Virginia Roberts Giuffre spricht mit Journalisten vor einem Gericht in Manhattan. | Bildquelle: dpa

BBC-Interview Mutmaßliches Opfer belastet Prinz Andrew

Stand: 03.12.2019 05:35 Uhr

In einem Interview der BBC erneuert ein mutmaßliches Opfer des US-Geschäftsmannes Epstein die Vorwürfe gegen Prinz Andrew. Giuffre sei nach London geflogen worden, um dort Sex mit dem britischen Adligen zu haben.

Im Missbrauchsskandal um den US-Geschäftsmann Jeffrey Epstein hat eines der Opfer erneut schwere Vorwürfe gegen den britischen Prinzen Andrew erhoben. Sie sei im Alter von 17 Jahren drei Mal von dem mittlerweile verstorbenen Epstein zum Sex mit Prinz Andrew gezwungen worden, sagte Virginia Roberts Giuffre in einem Interview mit der BBC, das am Abend ausgestrahlt wurde. Sie forderte die Briten darin auf, "dass sie das nicht als OK akzeptieren sollten".

Es handele sich nicht um eine schmutzige Sexgeschichte, sondern um eine Geschichte des Menschenhandels, des Missbrauchs und um die Royals. In Giuffres erstem Fernsehinterview beschrieb sie, wie sie 2001 von Epstein verschleppt und zum Sex gezwungen wurde.

"Es war schrecklich und dieser Typ hat mich vollgeschwitzt"

Giuffre äußerte sich in dem BBC-Interview unter anderem zu einem Abend in London. Sie gab an, mit Andrew in einem Nachtclub getanzt zu haben, bevor sie Sex mit ihm hatte. "Es war schrecklich und dieser Typ hat mich vollgeschwitzt", sagte Giuffre. Sie habe sich geekelt, aber gewusst, dass sie ihn bei Laune halten müsse, weil Epstein und dessen Freundin, Ghislaine Maxwell, das von ihr erwartet hätten.

Der Dokumentarfilm der BBC zeigt ein detailliertes Bild, wie Epstein Dutzende junge Frauen in seinen Luxusanwesen in der Karibik und in New York missbrauchte. Die heute 35-jährige Giuffre beschrieb, wie sie von Maxwell rekrutiert wurde, um Epstein zu massieren, als sie als Assistentin im Umkleideraum von US-Präsident Donald Trumps Resort Mar-a-Lago in Palm Beach in Florida gearbeitet habe. Maxwell streitet die Vorwürfe ab.

Andrew bestreitet die Vorwürfe

In einem kürzlich ausgestrahlten TV-Interview sagte der 59-jährige Prinz Andrew, er habe Giuffre noch nie gesehen. Er bestreitet zudem kategorisch, Sex mit ihr gehabt zu haben. Auch sei er aufgrund einer medizinischen Kondition nicht in der Lage zu schwitzen.

Der Skandal ist einer der schlimmsten, der das britische Königshaus in den vergangenen Jahrzehnten erfasst hat. Andrews Ruf hat stark darunter gelitten. Er ist eines der vier Kinder von Queen Elizabeth II. Wegen der Vorwürfe gab Andrew seine öffentlichen Aufgaben für das Königshaus bis auf Weiteres ab. Er sagte, wenn es nötig sei, sei er Willens, mit den Behörden zusammen zu arbeiten.

US-Strafverfolgungsbehörden haben nicht mitgeteilt, ob gegen Andrew ermittelt wird. Britische Behörden untersuchten Giuffres Vorwürfe, für den Sexhandel nach England gebracht worden zu sein, haben jedoch noch keine umfassende Ermittlungen begonnen.

Epstein-Opfer beschuldigt Prinz Andrew
Imke Köhler, ARD London
03.12.2019 07:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Dezember 2019 um 06:41 Uhr.

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