Michelle Bachelet | Bildquelle: AP

Chiles Ex-Präsidentin Bachelet wird UN-Menschenrechtskommissarin

Stand: 10.08.2018 21:02 Uhr

Einst kämpfte sich gegen Pinochets Diktatur - nun wurde Chiles Ex-Präsidentin Bachelet zur UN-Menschenrechtskommissarin gewählt. Die US-Vertretung bei der UN zeigte sich zurückhaltend über die Wahl.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Die UN-Vollversammlung gibt der neuen Hochkommissarin für Menschenrechte den Zuschlag und Generalsekretär Antonio Guterrez ist froh.

Michelle Bachelet ist zwar nicht da. Doch Guterres betont, die 66-jährige sei nicht umsonst seine erste Wahl für dieses Amt.

Sie habe sowohl bei den Vereinten Nationen als auch in ihrer Heimat Chile gute Arbeit geleistet. Was Folter bedeutet, musste sie bei ihrem Kampf für Menschenrechte unter der Pinochet-Diktatur am eigenen Leib erfahren. Sie wurde verhaftet und malträtiert. Dann floh sie in die damalige DDR und kehrte 1979 zurück.

2006 wurde sie erste Präsidentin des lateinamerikanischen Landes. 2014 wählten die Chilenen die linksgerichtete Politikerin zum zweiten Mal zur Staatschefin. Sie legalisierte die Abtreibung und die gleichgeschlechtliche Ehe.

Allerdings überschatteten Korruptionsvorwürfe gegen ihren Sohn und dessen Frau sowie ein Skandal um illegale Wahlkampffinanzierung für ihre Kampagne und ihr Parteienbündnis ihre zweite Amtszeit.

Zurückhaltung der USA

2010 wurde Bachelet die erste Leiterin der neugegründeten UN-Organisation für die Gleichberechtigung von Frauen. Als Hochkommissarin ist sie nun die höchste Wächterin der Menschenrechte der Vereinten Nationen. 

Zurückhaltend äußerten sich die USA. Eine Sprecherin von Botschafterin Nikki Haley mahnte: Bachelet solle die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Sie müsse sich für Reformen im Menschenrechtsrat einsetzen.

Die USA hatten das UN-Gremium aus Protest gegen einige Mitglieder verlassen, denen selbst Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, etwa Iran oder Venezuela. Außerdem sei Israel unfair behandelt worden, kritisierte die amerikanische UN-Botschafterin.

Ihre Aufforderung, Bachelet möge Fehler vermeiden, kann jedoch auch noch anders verstanden werden - als Anspielung nämlich auf den bisherigen Menschenrechtskommissar Zeid Ra‘ad Al Hussein. Der Jordanier hatte die Politik von US-Präsident Donald Trump oft kritisiert.

Hüterin der Menschenrechte: Bachelet als UN-Kommissarin bestätigt
Antje Passenheim, ARD New York
11.08.2018 07:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. August 2018 um 20:00 Uhr.

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