Julian Assange verlässt den Westminster Magistrates Court in London | Bildquelle: REUTERS

US-Justiz Neue Vorwürfe gegen Assange

Stand: 25.06.2020 07:27 Uhr

Die US-Justiz erhebt neue Vorwürfe gegen Julian Assange: Er habe Menschen rekrutiert, um Netzwerke für seine Enthüllungsplattform Wikileaks zu hacken. Zu den bisher 18 Anklagepunkten werden aber keine weiteren hinzugefügt.

Die US-Justiz hat neue Vorwürfe gegen Wikileaks-Gründer Julian Assange vorgebracht. Gegen den 48-Jährigen werde von einer breiteren Verschwörung beim Ausspionieren von Computern als bislang ausgegangen, teilte das Justizministerium in Washington mit. Demnach hätten "Assange und andere" Menschen dafür rekrutiert, Netzwerke zu hacken, damit die Enthüllungsplattform Wikileaks davon profitiere.

Allerdings würden zu den bisher 18 Anklagepunkten gegen Assange keine weiteren hinzugefügt. Der Staatsanwaltschaft zufolge unterstreicht die Anklageschrift aber Assanges mutmaßliche Bemühungen, geheime Informationen zu beschaffen und zu veröffentlichen. Diese Anschuldigungen bilden die Basis der bisherigen Anklage.

"Die unerbittliche Verfolgung von Julian Assange durch die Regierung ist eine große Bedrohung für Journalisten überall und für das öffentliche Recht auf Wissen", teilte sein Anwalt Barry Pollack mit.

Assange drohen bis zu 175 Jahre Haft

Die US-Justiz wirft Assange vor, der Whistleblowerin Chelsea Manning geholfen zu haben, geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan zu veröffentlichen. Dabei soll Washington zufolge insbesondere die Sicherheit von US-Informanten aufs Spiel gesetzt worden sein.

Bei einer Verurteilung in allen 18 Anklagepunkten drohen Assange bis zu 175 Jahre Haft. Assange bestreitet die Vorwürfe. Die Wikileaks-Enthüllungen hatten auch zur Aufdeckung von Kriegsverbrechen durch amerikanische Soldaten geführt.

Auslieferungsprozess pausiert wegen Corona

Assange hatte sich aus Angst vor einer Auslieferung an die USA 2012 in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet. Damals lag gegen ihn ein europäischer Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden vor. Die Ermittlungen wurden jedoch später eingestellt. Die britische Polizei verhaftete Assange im April 2019, weil er mit der Flucht in die Botschaft gegen Kautionsauflagen verstoßen hatte. Er wurde zu einem knappen Jahr Gefängnis verurteilt.

Der gebürtige Australier sitzt seit rund einem Jahr im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh. Eine Anhörung zum US-Antrag auf Auslieferung Assanges war im Mai wegen der Corona-Pandemie auf September verschoben worden.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 25. Juni 2020 um 22:15 Uhr.

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