Insassen eines Arbeitslager in China

Arbeitslager in China Zwangsarbeit für US-Firmen?

Stand: 18.12.2018 09:35 Uhr

In China werden Arbeitslager-Insassen offenbar systematisch zu Zwangsarbeit verpflichtet. Sie produzieren Kleidung für US-Firmen. Eine religiöse Gruppe ist davon besonders betroffen.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Menschenrechtsorganisationen prangern seit längerem an, dass in Chinas nordwestlicher Region Xinjiang Hunderttausende Menschen in Arbeitslagern eingesperrt werden. Dass die Insassen offenbar auch gezwungen werden, für teils profitorientierte Unternehmen Kleidung und Lebensmittel zu produzieren, ist jedoch neu.

Firma will andere Lieferanten engagieren

Recherchiert haben das Ganze unter anderem die Nachrichtenagentur AP, die "Financial Times" und die "New York Times". Demnach bekam zum Beispiel die US-Sportartikelfirma "Badger Sportswear" Lieferungen aus einer Textilfabrik, die ihren Sitz in einem Arbeitslager in Xinjiang hat. Die Firma reagierte bereits und will zunächst auf andere Lieferanten umstellen.

In den Medienberichten kommen zahlreiche Menschen zu Wort, deren Angehörige in Lagern im Nordwesten Chinas eingesperrt sind und zu Arbeit gezwungen werden.

Staatsführung weist kritische Berichte zurück

Chinas Staats- und Parteiführung weist die Berichte zurück. Doch sie lässt nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen auch Hunderttausende Menschen ohne Anklage einsperren. Betroffen sind muslimische Chinesen, zum Beispiel Angehörige der Uiguren- und der Hui-Volksgruppe.

Die Staatsführung nennt die Lager offiziell "Ausbildungszentren“ und begründet diese mit einer erhöhten Terrorismusgefahr, die in der muslimisch geprägten Region Xinjiang herrsche.

Kein Besuch in Lagern möglich

Ausländische Reporter, Menschenrechtler und Politiker dürfen diese Lager nicht besuchen. Deswegen lassen sich die Angaben der Menschenrechtsorganisationen nicht unabhängig bestätigen.

China: Arbeitslager-Insassen in Xinjiang produzieren Kleidung für US-Markt
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
18.12.2018 08:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Dezember 2018 um 12:00 Uhr.

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