Explosion gewesen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Juli 2022 um 20:00 Uhr.