Jamal Khashoggi (Archiv Foto von 2011) | Bildquelle: AFP

Fall Khashoggi Zweite Aufnahme bringt Riad in Erklärungsnot

Stand: 16.11.2018 15:36 Uhr

Saudi-Arabien gerät im Fall Khashoggi erneut unter Druck. Eine zweite Tonaufnahme soll belegen, wie ein Spezialkommando im Istanbuler Konsulat von der bevorstehenden Tötung spricht. Das widerspricht früheren Darstellungen.

Vom Ablauf der Ermordung des regierungskritischen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul gibt es einem türkischen Medienbericht zufolge nicht nur eine, sondern zwei Audioaufnahmen. Bisher war nur bekannt gewesen, dass die Türkei über Aufnahmen vom Mord selbst verfügt. Der Zeitung "Hürriyet" zufolge gibt es auch ein Band aus der Zeit davor, dessen Inhalt der saudischen Darstellung des Tathergangs angeblich widerspricht.

"Hürriyet" berichtete, in der 15 Minuten langen Aufnahme sei zu hören, wie das aus Saudi-Arabien angereiste Spezialkommando schon vor Khashoggis Ankunft im Konsulat von der bevorstehenden Tötung spricht. Die Darstellung konterkariert eine saudische Version der Ereignisse von gestern, in der es hieß, dass Khashoggi spontan getötet worden sei, nachdem er es abgelehnt habe, mit nach Saudi-Arabien zu reisen. Die Situation sei eskaliert, so die Erklärung Saudi-Arabiens.

Cavusoglu mit saudischer Darstellung unzufrieden

Die Zeitung lancierte die Informationen, nachdem der saudische Generalstaatsanwalt gestern die Todesstrafe für fünf mutmaßliche Täter gefordert und angebliche Details des Hergangs veröffentlicht hatte. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hatte die Darstellungen sofort als "nicht zufriedenstellend" kritisiert.

"Hürriyet" ist die größte Zeitung der Türkei und gehört zu einem regierungsnahen Konzern. Die Türkei setzt Saudi-Arabien seit dem Tod Khashoggis am 2. Oktober mit über Medien gestreute Informationen aus den Aufnahmen aus dem Konsulat unter Druck. Woher sie die Aufnahmen hat, ist bis heute nicht geklärt.

Das Foto soll Jamal Khashoggi zeigen, wie er das saudi-arabische Konsulat in Istanbul betritt | Bildquelle: REUTERS
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Das Foto soll den Journalisten Jamal Khashoggi zeigen, wie er das saudische Konsulat in Istanbul betritt.

Deutschland fordert Aufklärung

Der Auswärtige Amt in Berlin forderte Saudi-Arabien nach der Anklage der elf Beschuldigten erneut zu einer lückenlosen und transparenten Aufklärung auf. Zusammen mit den europäischen Partnern werde Deutschland Erkenntnisse bewerten und Schlussfolgerungen ziehen, sagte ein Sprecher. "Ich glaube, sowohl zum Tathergang als auch zu den Hintergründen der Tat, als auch zu den Fragen der letztendlichen Verantwortung gibt es bisher noch offene Fragen", sagte er.

Die Ermittlungen der türkischen und der saudi-arabischen Seite müssten "entsprechend internationaler Standards fortgeführt werden", so der Sprecher. Er sagte: "Eine solch schreckliche Tat wie der Mord an Jamal Khashoggi darf nie wieder geschehen." Eine Todesstrafe lehne Deutschland unter allen Umständen als eine unmenschliche Art der Bestrafung ab.

In Istanbul wurde eine Trauerfeier für Khashoggi organisiert. Eine Gruppe von Menschen sprach vor der Istanbul Fatih-Moschee ein traditionelles Gebet, das im Islam rezitiert wird, wenn der Leichnam eines Toten zerstört oder unauffindbar ist. Die Zeremonie wurde von Freunden Khashoggis organisiert, die in Istanbul seit Wochen immer wieder Protestkundgebungen veranstalten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. November 2018 um 18:32 Uhr.

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