Demonstranten in Athen | Bildquelle: REUTERS

Ein Name spaltet Griechenland "Es kann nur ein Mazedonien geben"

Stand: 20.01.2019 12:00 Uhr

Die Namensänderung von Mazedonien trifft viele Griechen ins Mark. Vor allem in der gleichnamigen griechischen Provinz stößt die Entscheidung auf Unverständnis. Zehntausende protestieren in Athen.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Istanbul, zzt. Athen

"Nur unser Land darf Mazedonien heißen!", so und so ähnlich wird es heute wieder auf Fahnen und Bannern zu lesen sein. Wie zuletzt im Sommer könnten in Athen Hundertausende Griechen gegen den mit der mazedonischen Regierung ausgehandelten Namenskompromiss demonstrieren.

Von vielen Griechen wird Skopje nicht als Hauptstadt Mazedoniens anerkannt. In den offiziellen griechischen Landkarten heißt das Land FYROM - Former Yugoslav Republic of Macedonia (Frühere jugoslawische Republik Mazedonien).

"Sie erkennen einen Staat an, der nicht existiert. Eine ethnische Zugehörigkeit, die ebenso nicht existiert. Und auch noch eine Sprache, die es nicht gibt. Das ist absolut unakzeptabel. Wir dürfen das nicht erlauben". Die Wut der griechischen Gegner des Namensabkommens ist groß.

Zugeständnisse von beiden Seiten

Das, was die griechische Regierung unter Ministerpräsident Alexis Tsipras mit der sozial-demokratischen Regierung in Skopje ausgehandelt hab, sei falsch, sagt auch der Landwirt Thomas Karampasi. Sein Hof befindet sich 40 Kilometer westlich von Thessaloniki, in der griechischen Provinz Mazedonien: "Es kann nur ein Mazedonien geben. Das darf so nicht kommen. Wir wollen das nicht zulassen." Im Norden Griechenlands ist die Mehrheit gegen die Einigung mit dem Nachbarland.

Aber es gibt auch andere, wie den Handwerker Panagiotis Voutsos. Er ist Anhänger der Syriza-Partei und unterstützt den Regierungskurs: "Griechenland hat in einigen Punkten Kompromisse machen müssen. Wir erkennen zum Beispiel nun an, dass es bei unseren Nachbarn im Norden eine mazedonische Sprache gibt", sagt Voutsos. Aber auch die andere Seite habe Zugeständnisse gemacht. "Früher haben sie gesagt, sie stammten von Alexander dem Großen ab. Jetzt sagen sie, sie sind Slawen. Da ist es auch gerecht, dass sie jetzt den Namen Mazedonien im Namen ihres Staates führen dürfen."

Nein, solche Sätze von seinen liberalen Landsleuten könne er nicht akzeptieren, sagt der Kaufmann Giorgos Tsoupouli, im Laden eines kleines Dorfes in der Provinz Mazedonien. Er sei stolz auf sein Mazedonien - und das sei ausschließlich die griechische Provinz, in der er geboren wurde.

Unverständnis für die Wünsche Europas

Tsoupouli versteht nicht, warum sich Europa und die USA so dringend wünschen, dass das Land Mazedonien mit seiner Hauptstadt Skopje offiziell auch NATO-Partner werden soll, was Griechenland bisher wegen des Namensstreits verhindert hat: "Das ist nicht unser Problem, dass die in der NATO sein wollen. Wir haben damit nichts zu tun, das kann uns egal sein."

Freundliche Menschen, bodenständige Händler oder Landwirte - sie denken und handeln in Nordgriechenland eigentlich nach dem Motto "leben und leben lassen". Doch in der Mazedonien-Frage gibt es bei ihnen keinerlei Verständnis für die andere Seite. Auch wenn im Athener Parlament in ein paar Tagen die Mehrheit für den Namen Republik Nord-Mazedonien stimmen sollte - die Namensgegner werden das Land nördlich der Grenze wohl niemals so nennen.

Dimitrios Boutassis vom Büro der deutsch-griechischen Versammlung in Thessaloniki holt weit aus, um die Gründe zu erklären: "Wir sind von klein an so erzogen worden, dass wir Griechen ein auserwähltes Volk sind. Und wir sind auch zurecht stolz auf unsere Vergangenheit. Was uns fehlt, ist zu unseren Schwächen zu stehen. Wir wollen vor allem den Respekt vor uns selbst erhalten."

Dies habe auch mit der Krise zu tun, die das Land so gebeutelt habe, sagt Boutassis. "Wir sind ein verunsichertes Volk, deshalb reagieren viele von uns in der Mazedonien-Frage mit Unverständnis für die andere Seite."

"Republik Nord-Mazedonien": Warum viele Griechen diesen Namen ablehnen
Michael Lehmann, ARD Istanbul
20.01.2019 10:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 20. Januar 2019 MDR Aktuell um 12:05 Uhr und tagesschau24 um 13:00 Uhr.

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