Flüchtlinge im Camp Moria auf der griechischen Insel Lesbos, Archivbild | Bildquelle: dpa

Asyldebatte in Griechenland Hoffnung auf eine europäische Lösung

Stand: 19.06.2018 09:13 Uhr

Rund 50.000 Migranten sitzen fest in Griechenland, viele Flüchtlingscamps sind überfüllt. Auch deshalb setzt die griechische Regierung auf eine gesamteuropäische Flüchtlingspolitik.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

Laute Proteste vor der deutschen Botschaft in Athen. Einige hundert Flüchtlinge sind im vergangenen Sommer durch die Stadt gezogen, um für ihre Weiterreise nach Deutschland zu demonstrieren. 

Etwa 50.000 Migranten sitzen auch diesen Sommer weiterhin fest in Griechenland. Sie bekommen zu spüren, dass sie in weiten Teilen Europas nicht willkommen sind. Die griechische Regierung betont immer wieder, dass sie mit Deutschland gut zusammenarbeiten will.

Migrationsminister Ioannis Mouzalas lobte im vergangenen Winter die Politik der deutschen Bundesregierung: "Ich danke Deutschland, denn es ist ein Land, das sehr viele Flüchtlinge umgesiedelt hat. Andere Länder machen gar nichts. In Deutschland gibt es die meisten Familienzusammenführungen."

Heillos überfüllte Flüchtlingscamps

Vor allem auf den griechischen Inseln ist der Druck auf die griechische Regierung weiterhin groß. Sie müsste eigentlich mehr tun für bessere Unterbringung in den heillos überfüllten Flüchtlingscamps. 

Solidarität gibt es es vor allem für die Einheimischen. Bei seiner Rundreise über mehrere griechische Inseln sagte Regierungschefs Alexis Tsipras Anfang Mai auf Lesbos:

"Das ist ein existenzielles Problem für alle europäischen Länder. Wir hätten keine vernünftige Zukunft, wenn nur jeder an die Vorzüge unserer Gemeinschaft und nicht an die Verpflichtungen denkt. Es wird entscheidend sein, eine gemeinsame Migrationspolitik zu entwickeln."

Griechenland setzt auf Abschreckung

Jenseits der guten Worte bleibt auch in Griechenland vor allem die Abschreckung Tagespolitik. Kein Regierungsmitglied in Athen nimmt zwar das Wort Abschreckung in den Mund. Doch Frontex-Boote in der Ägäis, Stacheldrahtzäune um Flüchtlingscamps und lange Wartezeiten für Asylverfahren sind deutliche Signale an wartende Flüchtlinge auf türkischer Seite, lieber erst gar nicht nach Griechenland zu kommen.

Für die, die schon in Griechenland sind, gibt es Angebote, sich zu integrieren. Bei Gesprächen mit der deutschen Bundesregierung kann die griechische Regierung auf ein Wohnungsprogramm für Flüchtlinge verweisen. Das läuft gemeinsam mit dem UNHCR, dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen.

"Sie denken, in Deutschland wartet das Paradies"

Viele Hundert Flüchtlinge auf den griechischen Inseln leben inzwischen in Mietwohnungen. Auf Lesbos werden sie von Sozialarbeitern wie Michaelis betreut:

"Die Leute haben ihren eigenen Traum vom besseren Leben und sie denken, in Deutschland wartet das Paradies auf sie. Und dann erkläre ich es ihnen. Ich war als Student drei Jahre lang in Frankreich. Ich weiß, dass es dort wie auch in Deutschland eben nicht einfacher ist als Flüchtling sich hochzuarbeiten. Ich versuche, Flüchtlinge zu ermutigen hier in Griechenland zu bleiben, auch auf unserer Insel."

"Wenn mehr Länder in Europa wenigstens ein paar Tausend Migranten aufnähmen, gäbe es bei uns in Griechenland keine überfüllten Camps mehr." Dieser Satz ist unter Flüchtlingshelfern und Migrationsexperten immer wieder zu hören. Die griechische Regierung bleibt aus eigenem Interesse offen für eine gesamteuropäische Flüchtlingspolitik.

Flüchtling-Debatte: Griechenland baut auf mehr Vernunft in ganz Europa
Michael Lehmann, ARD Istanbul, zzt. Athen
19.06.2018 08:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Juni 2018 um 05:50 Uhr.

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